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Lehman-Pleite : Im September vor zwei Jahren

Angst und Wut: Ein Demonstrant macht im September 2008 seinen Gefühlen vor dem Sitz von Lehman Brothers in New York Luft Bild: AP

Erst starb Lehman Brothers, dann wurde die Versicherung AIG verstaatlicht. Das zweite Septemberwochenende des Jahres 2008 gilt seitdem als historisches Ereignis. Die Kräfte, die Finanzmärkte bewegen, haben sich jedoch nicht verändert.

          Anfang März 2007 schaute der Finanzjournalist John Authers in seinem New Yorker Büro verwundert auf die Kursentwicklung an den Finanzmärkten. Eher zufällig hatte er kurz nacheinander aktuelle Charts des amerikanischen Standard & Poor's-500-Aktienindex und des Dollar-Yen-Wechselkurs abgerufen, die Kursveränderungen im Minutentakt zeigten. Die beiden Charts verliefen völlig parallel, eigentlich eine Unmöglichkeit.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Authers schrieb später ein Buch über die Finanzkrise („The Fearful Rise of Markets“), indem er weitere auffällige Parallelen in der Kursentwicklung demonstrierte. Ein enges Band bestand unter anderem zwischen einem internationalen Rohstoffindex und einem Index für lateinamerikanische Aktien sowie zwischen dem Euro-Dollar-Kurs und dem Preis für Terminkontrakte auf amerikanisches Leichtöl. Diese Parallelität deutete auf ein gleichgerichtetes Handeln großer Finanzinvestoren auf diesen Märkten hin. Und so wie diese Finanzinvestoren lange Zeit eine Hausse an vielen Märkten getrieben hatten, stand zu befürchten, dass dieser Herdentrieb eine eventuelle Baisse vertiefen könnte. Zu diesen Finanzinvestoren zählten die fünf großen amerikanischen Investmentbanken aus der Wall Street. In der Reihenfolge ihrer Größe: Goldman Sachs, Morgan Stanley, Merrill Lynch, Lehman Brothers und Bear Stearns. Ihre Spezialität zu jener Zeit: Kapitalmarktgeschäfte mit hohen Kredithebeln.

          Die Party war beendet, doch der Kater kam erst später

          Am 11. Juni 2007 trafen sich in Barcelona rund 5000 Banker, Fondsmanager und Versicherungsleute, die ganz überwiegend im Verbriefungsgeschäft tätig waren. Die Verwandlung von Krediten in handelbare Wertpapiere hatte sich in den Vorjahren zu einem glänzenden Geschäft nicht zuletzt für die amerikanischen Investmentbanken entwickelt. Verbrieft wurden unter anderem amerikanische Immobilienkredite fragwürdiger Bonität; Abnehmer für diese Papiere fanden sich unter anderem in der deutschen Bankenbranche.

          Die Pleite der amerikanischen Bank sorgte schnell für Kursstürze - auch der Dax rauschte in den Keller

          In diesem Juni 2007 hatte sich der Markt für diese Hypothekenkredite längst in eine Baisse begeben und damit die Bonität der auf ihnen gebauten Wertpapiere erschüttert; gleichwohl stand die von rauschenden Parties begleitete Tagung in Barcelona im Zeichen eines ungebrochenen Optimismus. Unter anderem traten dort Banker in einer Amateur-Rockband mit dem beziehungsreichen Namen „D‘Leverage“ auf. Am 12. Juni, nur einen Tag nach der Party in Barcelona, wurde in New York bekannt, dass ein eng mit Bear Stearns verbundener Hedge-Fonds wegen fragwürdiger Hypothekenpapiere in erhebliche Schwierigkeiten geraten war. Die Party war beendet; der Kater sollte aber erst rund ein Jahr später kommen.

          Der Risikomanager musste vor Entscheidungen den Raum verlassen

          Im Juni 2008 fand in der New Yorker Zentrale von Lehman Brothers eine Palastrevolution statt. Der engste Vertraute des Vorstandsvorsitzenden Richard „Dick“ Fuld, Joe Gregory, musste nach einem Aufstand von rund zwei Dutzend Managern ebenso gehen wie Finanzvorstand Erin Callan. Gregory, der morgens mit einem eigenen Hubschrauber zur Arbeit flog, war im Laufe der Jahre in die Rolle einer grauen Eminenz gewachsen. Er hatte aus Gründen der Gleichberechtigung eine Frau zum Finanzvorstand machen wollen und dafür Erin Callan ausgewählt, deren Berufsweg sie für diesen Job allerdings nicht qualifizierte.

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