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Krippenspiele (6) „Der Aufwand zahlt sich aus“

15.03.2007 ·  Unternehmen versuchen, ihre Attraktivität als Arbeitgeber auch über das Thema Familienfreundlichkeit zu steigern. Herbert Mai, Arbeitsdirektor von Fraport, berichtet über seine Erfahrungen.

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Herbert Mai ist seit April 2001 Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor des Flughafenbetreibers Fraport. Fraport beschäftigt am Standort Frankfurt rund 18.000 Mitarbeiter. 19 Prozent von ihnen sind Frauen. Rechnet man die 6000 Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste heraus, die traditionell wegen der harten körperlichen Arbeit alle Männer sind, liegt der Frauenanteil unter den restlichen Beschäftigten zwischen 35 und 40 Prozent. Seit 2006 ist Mai einer von 16 Botschaftern des Unternehmensnetzwerks „Erfolgsfaktor Familie“. Ins Leben gerufen hat dieses Netzwerk das Bundesfamilienministerium.

Was tut ein Botschafter des Netzwerks „Erfolgsfaktor Familie“?

Meine Aufgabe ist es, in meinem Bundesland, also in Hessen, dafür zu werben, dass Unternehmen Maßnahmen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen und initiieren. Mein Ziel ist es, dass möglichst viele mitziehen. Die Bundesfamilienministerin hat Botschafter ausgesucht, die in ihrem Unternehmen beispielgebend sind in dieser Thematik.

Inwiefern ist Fraport beispielgebend?

Wir betreiben in Frankfurt-Sindlingen mit Unterstützung der Stadt Frankfurt und anderen Unternehmen die Kinderkrippe „Arche“. Wir bieten unseren Mitarbeitern zusätzlich eine Notfall-Kinderbetreuung an, wenn zum Beispiel die Oma krank wird oder der Kindergarten in den Ferien zu hat. Beide Einrichtungen sind nur zehn Minuten vom Flughafen entfernt. Vom Alter von acht Wochen an können die Kinder in die Krippe kommen. Die Notfallbetreuung, Fluggi-Land genannt, ist für Kinder im Alter von einem Jahr bis zu zwölf Jahren offen. Solche Einrichtungen kosten natürlich Geld, aber der Aufwand zahlt sich aus. Die Motivation der Mitarbeiter ist höher, wenn sie wissen: Meine Firma tut etwas dafür, dass meine Kinder untergebracht werden können.

Was geht Ihr Unternehmen die Kinderbetreuung eigentlich überhaupt an?

Ich halte es für wichtig, dass man die Verantwortung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Betrieben zum Thema macht. Alle Gesetze nützen nichts, wenn sie nicht in der realen Arbeitswelt umgesetzt werden. Wir brauchen im Unternehmen, gerade in Führungspositionen, Männer und Frauen, vor allem junge Frauen, die hoch qualifiziert sind. Teilweise haben auch wir sie qualifiziert, zum Beispiel durch unser Traineeprogramm für Universitätsabsolventinnen. Das heißt, wir haben einen hohen Aufwand betrieben und wollen diese Frauen auch halten. In der Familiengründungsphase steht aber meistens die Frau vor der Frage, wie sie Beruf und Kinderwunsch vereinbart. Meistens tritt dann der Beruf in den Hintergrund. Die Erfahrung zeigt, dass wir viele Frauen verloren haben, zumindest temporär. Dem wollen wir entgegentreten. Außerdem denke ich generell politisch und finde, dass man in der Kinderbetreuung mehr tun muss, damit wieder mehr Kinder geboren werden.

Seit wann ist Familienfreundlichkeit ein Thema für Fraport?

Mindestens schon seit zehn Jahren. Aber in den vergangenen vier bis fünf Jahren ist es bedeutungsvoller geworden. Fluggi-Land ist vier Jahre alt und die Krippe erst ein Jahr. So ein Thema braucht Vorlauf. Zurzeit prüfen wir gemeinsam mit dem Landkreis Offenbach die Möglichkeit, eine Ganztagsschule zu gründen.

Haben sich die Hoffnungen des Unternehmens erfüllt?

Ja, zumindest in der Frage der Zufriedenheit. Da sind die Rückmeldungen, die wir von den Mitarbeitern bekommen, von jungen Eltern und Frauen positiv. Sie sagen, sie seien zufrieden und motiviert, weil sie wissen, dass ihre Kinder untergebracht werden.

Mit 20 Prozent Frauen im Top-Management können Sie nicht zufrieden sein.

Da muss weiter gearbeitet werden. Wir wollen in unserer langfristigen Personalplanung Frauen speziell auf Führungsaufgaben vorbereiten. Ich denke, dass es wichtig ist, in die Führungsarbeit und die Führungskultur beide Sichtweisen, die männliche und die weibliche, einzubringen. Immerhin hat sich in fünf Jahren die Zahl der Frauen auf der Ebene unter dem Vorstand von zwei auf acht erhöht.

Qualifizierte Mitarbeiter werden bald eine knappe Ressource sein und sich den attraktivsten Arbeitgeber aussuchen können. Fragen Bewerber bei Fraport schon jetzt nach Extras für Mitarbeiter?

Bei den Bewerbungen und Auswahltests spielt das noch keine große Rolle. Noch ist die Nachfrage nach Stellen ein Stück weit höher als das, was wir anbieten können. Aber es wird enger auf dem Markt. Schon jetzt gibt es einen Mangel bei den technischen Berufen.

Wichtig für die Familienfreundlichkeit sind flexible Arbeitszeiten.

Wir haben circa 362 Schichtpläne, zum Teil bezogen auf die einzelnen Personen. Wir haben, wie in der Gesellschaft insgesamt, auch einen hohen Anteil Alleinerziehender. Die haben oft den Wunsch, nur in der Frühschicht eingesetzt zu werden. Dem versuchen wir weitestgehend Rechnung zu tragen, was nicht immer leicht ist. Die betrieblichen Erfordernisse müssen berücksichtigt werden. Bei den Passagierkontrollen müssen zum Beispiel immer zwei Männer und zwei Frauen in der Schicht sein. Da ist es schwierig, diese Teams punktgenau zusammenzustellen, wenn man zu viele Einzelschichtpläne hat. Außerdem versuchen wir immer, einem eventuellen Teilzeitwunsch zu entsprechen. Zu 90 Prozent sind es Frauen, die in Teilzeit arbeiten wollen.

Ein Unternehmen familienfreundlich zu machen erfordert einen Kulturwandel. Haben Sie den schon hinbekommen?

Wir machen das zum Thema von Fortbildungen und nutzen Informationswege wie unsere interne Zeitung, um zu zeigen: Das Unternehmen steht dahinter. Aber es ist schwierig. Man tut eine ganze Menge Gutes, aber es wird nicht sofort bekannt. Die einzige Maßnahme, die ich sehe, ist, ständig zu kommunizieren.

Die Fragen stellte Henrike Roßbach

Quelle: rike./F.A.Z.
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