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Konkurrenz Schiene : Das Flugzeug ist zu langsam

Mit 300 Sachen parallel zur A3, anstatt langsam am Rhein entlangtuckern Bild: dpa

Die Lufthansa stellt die Flüge zwischen Frankfurt und Köln ein. Das ist mehr als eine kleine Änderung im Flugplan. Zum ersten Mal verdrängt die Bahn den Flieger. Von Christian Siedenbiedel.

          Normalerweise war es immer umgekehrt. Der Flugverkehr war das Vorbild für die Bahn. Sie lieh Stewardessen von der Lufthansa aus, um den Schaffnern in den Zügen mehr „Service-Orientierung“ beizubringen. Sie holte Manager aus dem Luftverkehr in den Vorstand, damit die früheren Behördenbeschäftigten betriebswirtschaftliches Denken lernen. Und selbst die Gewerkschaft der Lokomotivführer eiferte mit ihrem Kampf um höhere Löhne im Grunde nur der Pilotenvereinigung Cockpit nach.

          Jetzt hat die Eisenbahn zum ersten Mal über das Flugzeug gesiegt. Zum Winterflugplan, der am 28. Oktober beginnt, stellt die Lufthansa die Flüge zwischen Frankfurt und Köln ein. Und zwar ausdrücklich zugunsten des ICE, der auf der Neubaustrecke zwischen beiden Städten seit fünf Jahren mit Tempo 300 unterwegs ist. Spekuliert worden war gleich beim Bau der milliardenteuren neuen Eisenbahntrasse, die eine langsamere Verbindung am Rhein entlang ersetzte, dass Flüge sinnlos werden könnten. Damals hatte die Lufthansa ihr Angebot zwischen beiden Städten zwar etwas reduziert. Zugleich hatte sie jedoch hervorgehoben, solange ihre Kunden mit dem Flugzeug fliegen wollten, werde sie auch Flüge anbieten.

          Bei der Bahn hat sich viel geändert

          Vor allem als Anschlussflüge hätten die Verbindungen von Frankfurt zu anderen deutschen Städten eine wichtige Funktion, hatte es damals geheißen. Amerikaner etwa seien es gewöhnt, nach einem Interkontinentalflug auf einen Inlandsflug umzusteigen. Sie wollten nicht gezwungen sein, ihren Weg per Zug fortzusetzen. Bahn und Lufthansa kooperierten auf dieser Strecke schon lange. Einen „Lufthansa-Airport-Express“, der in den achtziger Jahren Frankfurt und das Rheinland verband, hatten sie allerdings wieder eingestellt.

          Seit jenen Jahren aber hat sich bei der Bahn viel geändert. Die Züge wurden schneller und besser, das Schienennetz wurde ausgebaut. Von Frankfurt nach Köln braucht man auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke jetzt nur noch etwas mehr als eine Stunde, während man früher am Rhein entlang mehr als zwei Stunden benötigt hatte. Allein die reine Flugzeit zwischen beiden Städten beträgt 40 Minuten; mit An- und Abreise zum Flughafen braucht man auf dem Luftweg damit heute länger als mit der Bahn.

          Frankfurt-Köln soll ein Einzelfall bleiben

          Die Lufthansa verkündet allerdings, die Strecke Frankfurt-Köln solle ein Einzelfall bleiben. Man werde jetzt nicht überall, wo die Bahn schneller sei, die Flüge streichen. Nicht zum Beispiel auf der Strecke von Frankfurt nach Paris: Für diese Distanz hatte Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch, selbst ein ehemaliger Lufthanseat, schon im Juni den Sieg der Bahn über den Luftverkehr gefeiert. Mit dem ICE braucht man jetzt im günstigsten Fall drei Stunden und 49 Minuten. Von Innenstadt zu Innenstadt soll es damit schneller gehen als mit Flugzeug oder Auto.

          Neben der Leistungsfähigkeit der Schienenstrecken hat sich auch die Anbindung der Flughäfen an die Bahn verbessert. Frankfurt machte den Anfang mit seinem glasüberdachten Flughafenbahnhof. Köln/Bonn erhielt vor drei Jahren Anschluss ans ICE-Netz. Stuttgart soll folgen. Die schnellste Anbindung aber soll München erhalten, wenn der scheidende Ministerpräsident Edmund Stoiber sich durchsetzt: Mit dem Transrapid könnte man in zehn Minuten vom Flughafen am Bahnhof sein.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.09.2007, Nr. 39 / Seite 42

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