22.07.2009 · Der Bauernverband plädiert für eine Schlachtprämie für Milchkühe. So lasse sich das Angebot von Milch und Butter verkleinern und ihr Preis erhöhen. Von 500 Euro je Kuh ist die Rede. Die EU-Kommission ahnt indes, eine solche Subvention sei „gegenüber dem Steuerzahler schwer zu rechtfertigen“.
Der Bauernverband befürwortet eine Schlachtprämie für Milchkühe. So lasse sich das Angebot von Milch und Butter verkleinern und ihr Preis erhöhen. Der Verband hat daher die Bundesregierung aufgefordert, entsprechende Ideen der Europäischen Kommission zu unterstützen. In Brüssel lehnt man zwar den Vorschlag von Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) ab, die für 2010 vorgesehene Erhöhung der Milchquoten zu überdenken. Die europäische Behörde hat aber den Bauern wie berichtet zusätzliche Finanzhilfen versprochen, um den Milchmarkt zu stabilisieren (siehe auch Aigner blitzt bei der EU ab).
An diesem Mittwoch will die EU-Kommission eine Marktanalyse zum Milchmarkt vorlegen. Ein Entwurf ist im Vorfeld bereits durchgesickert. Darin ist der Vorschlag enthalten, die Zahl der Milchkühe europaweit zu reduzieren. In ihrem Bericht räumt die Kommission aber ein, dass eine Subvention zum Schlachten „nicht tierfreundlich und somit gegenüber dem Steuerzahler nur schwer zu rechtfertigen ist“.
Agrarkommissarin: „Wir haben das Geld nicht“
EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel hat sich am Mittwoch klar gegen eine Schlachtprämie für Milchkühe ausgesprochen. „Ich unterstütze keine Schlachtprämien aus einem offensichtlichen Grund: Wir haben das Geld nicht“, sagte sie in Brüssel.
Der Bauernverband teilt die Bedenken nicht. „Wenn man drei bis fünf Prozent der Milchkühe über ein solches Vorruhestandsprogramm aus dem Markt nähme, würde das einen Anstoß geben, damit die Preise aus der Talsohle kommen“, versicherte Helmut Born, der Generalsekretär des Bauernverbandes. Anderenfalls werde es ein großes Milchbauernsterben geben, weil auch große Betriebe mit einem Preis von etwa 20 Cent je Liter ihre Kosten nicht decken könnten.
Bauernverband: Etat für Subventionen noch nicht ausgeschöpft
Nach Ansicht des Verbandes könnte man mit einer EU-Schlachtprämie von etwa 500 Euro die Zahl der deutschen Milchkühe um 5 Prozent auf etwa 3,8 Millionen verringern. In der gesamten EU gibt es rund 30 Millionen Tiere, deren Schlachtung etwa 750 Millionen Euro kostete. Dieses Geld ist nach Meinung des Bauernverbandes vorhanden, weil die EU auch in diesem Jahr ihren Etat für Agrarsubventionen nicht ausschöpft.
Der Bauernverband gestand ein, dass er solch radikale Markteingriffe eigentlich nicht mehr wolle, die jetzige Situation verlange aber drastische Maßnahmen. „Wir wollen das aber nicht als Dauerprogramm“, versicherte Born. Obwohl wegen der niedrigen Preise die EU-Milchquote nur zu 96 Prozent ausgeschöpft werde, habe dies den Preisdruck nicht vermindert. Auch der Preis von 900 Euro, den man gegenwärtig von Schlachthäusern für eine Kuh bekomme, reiche nicht aus, um das Angebot zu verringern und damit den Milchpreis zu stabilisieren.
Milchpreise in den vergangenen zwei Jahren halbiert
Die Forderung des Bauernverbandes kommt zu einem Zeitpunkt, da sich auch in der Landwirtschaft der starke Abschwung offenbar abschwächt. „Wir sehen einen Silberstreif am Horizont“, sagte Born und verwies auf das jüngste Konjunkturbarometer des Bauernverbandes. Danach ist der Index im Juni nicht mehr weiter abgesackt. Ein Grund dafür ist, dass selbst die Milchbauern die künftige wirtschaftliche Situation nun besser einschätzen. Denn auf den asiatischen Märkten sinken zum Beispiel die Preise für Butter und Magermilchpulver nicht mehr.
In den vergangenen zwei Jahren hat sich der Weltmarktpreis für Milch halbiert, was indes nicht allein mit der Wirtschafts- und Finanzkrise zusammenhing, sondern auch damit, dass 2008 keine Dürre mehr in Australien und Neuseeland das Angebot auf dem Weltmarkt verminderte. Deutschland exportiert inzwischen 40 Prozent seiner Milchprodukte.
her damit!
Moritz Petersen (Mo1234)
- 22.07.2009, 15:12 Uhr
Schlachtprämie für Kühe
Karin Brunner (Sansara)
- 22.07.2009, 15:21 Uhr
Sobald die Produktivität der Milchkühe nachläßt, enden auch sie im Schlachthof.
Antonietta Tumminello (astra1971)
- 22.07.2009, 16:02 Uhr
Warum immer nur extrem mit Markt und Subventionenn umgehen?
Bertram von Steuben (Elim_Garak)
- 22.07.2009, 17:34 Uhr
Stopp die Subventionen
Markus Beran (MarkusBeran)
- 22.07.2009, 18:07 Uhr
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