22.03.2010 · Französische Kommentatoren bezeichnen Deutschland wegen des Exportüberschusses als „das China Europas“ und sprechen von Lohndumping in Deutschland. Dabei gerät in den Hintergrund, dass das deutsche Lohnniveau hoch war und sich nur dem Niveau anderer Länder annäherte.
Von Christian Schubert, ParisWenn die Deutschland-Kritik der französischen Finanzministerin als Strategie gegen die Niederlage bei den Regionalwahlen gedacht war, so waren immer Zweifel an den Erfolgschancen angebracht. In einer Umfrage der Wirtschaftszeitung „La Tribune“ hielten in der vergangenen Woche 80 Prozent von knapp 700 Teilnehmern die Kritik an dem hohen deutschen Export für falsch. Die französische Regierung will sie allein schon zur außenpolitischen Entspannung vorerst nicht erneuern. Dennoch geht die Debatte in Frankreich weiter.
Jacques Attali, der früher den französischen Präsidenten François Mitterrand beriet, die Osteuropa-Bank leitete und immer wieder von Nicolas Sarkozy konsultiert wird, nannte Deutschland wegen des Exportüberschusses „das China Europas“. „Auch wenn man verstehen kann, dass Deutschland aufgrund seiner schwachen Geburtenrate für die Rente mehr spart als wir, so ist eine exzessive Konkurrenz in Europa nicht akzeptabel“, sagte er am Wochenende „Le Monde“. "Wenn sich alle so verhielten, dann träten wir in eine Depression ein."
Lohnstückkosten in Deutschland langsamer gestiegen
Viele Kommentatoren geißeln dabei nicht direkt den Export Deutschlands, der sich häufig aufgrund ihrer Qualität und weniger wegen des Preisvorteils durchsetze, sondern sie legen den Finger in die Wunde der schwachen Inlandsnachfrage. Sie sei durch die Lohndämpfung entstanden, die im krassen Gegensatz zu anderen großen Volkswirtschaften in Europa wie Frankreich, Großbritannien und Spanien stand. Medien wie der „Figaro“ erwähnen immer wieder, dass die Lohnstückkosten in Deutschland seit 1996 real nur um 5 Prozent gestiegen seien, während sie in Frankreich um 30 Prozent und in Spanien um 60 Prozent gewachsen seien.
Nach Daten der Pariser Forschungsgesellschaft OFCE ging die Inlandsnachfrage Deutschlands im Vergleich zu Frankreich seit 2000 um fast 15 Prozent zurück. Gegenüber Spanien beträgt der Abstand sogar fast 30 Prozent. Der OFCE-Ökonom Christophe Blot hat errechnet, dass die privaten Haushalte in Deutschland 1997 durchschnittlich noch deutlich mehr konsumierten als die französischen Haushalte: 13 476 Euro jährlich gegenüber 12 080 Euro in Frankreich. Zehn Jahre später aber konsumierte ein französischer Haushalt 14 928 Euro - 200 Euro mehr als in Deutschland. Bis zum vergangenen Jahr wuchs der Haushaltskonsum in Frankreich auf 15 023 Euro, während der Vorsprung gegenüber Deutschland auf 146 Euro zurückging.
Verfügbares Einkommen nähert sich an
Etliche französische Kommentatoren sprechen von einem Lohndumping in Deutschland. Dabei gerät in den Hintergrund, dass das Lohnniveau in Deutschland von einem hohen Niveau kam und sich dann aufgrund der Zurückhaltung der Gewerkschaften nur dem anderer Länder annäherte. Nach einem Vergleich der Konsumforschungsgesellschaft GfK hatten die Haushalte in Deutschland im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Kaufkraft, gemessen am verfügbaren Einkommen nach Steuern und Sozialabgaben, von 18 946 Euro. Ein französischer Haushalt kam sogar auf etwas weniger: 18 839 Euro. Ob die Deutschen das Geld sparen oder es ausgeben, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die deutlich geringere Geburtenzahl in Deutschland dürfte zur Konsumzurückhaltung beitragen, meinen etliche französische Ökonomen.
Die Inlandsnachfrage besteht indes nicht nur aus dem Konsum der Haushalte, sondern auch aus der Staatsnachfrage und den Investitionen der Unternehmen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verweist seit langem darauf, dass die Investitionen in Deutschland sinken. Das liegt eben auch daran, dass der deutsche Staat seit Jahren spart, was über eine Begrenzung von Steuern und Abgaben wiederum den Bürgern, den Unternehmen und der Beschäftigung zugutekommt. Viele Investitionen finden außerdem an kostengünstigen Standorten außerhalb Deutschlands statt. Dies wiederum stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und erhält Arbeitsplätze in Deutschland.
Die Quadratur des Kreises ist bisher niemandem gelungen. So bleibt das Bedauern der Franzosen, dass die Deutschen nicht mehr von ihren Gütern abnehmen. Das beklagen die Hersteller von teuren Handtaschen, von Champagner und französischen Delikatessen. Neben Nahrungsmitteln exportiert Frankreich vor allem Produkte der Luft- und Raumfahrt, Arzneimittel und Maschinen.
Die Situation ist doch wie folgt:
Juergen Gegenfurtner (Juergen.Gegenfurtner)
- 22.03.2010, 11:55 Uhr
Chef ich brauch mehr Geld!
Fabian Sprockhövel (DickesB)
- 22.03.2010, 12:07 Uhr
EU Beiträge
harald schneider (asklepion)
- 22.03.2010, 13:13 Uhr
Haushaltsgeld reicht nicht für teuren französischen Käse oder Champagner
Marie Gruber (mariluI)
- 22.03.2010, 13:37 Uhr
Kritik an Deutschland liegt völlig neben der Sache
Oliver Langen (Acer99)
- 22.03.2010, 13:58 Uhr
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