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Sanktionen wegen Krim-Krise : Mittelständler sorgen sich um das Geschäft mit Russland

Auch das Fleischunternehmen Tönnies pflegt eine gute Beziehung zu Russland. Bild: dpa

Deutsche Unternehmen fürchten um ihre russischen Fabriken. In Moskau wird offenbar ein neues Gesetz vorbereitet, das die Enteignung ausländischer Firmen ermöglichen soll.

          In der deutschen Wirtschaft wachsen die Sorgen, dass die russische Regierung Fabriken und Vermögen ausländischer Unternehmen enteignen könnte. Hintergrund ist, dass an diesem Montag die Außenminister der EU-Staaten in Brüssel über Sanktionen gegen Russland beraten. Es wird damit gerechnet, dass sie mit Einreiseverboten und Kontensperrungen auf das Referendum über den Anschluss der Krim an Russland und auf die russische Militäraktion in der Ukraine reagieren werden. Als ebenso wahrscheinlich gilt, dass Russland einen solchen Schritt nicht unbeantwortet ließe.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Es sind nicht nur die großen Konzerne wie Volkswagen, Continental, Siemens und die BASF-Tochtergesellschaft Wintershall, die ihre Geschäfte in Russland in akuter Gefahr sehen. Härter kann es wegen der größeren Abhängigkeit die kleineren Unternehmen treffen. Wie die F.A.Z. von Mittelständlern erfuhr, haben diese zum Teil schon die Lieferungen von Bauteilen an russische Fabriken ausgesetzt, um ihr Eigentum für den Fall der Eskalation zu schützen.

          Ein wichtiger Markt mit großen Investitionen

          In Moskau bereitet der Kreml offenbar ein Gesetz vor, das es dem russischen Präsidenten erlauben würde, das Eigentum ausländischer Unternehmen zu konfiszieren. Für diese ist Russland ein wichtiger Markt. Das Land gilt etwa für die Agrarindustrie mit den daranhängenden Zulieferindustrien wie dem Maschinenbau in den vergangenen Jahren als der wachstumsstärksten Region. Viele Konzerne und mittelständische Unternehmen haben zuletzt in Russland in Logistikzentren, Montage- und Fertigungsanlagen investiert. Im Industriepark Detchino in der Region Kaluga im Westen des Landes, gut 100 Kilometer südwestlich von Moskau, eröffnete erst im vergangenen Jahr der deutsche Stallanlagenbauer Big Dutchman ein rund 20 Millionen Euro teures Warenlager, der Traktorenhersteller John Deere eine angeblich rund 60 Millionen Dollar teure Fabrik, und auch der Pflughersteller Lemken investierte dort Millionen.

          Rund 6.300 deutsche Unternehmen, die meisten davon Mittelständler, sind in Russland vertreten. „Wir warten jetzt erst einmal ab und stoppen die Lieferungen“, sagte Magnus Westerkamp, Geschäftsführer der Big Dutchman Pig Production GmbH, dieser Zeitung. In den Lieferverträgen mit russischen Abnehmern gebe es stets einen Passus, der einen Lieferstopp im Falle „höherer Gewalt“ erlaube. Angesichts der Angst vor Wirtschaftssanktionen bis hin zur Enteignung seien die Unternehmen „nicht mehr weit davon entfernt, dass dieser Passus greift“, sagte Westerkamp. Trotzdem sei das Vertrauen in den Standort Russland weiter groß, heißt es, beide Seiten wüssten schließlich, wie wichtig der wirtschaftliche Austausch für sie sei.

          Big Dutchman erwirtschaftet jeden fünften Euro in Russland. Jahrelang wurden Agrarunternehmen von den endlosen Ackerflächen, günstigen Energiepreisen und den Fördergeldern des russischen Staatskapitalismus ins Land gelockt. Auch die Landmaschinenhersteller Grimme und Claas haben dort Fabriken. Für beide ist Russland einer der wichtigsten Absatzmärkte. Der Saatgutkonzern KWS Saat AG hat in Russland rund 7 Millionen Euro in zwei Zuchtstationen investiert. Vorstandschef Philip von dem Bussche sagt, für ihn seien Enteignungen nicht vorstellbar. Die Tochtergesellschaft KWS Rus sei eine russische Firma, die nur für den russischen Markt produziere. „Man wird sie nicht bestrafen, weil sie deutsche Eigentümer hat.“

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