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Lebensmittel EU will Nährwertangaben zur Pflicht machen

19.11.2007 ·  Die Europäische Kommission kämpft gegen die stetig zunehmende Fettleibigkeit. Verbraucher sollen künftig mit einem Blick auf die Vorderseite eines Lebensmittels erkennen können, wie viel Kalorien, Fett, Zucker und Salz es enthält. Die Bundesregierung setzt indes auf eine freiwillige Lösung.

Von Hendrik Kafsack
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Die europäischen Verbraucher sollen künftig mit einem Blick auf die Vorderseite eines Lebensmittels erkennen können, wie viel Kalorien sowie Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz es enthält. Das geht aus einem internen Entwurf für eine neue EU-Verordnung hervor, die die Europäische Kommission wahrscheinlich bis Ende des Jahres vorlegen will. Mit der Verordnung soll die Lebensmittelindustrie verpflichtet werden, die Nährwertangaben unmittelbar „im Blickfeld“ eines Kunden anzubringen.

Die Nährwerte müssten je 100 Milliliter oder Gramm aufgeführt werden. Nur wenn Lebensmittel als Einzelportion verpackt sind, könnten die Hersteller den Wert je Portion auf der Packung angeben. Zudem müssten sie den Anteil der Nährwerte am Tagesbedarf einer erwachsenen Frau (2000 Kalorien) aufführen. Die Angaben müssten nicht verschieden farblich unterlegt werden wie in Großbritannien. Bei Getränken mit einem Alkoholanteil von mehr als 1,2 Prozent wird es genügen, die Kalorien anzugeben.

Ampel-Kennzeichnung nach britischem Vorbild

Um der Lebensmittelbranche in Europa den Übergang zu erleichtern, soll sie drei Jahre Zeit haben, um die Vorgaben umzusetzen. Bisher gibt es keine einheitlichen Regeln der EU für die Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln. Die Kommission begründet den Vorstoß damit, dass dies einen Beitrag im Kampf gegen die stetig zunehmende Fettleibigkeit leiste. Klare, einheitliche und belegbare Informationen erleichterten den Verbrauchern, gesunde Lebensmittel zu kaufen. Es herrsche zudem Einigkeit, dass die Nährwertangaben effizienter als bisher gestaltet werden könnten. In der EU leiden nach Schätzungen fast 22 Millionen Kinder unter teils erheblichem Übergewicht. Jedes Jahr kommen demnach 400.000 hinzu.

In Deutschland sind nach Regierungsangaben zwei Drittel der Männer, knapp die Hälfte der Frauen und 15 Prozent der Kinder im Alter zwischen sieben und zehn Jahren zu dick. Verbraucherverbände wie Foodwatch fordern angesichts der Zahlen seit langem, die Industrie zur Ampel-Kennzeichnung nach britischem Vorbild zu zwingen. Dort zeigen die Farben Rot, Gelb und Grün an, ob ein Lebensmittel einen hohen, geringen oder mittleren Gehalt an Zucker, Fett und Salz hat.

Kritik aus Deutschland

Die Bundesregierung setzt indessen auf eine freiwillige Regelung. Mitte Oktober hatten sich Vertreter der Lebensmittelwirtschaft und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) auf ein solches Modell geeinigt. Die Branche hat sich verpflichtet, innerhalb von drei Jahren 75 Prozent der Lebensmittel mit Angaben über Kalorien, Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz zu versehen. Wo und wie das geschieht, wird den Herstellern überlassen. So wollen etwa Lidl und Rewe die fünf Werte, wie nun von der Europäischen Kommission vorgesehen, auf der Vorderseite anbringen, Plus hingegen auf der Rückseite.

Eine Regelung der EU lehnt die Lebensmittelbranche ab. Wenn es aber eine Pflicht gebe, müsse die Branche mehr Zeit erhalten, um die neuen Vorgaben für alle Lebensmittel umzusetzen, sagt Lisa Kretschmann vom europäischen Verband der Hersteller von Snacks (ESA). Zudem genüge es, auf der Vorderseite anzugeben, wie viele Kalorien ein Produkt enthalte. Mehr Informationen verlangten die meisten Menschen nicht. Zu viele Daten verwirrten eher.

Außerdem werde mit der Verordnung die Gelegenheit verpasst, die Vorgaben für die Nährwertangaben einheitlicher zu gestalten, sagt Kretschmann. So dürften die EU-Staaten nach dem Entwurf auch künftig weiter gehende Nährwertangaben verlangen, die aber wiederum andere Staaten nicht akzeptieren müssten. So müsse Deutschland etwa keineswegs mit der englischen Ampel gekennzeichnete Lebensmittel zulassen.

Quelle: hmk./F.A.Z., 19.11.2007, Nr. 269 / Seite 13
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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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