Home
http://www.faz.net/-gqe-7gp06
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Konzerne Ab in die Steueroase

Konzerne, vor allem amerikanische wie Apple, Amazon und Starbucks, verschieben ihre Gewinne, bis für die Steuer nichts mehr übrig bleibt. Ganz legal. Jetzt wird der Staat fuchsig. Ein Schlachtenbericht.

© dpa So schön ist es in einer Steueroase: ein Strand auf den British Virgin Islands

Wer kämpft gegen wen?

Wenn die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industriestaaten sich in zwei Wochen in Moskau treffen, werden sie feurige Reden schwingen: Steuertrickser stoppen! Steueroasen ausradieren! „Ohne gerechte Lastenverteilung werden wir das offene Weltwirtschaftssystem auf Dauer zerstören“, sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble und fordert einen „fairen Beitrag“ von den Unternehmen.

Georg Meck Folgen:

Gemeint sind vor allem amerikanische Unternehmen; die Helden des Internetzeitalters, Firmen wie Apple, Amazon, Google, Starbucks. Globale Marken, höchst erfolgreich, aber hochgradig knausrig, wenn es darum geht, Steuern zu bezahlen. So holt sich Apple 70 Prozent des Vorsteuergewinns im Ausland, zahlt darauf aber keine zwei Prozent Steuern. Oder Amazon: Für 8,7 Milliarden Dollar haben die Deutschen dort im vorigen Jahr bestellt: Was hat der deutsche Fiskus davon? So gut wie nichts. Ganze 3,2 Millionen Euro Steuern wurden abgebucht. Schließlich: Starbucks. Der Kaffeeröster mit der Gutmenschenmasche, weltweit mehr als 15 000 Läden stark, hat sei 1998 735 Cafés in Großbritannien eröffnet. Ertragsteuern? Fast keine. Und für die mehr als 160 Shops in Deutschland? Körperschaftsteuer: exakt null Euro.

Sind diese Konzerne kriminell?

Ganz klares Nein. „Aggressive Steuerplanung“ ist der Fachbegriff für das, was die Unternehmen treiben, um die Gewinne hin und her zu verschieben, bis für den Fiskus nichts mehr übrig bleibt: selbstverständlich alles legal. Das Verhalten hat juristisch nichts gemein mit den Taten gewöhnlicher Steuerhinterzieher, die ihr Geld Uli-Hoeneß-mäßig in der Schweiz verstecken. Außerdem: Die Rede ist hier nur von Steuern auf den Gewinn, andere Posten führen die Firmen durchaus an den Staat ab; Umsatzsteuer, Sozialbeiträge für die Angestellten etwa.

Wie funktioniert die Steueroptimierung?

Eine ganze Latte an Methoden zur aggressiven Steuerplanung hat die OECD in ihrem Aktionsplan aufgelistet. Zum Einsatz gelangen die, weil heute mehr immaterielle Güter - Geld, Patente, Markenrechte - um den Globus geschoben werden als Maschinen oder Mehlsäcke, weswegen vor allem Unternehmen aus dem IT-Bereich als Steuertrickser auffallen. Die klassische Masche geht so: Ein Konzern verlagert Rechte, Lizenzen oder auch Geld an die Tochtergesellschaft in einer Steueroase. Der Mutterkonzern überweist dann Geld für die Nutzung der Rechte oder des Kredits an die Tochter. Das reduziert den zu Hause zu versteuernden Gewinn. Die Tochtergesellschaft wiederum zahlt in ihrer exotischen Heimat für diese Einnahmen wenig oder - im besten Fall - keine Steuern. Der Gewinn verschwindet - ohne Abzug - aus dem Hochsteuerland. Völlig legal.

Online-Händler erfreuen sich darüber hinaus einer besonderen rechtlichen Spezialität. „Ein Steuerausländer, der in Deutschland nur Handel treibt, zahlt auf den hierzulande erzielten Gewinn in Deutschland keine Steuer“, erläutert die Kölner Steuerprofessorin Johanna Hey. Voraussetzung für die Steuerpflicht wäre eine sogenannte „Betriebsstätte“. Firmen wie Amazon wissen das zu umgehen, auch wenn sie fraglos Versandlager auf deutschem Boden unterhalten. „Wollen wir das ändern, kann das nach hinten losgehen“, warnt Johanna Hey. „Andere Staaten, China, Indien, könnten dann Ähnliches für sich verlangen für deutsche Firmen, die bei ihnen Handel treiben. Als Exportnation müssen wir aufpassen, uns nicht ins eigene Fleisch zu schneiden.“

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Erfolg Aldi macht in Australien Millionen

Nach Kritik seiner Wettbewerber legt Aldi in Australien offen, wie viel Steuern der Konzern dort zahlt. Daran zeigt sich auch, wie erfolgreich das Unternehmen Down Under ist. Mehr Von Christoph Hein, Singapur

23.06.2015, 16:12 Uhr | Wirtschaft
Letztes Quartal 2014 Apple mit Rekordumsatz

Der amerikanische Technik-Konzern Apple hat einen Rekord geknackt: Der Umsatz des letzten Quartals im Jahr 2014 lag bei fast 75 Milliarden Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung um knapp 30 Prozent. Noch nie hat ein Unternehmen so viel Geld in so kurzer Zeit eingenommen. Mehr

28.01.2015, 10:26 Uhr | Wirtschaft
Folge der griechischen Krise Selbst Paypal und iTunes funktionieren nicht mehr

Die Kapitalverkehrskontrollen zeigen sich für die Griechen nicht nur an den Bankautomaten. Auch mit Paypal und iTunes gibt es Probleme. Mehr

06.07.2015, 11:42 Uhr | Wirtschaft
Neue Kaffekette Café Neo - Starbucks für Afrika

Die Begründer von Café Neo in Nigeria wollen Starbucks für Afrika werden. Bisher ist das Kaffeetrinken auf dem Kontinent allerdings noch nicht sehr populär. Mehr

28.01.2015, 16:15 Uhr | Gesellschaft
Jaron Lanier im Gespräch Warum wollt ihr unseren Quatsch?

Online-Konzerne wie Facebook, Amazon und Google sind Großmächte geworden und fordern die Welt heraus. Wieso unterwerfen wir uns ihnen auch noch freiwillig? Ein Gespräch mit Jaron Lanier über die freundliche und unheimliche Macht von Silicon Valley. Mehr Von Mathias Müller von Blumencron

02.07.2015, 14:23 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.08.2013, 08:25 Uhr

In der Euro-Zwickmühle

Von Holger Steltzner

Griechenland verweigert die Modernisierung. Soll man es trotzdem weiter mit der Notenpresse versorgen? Mehr 238 379


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --