30.12.2004 · Noch nie seit der Einführung der Lohnfortzahlung im Jahr 1970 haben sich in Deutschland weniger Arbeitnehmer krank gemeldet als in diesem Jahr. Die Arbeitgeber konnten eine Milliarde Euro einsparen.
Der Krankenstand ist im zu Ende gehenden Jahr 2004 auf 3,4 Prozent und damit auf das niedrigste Niveau seit der Einführung der Lohnfortzahlung im Jahr 1970 gesunken. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch in Berlin mit.
Die Kosten für die Lohnfortzahlung, die allein von den Arbeitgebern getragen werden, dürften damit um rund eine Milliarde Euro gesunken sein, schätzt das Ministerium. Schon im Vorjahr, als der Krankenstand erstmals unter die Marke von 4 Prozent gesunken war, waren die Arbeitgeber um 1,5 Milliarden Euro entlastet worden.
Einsparungen bei den Kassen
Wie es weiter heißt, sind auch die Aufwendungen der Krankenkassen für das Krankengeld in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 9,6 Prozent oder 511 Millionen Euro gesunken. Die gesparten Mittel könnten zum Schuldenabbau eingesetzt oder zu Beitragssenkungen genutzt werden, mahnt das Ministerium.
Der Krankenstand gibt an, welcher Prozentsatz von allen Pflichtmitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung (ohne Rentner, Studenten, Jugendliche, Behinderte, Künstler, Wehr- und Zivildienstleistende) jeweils am ersten Tag eines Monats arbeitsunfähig gemeldet ist und den Kassen die entsprechende Bescheinigung des Arztes eingereicht hat. Der bisherige Höchststand wurde in den alten Bundesländern im Jahr 1973 mit 5,86 Prozent und in Ostdeutschland im Jahr 1995 mit 5,09 Prozent erreicht.
Nach Angaben des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen meldeten sich Arbeitnehmer zuletzt durchschnittlich 11,9 Tage krank. Gut ein Viertel der Arbeitsunfähigkeitstage entfielen auf Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems (zum Beispiel Rückenschmerzen). Krankheiten des Atmungssystem seien für 17 Prozent, Verletzungen und Vergiftungen für 15 Prozent und psychische Erkrankungen für 7,5 Prozent der Krankheitstage verantwortlich. Dabei habe sich der Anteil der psychischen Erkrankungen seit 1990 verdoppelt.
„Strohfeuereffekte"
Der Deutsche Generikaverband warnte unterdessen, die durch die Reform des Gesundheitswesens erzielten Sparerfolge seien nur ein Strohfeuer. Der Ausschluß der rezeptfreien Präparate aus dem Leistungskatalog der Kassen, die erhöhten Zuzahlungen für Arzneimittel und die Erhebung der Praxisgebühr seien Einmaleffekte, die im Jahr 2005 keine weiteren Einsparungen generieren werden, mahnte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Dietmar Buchberger.
Das Ende dieser „Strohfeuereffekte" werde die gesetzlichen Krankenkassen um so härter treffen, da es keinen Ausgleich durch Strukturverbesserungen gebe. Die Reform habe sogar neue Fehlanreize geschaffen und durch die sogenannte Aut-idem-Regelung (die Apotheken zur Abgabe der kostengünstigsten wirkstoffgleichen Medikamente verpflichtet) die Konzentration unter den Herstellern von Nachahmerpräparaten verschärft. So sei im Jahr 2004 der Marktanteil der drei größten Generikakonzerne, gemessen am Umsatz, um 15 auf 47,7 Prozent gewachsen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.384,82 | −0,67% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2454 | −0,28% |
| Rohöl Brent Crude | 105,05 $ | −1,68% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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