http://www.faz.net/-gqg-77dab

Milch nicht belastet : Land hebt Sperrung von 79 Milchhöfen auf

  • Aktualisiert am

Eine Milchkuh frisst Mischfutter in dem Heu, Mais und Rübenschnitzel enthalten sind. Bild: dpa

Bei Landwirten ist vergifteter Futtermais gelandet - und damit in den Mägen der Tiere. Doch Milch ist laut Behörden bislang nicht belastet. Das Land Niedersachsen hat nun die Sperrung einiger Milchbetriebe aufgehoben.

          Im Skandal um verseuchtes Tierfutter hat das Land Niedersachsen die Sperrung einiger Milchbetriebe aufgehoben. 79 Höfe, deren Milchproben am Samstag unauffällig geblieben waren, dürften wieder liefern, bestätigte eine Sprecherin des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Laves am Sonntag. Mehrere Hunderte Betriebe, von denen noch keine Laborergebnisse vorliegen, blieben zunächst weiter gesperrt. Wie viele Betriebe es genau sind, konnte die Sprecherin nicht sagen.

          Am Freitag war bekanntgeworden, dass Betriebe in Niedersachsen und in geringem Ausmaß in anderen Bundesländern einen Futtermais aus Serbien bekommen hatten, der mit einem krebserregenden Schimmelpilz verseucht ist. In Niedersachsen sind rund 4500 Betriebe betroffen, darunter Hunderte Milchbetriebe. Ursprünglich hatte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium gar von rund 6500 Betrieben gesprochen. Nach dem Abgleich von Doppelnennungen wurde die Zahl dann aber auf rund 4500 korrigiert. Der Schimmel-Mais war als Tierfutter verwendet worden, sein Gift kann sich in der Kuhmilch ablagern.

          Unklar war am Sonntag noch, ob auch Innereien von Masttieren wie Niere oder Leber mit dem Gift belastet sein können. Dazu wolle das Bundesinstitut für Risikobewertung Anfang der Woche eine Einschätzung abgeben, hieß es aus dem Laves.

          Das Ministerium erklärte am Samstagaend, bislang seien 79 Proben Milch amtlich untersucht worden: „Alle vorliegenden Proben konnten mit negativen Ergebnissen abgeschlossen werden. Die Milch ist nicht über dem Grenzwert mit Aflatoxin belastet“, hieß es. Von den bislang 19 untersuchten Futtermittel-Proben seien aber acht positiv gewesen. Auch könne nicht ausgeschlossen werden, dass es eine Höchstgehaltsüberschreitung in Lebern und Nieren geschlachteter Tiere gebe. Eine Prüfung und Bewertung dieser Frage sei auf dem Weg. Eine Vermarktung dieser Innereien sei ohne entlastende Untersuchungsbefunde nicht zulässig.

          Bild: dpa-infografik

          Der niedersächsische Verbraucherschutzminister Christian Meyer (Grüne) zeigte sich verärgert über die späte Lieferung von Vertriebslisten, die teils erst am Freitagnachmittag eingegangen seien: „Die verzögerte Zustellung zeigt, dass die Zusage der Wirtschaft, Daten im Rahmen der Verfügbarkeit innerhalb kürzester Zeit vorzulegen, nicht funktioniert.“ Die Futtermittelunternehmer seien angewiesen gewesen, ihre Listen bereits zum 26. Februar zu liefern.

          Nach Betrug mit Pferdefleisch und Bio-Eiern war am Freitag mit verseuchtem Futtermais der dritte Nahrungsmittelskandal in Deutschland binnen weniger Wochen bekanntgeworden. Niedersächsische Futtermittelhersteller haben demnach 10.000 Tonnen Mais, die mit dem krebserregenden Schimmelpilz-Gift Aflatoxin verseucht waren, an Tausende Bauernhöfe in Deutschland und den Niederlanden ausgeliefert. Dort wurde der Mais auch an Kühe verfüttert. Bundes-Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat den Herstellern von Futtermitteln vorgeworfen, frühzeitige Hinweise auf Verunreinigungen ignoriert zu haben.

          Quelle: dpa/Reuters

          Weitere Themen

          Sorge bei Mitarbeitern von Thyssenkrupp Video-Seite öffnen

          Entlassungen? : Sorge bei Mitarbeitern von Thyssenkrupp

          Nach Bekanntgabe der Fusionspläne von Thyssenkrupp und Tata Steel bangen die Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze. Bei einem Protest in Duisburg erhielten sie prominente Unterstützung.

          Weltpolitik auf dem Bauernhof

          Deutschland vor der Wahl : Weltpolitik auf dem Bauernhof

          Viele Landwirte sehen sich als Opfer von „Bauernbashing“ – was sie wählen? Ganz sicher nicht die Grünen. Über glückliche Kühe und das Gefühl, Spielball der Weltpolitik zu sein. Aus der F.A.Z.-Serie „Aufs Maul geschaut“.

          Topmeldungen

          Janet Yellen ist die Chefin der amerikanischen Notenbank Federal Reserve

          Historische Wende : Fed dreht den Geldhahn langsam zu

          Die Federal Reserve gibt den Einstieg in den Austieg bekannt. Die Stimulierung der Märkte soll nach und nach zurückgefahren werden. Es geht um Anleihen im Wert von knapp 4,5 Billionen Dollar.
          Polizeikräfte stehen vor dem durchsuchten Wirtschaftsministerium, während ein Demonstrant pro-separatistische Schilder zeigt.

          Festnahmen in Katalonien : Stimmzettel beschlagnahmt

          Die spanische Guardia Civil beschlagnahmt mehrere Millionen Wahlzettel für das geplante Referendum zur katalanischen Unabhängigkeit. In Barcelona demonstrierten mehrere Tausend Menschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.