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Krankenversicherung Schluss mit dem Prämien-Schock

 ·  Die privaten Krankenversicherer haben ihre Beiträge in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 50 Prozent erhöht. Die einen mehr, die anderen weniger. Wir zeigen, wer die Prämien am wenigsten angehoben hat.

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Es war so verlockend. Nicht einmal 300 Euro kostete den 40jährigen Bankangestellten eine üppige Absicherung ohne Selbstbeteiligung bei einer privaten Krankenversicherung. Das war vor zehn Jahren. Jetzt muss er schon etwa 450 Euro bezahlen.

Damit hat er den Preisvorteil im Vergleich zur billigsten gesetzlichen Kasse schon eingebüßt und wird bald mehr als für die Gesetzliche zahlen müssen. Denn die verlangt für einen freiwillig Versicherten jetzt nur etwa 25 Prozent mehr als 1997, verringerte allerdings auch die Leistungen, erhöhte die Zuzahlungen für Medikamente und führte eine Praxisgebühr ein. Die Privatversicherung des Angestellten hingegen verlangt nun fast 60 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Damit liegt sie im Durchschnitt der Branche. Tarife für Frauen legten um 50 Prozent zu.

Prämien sind rasant gestiegen

Immerhin profitiert der Angestellte noch von höheren Leistungen als bei den Kassen. Doch er könnte es trotzdem heute besser haben. Wenn er damals beim Eintritt in die private Versicherung auf einen Anbieter mit stabileren Beiträgen gesetzt hätte, müsste er heute bis zu 100 Euro weniger im Monat bezahlen.

Das Beispiel zeigt: Gute Leistungen und ein billiger Tarif am Anfang reichen noch nicht als Kriterium für die passende private Krankenversicherung. Die Manager sollten auch dafür sorgen, dass die Prämien nicht zu stark steigen. In diesem Jahr ging es für Männer im Durchschnitt um 4,7 Prozent nach oben, für Frauen um vier Prozent. Das ist etwas mehr als 2006.

Tarife mit längerer Historie wählen

Versicherungen mit vergleichsweise stabilen Beiträgen sind schwer zu entdecken. Für neu eingeführte Tarife gibt es noch keine Historie, um das beurteilen zu können. „Wer langfristig keine böse Überraschung erleben will, sollte sich nur in Tarifen absichern, die es schon viele Jahre gibt - auch wenn sie ein wenig teurer sind als neue Angebote. Aber dann kann er beurteilen, wie stark ein Versicherer seine Beiträge erhöht hat“, empfiehlt Martin Zsohar vom unabhängigen Analysehaus Morgen & Morgen, das die Konditionen von Versicherungen vergleicht.

Aber selbst bei Tarifen, die es schon länger gibt, ist es nicht so einfach, preisstabile Versicherer herauszufiltern. Denn kein Anbieter macht die Preisentwicklung einzelner Tarife freiwillig für längere Zeiträume transparent. Morgen & Morgen hat daher die absoluten und relativen Beitragssteigerungen von mehr als 2400 Tarifen privater Voll-Krankenversicherungen in den vergangenen zehn Jahren untersucht. Daneben prüfte das Unternehmen, ob die Prämien eher gleichmäßig steigen oder abrupt und dafür umso höher. Herausgekommen ist ein Beitragsstabilitätsrating, dessen Ergebnisse wir exklusiv vorstellen.

Wer bleibt stabil?

Die Tabelle „Wer bleibt stabil“ zeigt die Anbieter mit dem besten Rating und der durchschnittlichen Beitragsanhebung pro Jahr seit 1997. Die Günstigsten haben ihre Beiträge unterdurchschnittlich und relativ gleichmäßig angehoben. Allerdings wurden dabei alle Tarife des Versicherers in einer Bewertung zusammengefasst. In einzelnen Angeboten können durchaus auch einmal andere Versicherer vorne stehen. Die DEVK oder der Deutsche Ring sind also nicht immer der stabilste Anbieter. „Die Top Fünf sind jedoch bei den meisten Tarifen hinsichtlich der Stabilität unter den führenden Versicherern zu finden“, erläutert Zsohar.

Ein differenzierteres Bild liefern die restlichen Tabellen. Sie führen die stabilsten Angebote anhand der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der Policen auf. Und nennen die Beiträge für einen 30jährigen Neuversicherten inklusive Arbeitgeberanteil. Die Tarife gelten für Arbeitnehmer und Selbständige gleichermaßen. Wer es noch genauer wissen will, kann über einen anbieterunabhängigen Versicherungsmakler an das Rating von Morgen & Morgen für jeden einzelnen Tarif gelangen, der mindestens zehn Jahre alt ist.

Mannheimer auffallend schwach

Eine Garantie, dass die Versicherungen, die in den vergangenen zehn Jahren am wenigsten zugelangt haben, das auch in Zukunft tun werden, gibt es natürlich nicht. Aber das Rating gibt schon ein Indiz dafür. „Es ist unwahrscheinlich, dass ein Versicherer mit einer guten Bewertung in wenigen Jahren stark abfällt“, erwartet Zsohar.

Auffallend schwach ist in allen Ratings die Mannheimer Versicherung. Sie erhöhte die Beiträge kräftig, im Schnitt um mehr als sieben Prozent im Jahr. „Das könnte daran liegen, dass sie vor zehn Jahren nur einen Tarif ohne Selbstbeteiligung mit einem sehr umfangreichen Leistungsangebot hatte“, spekuliert Zsohar. Der sei stark in Anspruch genommen und dadurch teuer geworden. Das habe Neukunden abgeschreckt.

Ohne junge, in der Regel selten kranke neue Mitglieder wird ein Tarif aber schnell teurer, weil es zu wenig Gesunde gibt, die die Kranken mitfinanzieren. Die Pleite der Mannheimer Leben dürfte zudem ebenfalls potentielle Neukunden vertrieben haben.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.04.2007, Nr. 17 / Seite 55
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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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