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Kritik an Tierhaltung : Fleisch von kranken Tieren

Freilandhaltung: In diesem Stall legen Hühner aus Freilandhaltung ihre Eier ab. Bild: dpa

Ein Buch belebt die politische Debatte um die Tierhaltung neu. Und fasst zusammen, wie Tiere am Haltungssystem kranken.

          Angesichts der Veröffentlichung eines neuen Überblicks über wissenschaftlich dokumentierte Missstände in der Tierhaltung haben die Grünen ihre Forderungen nach einem „Systemwechsel in der Tierhaltung“ bekräftigt. „Der Handlungsdruck ist groß und die Veränderungsbereitschaft vieler Akteure da“, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter am Donnerstag. Zuvor hatte die Verbraucherorganisation Foodwatch eine Studie vorgestellt, wonach ein beachtlicher Teil des verarbeiteten Fleisches von „kranken“ Tieren komme, wie es in einer Meldung etwas polemisch hieß. Vier von zehn Eiern etwa kämen von einer Henne, die schon Knochenbrüche erlitten habe.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Mindestens jedes vierte tierische Produkt stamme von einem kranken Nutztier, sagte der stellvertretende Geschäftsführer von Foodwatch, Matthias Wolfschmidt, am Donnerstag in Berlin. Nach seinen Worten hätten laut einer Auswertung zahlreicher wissenschaftlicher Studien beispielsweise Schweine, die im Alter von sechs bis sieben Monaten geschlachtet werden, häufig schon mindestens eine Lungenerkrankung durchlebt. Das betreffe etwa jedes zweite Schwein.

          Auch stamme etwa jeder zehnte in Deutschland getrunkene Liter Milch von einer Kuh mit Euter-Erkrankung. Für Kunden bestehe zwar keine Gesundheitsgefahr, aber das System der Tierhaltung sei gleichwohl nicht akzeptabel. Es führe zu Leid und Schmerzen bei den Tieren und zu hohem Preis- und Effizienzdruck auf die Landwirte.

          Keine Kritik an den Bauern

          Die Bauern nimmt Foodwatch von der Kritik weitgehend aus: Sie seien das schwächste Glied in der Lieferkette, sagte ein Sprecher. Nicht in erster Linie die Bauern, sondern die Verbraucher müssten für sich die Frage beantworten, ob sie dieses System weiterhin unterstützen wollen. Bernhard Barkmann, ein Schweinehalter aus Niedersachsen und Blogger, beklagte auf einer Veranstaltung der Verbraucherlobbyisten in Berlin die große Verunsicherung unter den Landwirten, die zwar gern größere und komfortablere Tiermastanlagen bauen wollten. Der Umbau von Ställen sei aber mit hohen Investitionen verbunden. Landwirte brauchten Planungssicherheit und könnten sich nicht in kurzen Zeitabständen an wechselnde politische Vorgaben anpassen.

          Matthias Wolfschmidt zufolge wäre es in einem Zeitraum von 20 Jahren machbar, das System zu verändern. Voraussetzung seien aber der politische Wille und gesellschaftlicher Konsens, dass Tiere gesünder leben sollen. Die Studie wurde am Donnerstag anlässlich der Veröffentlichung von Wolfschmidts Buch „Das Schweinesystem“ vorgestellt. Die Mehrkosten einer tiergerechten Haltung beliefen sich demzufolge auf 20 bis 40 Prozent. Schon im vergangenen Jahr hatte für die Bundesregierung deren Wissenschaftlicher Beitrat für Agrarpolitik einen Kurswechsel empfohlen: die Haltungsbedingungen eines Großteils der Nutztiere seien nicht zukunftsfähig, sie brauchten etwa grundsätzlich Auslauf ins Freie und mehr Platz, wie es heute nur in Bio-Ställen der Fall ist.

          Das Verhältnis von Tier und Mensch habe sich emotionalisiert, lautete eine Begründung von Wissenschaftlern etwa der Universitäten Hohenheim und der Uni Göttingen. Auf rund 450 Seiten rechnet sie vor, die notwendigen Verbesserungen der Tierhaltung würden rund 3 bis 5 Milliarden Euro kosten – bis zu 40 Prozent mehr für die Bauern. Dafür gäbe es Auslauf, mehr Platz, einen totalen Verzicht auf Amputationen. Einige Praktiken werden ab 2017 gesetzlich verboten, Handelsketten wie Rewe haben Änderungen von Bauern verlangt – die Frage nach der Finanzierung ist immer noch ungeklärt.

          Quelle: F.A.Z.

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