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Lebensmittel Rekordernte - aber Preise sinken nicht zwingend

25.06.2008 ·  2008 soll ein gutes Erntejahr werden. Europas Bauern erwarten gar eine Rekordernte. Ob die Nahrungsmittelpreise sinken, ist aber ungewiss. Die Nachfrage bleibt hoch. Und eine Hilfsorganisation beklagt, dass der Biosprit die Lebensmittel so stark verknappt, dass 30 Millionen Menschen bereits verarmt sind.

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Die europäischen Landwirte erwarten in diesem Jahr eine Rekordernte von Weizen. Mit fast 130 Millionen Tonnen dürfte die Weichweizenernte im Jahr 2008/2009 rund 17 Prozent höher ausfallen als im Vorjahr, teilten die EU-Dachverbände der Landwirte und der landwirtschaftlichen Genossenschaften, Copa und Cogeca, am Montagabend in Brüssel mit.

Insgesamt würden die Bauern voraussichtlich 19 Millionen Tonnen mehr ernten. Auch die Maisernte wird 2008/2009 nach Schätzung der beiden Organisationen viel höher ausfallen als im Vorjahr. Mit 59 Millionen Tonnen wird sie voraussichtlich knapp 25 Prozent über dem Vorjahreswert liegen. Hauptgrund für den zu erwartenden Anstieg der Erntemenge sind den Angaben der EU-Agrarverbände zufolge die besseren Vegetationsbedingungen.

Steigende Preise führten in vielen Ländern zu Unruhen

Auch auf der gesamten Welt wird im Agrarjahr 2008/2009, unter anderem wegen der Entwicklung in Europa voraussichtlich mehr geerntet als 2007/2008. So erwartet der Internationale Getreiderat (IGC) eine Weizenernte (Hart- und Weichweizen) von mehr als 640 Millionen Tonnen, nach 604 Millionen Tonnen im Vorjahr. Wie sich das auf die Entwicklung der Lebensmittelpreise in Europa und auf der Welt auswirkt, ist nach Angaben der Europäischen Kommission schwer vorherzusagen. Die Preise waren zuletzt teils drastisch gestiegen. Allein in Europa stieg der Weizenpreis von September 2006 bis Februar 2008 um ungefähr 96 Prozent.

In vielen ärmeren Staaten auf der Welt hatten die gestiegenen Lebensmittelpreise zu Unruhen geführt. Weil der Preisanstieg nicht nur auf die schlechten Ernten in der EU und anderen Ländern in den Vorjahren zurückzuführen sei, sei aber nicht damit zu rechnen, dass die Preise dauerhaft sänken, heißt es in der Kommission. So werde die Nachfrage in Asien weiter steigen.

Verbände fordern Ausweitung der Produktionsflächen

Copa und Cogeca forderten die EU-Staaten angesichts dieser Entwicklung dazu auf, die Produktionsflächen in Europa dauerhaft auszuweiten. Entsprechende Beschlüsse müssten möglichst noch vor dem Sommer fallen, damit die Bauern rechtzeitig planen könnten. Nach den Regeln der EU dürfen die Landwirte einen Teil ihrer Fläche nicht nutzen.

Die EU hatte den Anteil in diesem Jahr wegen der hohen Preise jedoch schon auf null gesetzt. Nach Schätzung der Europäischen Kommission wird die Ernte von Weizen, Mais sowie anderen Getreidesorten allein dadurch um 13 Millionen Tonnen höher ausfallen. Insgesamt rechnet die Behörde im Agrarjahr 2007/2008 mit einer Ernte von 295 Millionen Tonnen Getreide.

Hilfsorganisation macht Biosprit-Politik verantwortlich

Die Hilfsorganisation Oxfam macht die Biosprit-Politik der Industrieländer dafür mitverantwortlich, dass die Nahrungsmittelpreise trotz guter Ernten weltweit steigen. Die Förderung der Agrartreibstoffe sei zu gut 30 Prozent am weltweiten Anstieg der Nahrungsmittelpreise beteiligt und habe dadurch mindestens 30
Millionen Menschen in die Armut getrieben, erklärte Oxfam in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) müsse sich in Brüssel für die Zurücknahme des EU-weiten Zehn-Prozent-Ziels für Agrosprit einsetzen, forderte die Organisation. Bleibe das Ziel, werde sich die Nahrungsmittelkrise noch deutlich verschlimmern. Dies wäre „verantwortungslose Politik auf dem Rücken hungernder Menschen“, sagte der Klima-Experte bei Oxfam Deutschland, Jan Kowalzig.

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