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Veröffentlicht: 04.03.2013, 19:30 Uhr

Schimmelgift im Mais Skandal! Oder doch nicht?

Schimmelgifte im Tierfutter - zuerst war die Aufregung groß, nun stellt sich heraus: Alles ist halb so wild. Fragen und Antworten um den Skandal, der keiner ist.

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© dpa Sie fraßen das Futter, doch die Werte in der Milch waren unbedenklich

„Vergiftetes“ Tierfutter aus Serbien, Milch mit dem krebserregenden Stoff Aflatoxin B1 - die Aufregung am Wochenende war groß. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt nun gegen den Importeur, den Agrarhandelskonzern Alfred Toepfer International. Sie prüft den Anfangsverdacht auf einen Verstoß gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Zum Ausmaß des so genannten Lebensmittelskandals liegen derweil Fakten vor. Einige Fragen und Antworten.

Jan Grossarth Folgen:

Wie viel Mais enthielt einen höheren Aflatoxin-Wert als gesetzlich zulässig?

Bis zu 10000 Tonnen Mais mit Spuren des Schimmelpilz-Giftes, das sich in heißen Sommern bilden kann, wurden an Tiere verfüttert. Zum Vergleich: Im Jahr setzen deutsche Tierhalter insgesamt etwa 80 Millionen Tonnen Futtermittel ein. Erste Proben des aus dem belasteten Mais hergestellten Futters ergaben, dass dieses in der überwiegenden Zahl der Fälle Werte unter dem erlaubten Höchstwert aufwies, teils darüber.

Wie viele Landwirte haben dieses Futter ihren Tieren gegeben?

Die in Medien verbreiteten Zahlen klingen dramatisch: Von 6457 Höfen war im Agrarministerium in Niedersachsen zwischenzeitlich die Rede, wegen Doppelzählungen wurde die Zahl dann wieder auf 4467 reduziert. Das aber heißt nicht, dass diese allesamt verschimmeltes Futter eingesetzt haben. Es handelt sich um die Gesamtzahl der Abnehmer der 14 Futterhersteller, die Schimmel-Mais verarbeitet hatten.

Mehr zum Thema

Wie viel Milch enthielt Aflatoxin B1 über dem erlaubten Grenzwert?

Alle bis Montag vorliegenden Testergebnisse belegen, dass der Verzehr von Milch unbedenklich ist. Nur eine einzige der mehreren hundert Eigenkontrollen der Landwirtschaft auf Aflatoxin war im Januar positiv ausgefallen. Dadurch wurden die Behörden überhaupt erst auf die faule Maislieferung aufmerksam.

Enthielt auch Fleisch Aflatoxine über dem erlaubtem Grenzwert?

Bislang gibt es darauf keinen Hinweis. In Niedersachsen verfügte die Regierung, dass Lebern und Nieren zunächst nur mit Unbedenklichkeits-Nachweis verkauft werden dürfen.

Wie sind die EU-Grenzwerte bei anderen Lebensmitteln?

Die Höchstwerte sind EU-weit festgelegt. Sie sind für andere Lebensmittel teils hundertfach höher als für Milch, etwa für Pistazien und andere Nüsse.

Besteht Gesundheitsgefahr?

Nach Angaben des Bundesamts für Risikobewertung (BfR) wäre auch bei einer geringfügigen Überschreitung der Höchstgehalte in der Milch eine Gefährdung des Verbrauchers unwahrscheinlich. Präsident Andreas Hensel sagte der „Westdeutschen Zeitung“: „Das, was wir derzeit erleben, ist kein Skandal. Noch nicht einmal ein Krisenfall, sondern ein Routinefall. Die bisher festgestellten Werte sind weit weg von einer lebertoxischen Wirkung.“ Der Agrarsprecher der Grünen forderte Bundesagrarministerin Aigner auf, „Verharmlosungen durch das BfR zu unterbinden“.

Quelle: F.A.Z.

 

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