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Kommentar : Sehnsucht nach der Agrarwende

Ist diese Maismühle ländlich genug? Bild: dpa

Schon wieder ein Lebensmittelskandal: Futtermais war verschimmelt. Wird jetzt eine Agrarwende nötig? Brauchen wir mehr Kleinbauern? Den Grünen kommen solche Fragen gelegen. Aber Mais ist auch früher verschimmelt. Ein Kommentar.

          Seit dem Regierungswechsel in Niedersachsen dreht sich das Karussell der Lebensmittelskandale atemberaubend schnell. Kurz nach Bekanntwerden mutmaßlicher Tierschutzverstöße hunderter Hennen-Halter hat das grün geführte Agrarministerium nun publik gemacht, dass im Dezember eine große Menge von verschimmeltem Mais importiert und verfüttert wurde.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Wie zumeist, dürfte kein Verbraucher Bauchschmerzen bekommen. Aber es könnte der Eindruck entstehen, eine umfassende Agrarwende sei notwendig, damit der Bürger wieder weiß, was auf seinem Teller liegt.

          Weg vom Handel, hin zu Regionalität und Kleinbäuerlichkeit? Das ist reine Phantasie. Es würde das Essen gewaltig verteuern und ist jenseits des Machbaren - technisch, europa- und handelsrechtlich. Die Landwirte wollen es nicht. Das wissen die Grünen.

          Der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer hat das Wahlkampfgewand des Revolutionärs schon abgelegt. Es kommt seiner Partei aber gelegen, dass sich Hennen, Mais und Pferdegranulat beim Verbraucher zu einem Bild verdichten, das entschlossenes Handeln erfordert. Dabei fragt niemand, wie viel Mais wohl vor 150 Jahren auf dem Feld verschimmelt ist.

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