27.07.2005 · Wohl dem, der jung genug ist: Die Folgen des Geburtenrückgangs werden wohl frühestens im Jahr 2015 den Arbeitsmarkt entlasten. Das geht aus einer langfristig angelegten Prognose hervor.
Arbeitsmarktforscher sehen bis zum Jahr 2010 nur eine zögerliche Besserung auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erwerbstätigen werde bis dahin allenfalls um 200 000 auf rund 39,1 Millionen steigen, geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Langfristprojektion des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Im Mai hatten 38,892 Millionen Menschen eine Arbeit.
Erst für das nächste Jahrzehnt rechnen die Arbeitsmarktforscher des zur Bundesagentur für Arbeit (BA) gehörenden Instituts wieder mit einer kräftigeren Zunahme des Job-Angebots. Für das Jahr 2020 gehen sie von rund 40,3 Millionen Erwerbstätigen aus - das wären rund 1,3 Millionen mehr als heute.
„Weiter abwärts geht es aber auch nicht mehr“
„Einen starken Schub erwarten wir für die kommenden Jahre auf dem Arbeitsmarkt nicht. Weiter abwärts geht es aber auch nicht mehr“, faßte Arbeitsmarktforscher Peter Schnur die Ergebnisse der IAB-Langfristprojektion zusammen. Der Arbeitsmarkt werde auch in Zukunft vom starken Exportwachstum der Wirtschaft profitieren.
Bei unverändert lahmender Binnennachfrage rechnet das IAB in den kommenden 15 Jahren deshalb mit einem durchschnittlichen jährlichen Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent - rund doppelt so viel wie in den vergangenen Jahren.
Nur der Westen profitiert
Die neuen Arbeitsplätze werden nach IAB-Berechnungen vor allem in so genannten unternehmensbezogenen Dienstleistungen wie Softwarehäusern, Markt- und Meinungsforschungsinstituten, Ingenieurbüros und Werbeagenturen entstehen - bis 2020 rund zwei Millionen.
Dagegen setzten sich die Beschäftigungsverluste in der Land- und Forstwirtschaft, im Bergbau und im verarbeitenden Gewerbe fort; dort gingen bis 2020 rund eine Million Stellen verloren. Auch profitiere von dem „leicht positiven Arbeitsmarktrend bis 2020“ ausschließlich der Westen Deutschlands. Im Osten dürften hingegen bis 2020 eine Million Stellen verloren gehen.
Die Folgen des Geburtenrückgangs werden nach IAB-Berechnungen aller Voraussicht nach frühestens im Jahr 2015 den Arbeitsmarkt entlasten. „Bis dahin ist nur mit einer leichten Abnahme des Erwerbspersonenpotentials - der Summe aller arbeitsfähigen Menschen - zu rechnen“, schätzt IAB-Experte Johann Fuchs.
Verschärfter Fachkräftemangel
Erst danach nehme die Zahl der arbeitsfähigen Menschen als Folge der demographischen Entwicklung stark ab. Das IAB rechnet bis zum Jahr 2050 mit einem Rückgang von rund neun Millionen Menschen - von heute 45 Millionen auf dann rund 36 Millionen. Selbst eine jährliche Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland von jährlich rund 200 000 könne diesen Trend nicht stoppen.
Als Folge stark des schrumpfenden Arbeitskräfteangebots rechnen die Arbeitsmarktforscher für die Zukunft mit einem sich akut verschärfenden Fachkräftemangel. „Eine abnehmende Zahl jüngerer Arbeitskräfte könnte in Verbindung mit einem Stillstand der Bildungsentwicklung schon bald zu ernsthaften Problemen bei der Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte führen“, warnen die Autoren der Studie.
| Name | Kurs | Prozent |
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