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Risikoabsicherung

Tierfutter-Skandal So verschimmelt war der Mais noch nie

Krebserregendes Schimmelgift ist in Tierfutter gefunden worden. Es geht um Mais, der an Rinder verfüttert wurde - aber auch an Schweine und Geflügel. Betroffen sind rund 10.000 Tonnen Futter.

© dpa Vergrößern Schimmelgifte in Tierfutter: Betroffen seien 10.000 Tonnen Futter

In Mais, der zu Tierfutter verarbeitet wurde, sind Schimmelpilz-Gifte in bis zu zehnfach höherer Konzentration gefunden worden, als erlaubt. 45.000 Tonnen Futtermais aus Serbien enthielten überhöhte Werte des als krebserzeugend geltenden Giftes Aflatoxin B1, teilte das Agrarministerium Niedersachsens am Freitag mit.

Jan Grossarth Folgen:  

Aus einem Teil der Lieferung sei Mischfutter hergestellt worden und auch in rund 3600 landwirtschaftlichen Betrieben in sieben Bundesländern verfüttert worden: in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Auch die Niederlande seien betroffen. Eine Gefährdung für Verbraucher von Fleisch und Milch bestehe wahrscheinlich nicht, hieß es.

Ein Skandal nach dem anderen

In die Landwirtschaft kehrt in diesem Winter keine Ruhe ein. Nach Funden von Pferdefleisch in Tiefkühlprodukten und dem Bekanntwerden mutmaßlich flächendeckender Überbelegungen von Hühnerställen gerät die Branche zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen negativ in die Schlagzeilen.

Etwa 10.000 Tonnen der Maislieferung, um die es nun geht, seien in 13 Futterwerken zu Rinder-, Schweine- und Geflügelfutter verarbeitet worden. Die Verfütterung könne zu einem Risiko für die Lebensmittelsicherheit führen, hieß es im Ministerium. Nach vorläufiger Einschätzung sei eine Gefährdung durch Fleischverzehr aber nicht zu erwarten, beim Rohmilchverzehr könnten zwar Grenzwerte überschritten werden, aber eine Gesundheitsgefährdung sei „unwahrscheinlich“.

Erhöhte Grenzwerte in der Milch

Die Kontrollbehörden waren der Mais-Kontaminierung auf die Spur gekommen, weil sie zunächst erhöhte Grenzwerte in einer Milchprobe am Bauernhof ermittelt hatten. Das Ministerium teilte mit, es habe veranlasst, dass die Milch aller mit belasteten Futtermitteln belieferten landwirtschaftlichen Betriebe in Zusammenarbeit mit Landes-Kontrollbehörden und der Milchwirtschaft untersucht werde.

Für die Tierhaltung in Deutschland werden nach Zahlen des Bundesagrarministerium im Jahr mehr als 80 Millionen Tonnen Futtermittel eingesetzt. Der Großteil, rund 72 Millionen Tonnen, wird im Inland erzeugt. Importiert wurden zuletzt 8,7 Millionen Tonnen, darunter vor allem Soja, das im Inland nicht zu konkurrenzfähigen Preisen hergestellt werden kann, und Getreide. Etwa 15 Millionen Tonnen Silomais verfüttern die Bauern im Jahr.

Der Händler hat einen guten Namen

Der Verband der Tiernahrung DVT macht den Importeur der Futter-Charge für mangelnde Kontrollen verantwortlich. Dabei soll es sich um einen namhaften Getreidehändler handeln.  Allerdings sei nicht die gesamte Charge hoch belastet gewesen. Etwa 50 oder 60 von womöglich 100 bis 200 Proben hätten „deutliche Spuren“ des Schimmelpilzes enthalten, sagte Geschäftsführer Bernhard Krüsken in einer Telefonkonferenz.

Im Dezember hätten eigene Kontrollen des Importeurs leichte Belastungen gezeigt, die aber unterhalb der Höchstwerte gelegen hätten. Infolge dessen hätten die Futtermittelhersteller Eigenkontrollen „erheblich verstärkt“. Schon vergangenen Freitag seien die ersten Grenzwert-Überschreitungen bekannt geworden. Der Verband sagte, man müsse den Zahlen des Niedersächischen Agrarministeriums, wonach mehr als 3000 Betriebe des Futter gekauft hätten, „etwas Dramatik nehmen“. Das sein alle Abnehmer des Mischfutters der betreffenden Futtermittelwerke.  Aber nicht alle hätten Futter eingesetzt, das kritische Mengen des Toxins enthalten habe. Gleichwohl sagte Krüsken, es handle sich um ein „Belastungsniveau, das uns hier im Rohstoff Mais noch nicht begegnet ist“.

Mehr zum Thema

Im vergangenen Sommer gab es in Serbien große Probleme mit dem „natürlichen“ Schimmelpilz Aflatoxin B1. Das lag an der ungewöhnlich heißen Witterung und Schwierigkeiten bei der Ernte.

Quelle: FAZ.NET

 
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