Home
http://www.faz.net/-gqg-p5kn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Konjunktur Volkswirte sehen in der 40-Stunden-Woche einen Wachstumsmotor

26.07.2004 ·  Die flächendeckende Einführung einer 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich würde das deutsche Wirtschaftswachstum rechnerisch um 0,5 Prozentpunkte erhöhen. Die Lohnstückkosten würden um 7 Prozent sinken.

Artikel Lesermeinungen (0)

Die flächendeckende Einführung einer 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich würde das deutsche Wirtschaftswachstum in einem ersten Schritt rechnerisch um 0,5 Prozentpunkte erhöhen. Die Lohnstückkosten würden um knapp 7 Prozent fallen und damit die Folgen der Euro-Aufwertung für die Ausfuhr eindämmen. Zu diesem Ergebnis kommen die Ökonomen der Deka-Bank in einer aktuellen Studie. Danach profitierten von einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit vor allem Dienstleister und das Produzierende Gewerbe ohne Bau. Um gesamtwirtschaftlich das gleiche Kostenentlastungsvolumen wie durch eine flächendeckende 40-Stunden-Woche zu erreichen, müßten rund zwölf Urlaubs- oder Freizeittage gestrichen werden, heißt es.

Demnach arbeiteten die Deutschen im vergangenen Jahr im Schnitt 39,2 Stunden pro Woche. Davon entfallen 37,8 Stunden auf die tarifliche Arbeitszeit, hinzu kommen rund 1,4 Überstunden je Beschäftigten und Woche. Eine Ausdehnung der regulären Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden erlaubte es den Unternehmen zum einen, Lohn und Zuschläge für Überstunden einzusparen. Davon profitierten besonders die Branchen mit vielen Überstunden; das seien Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Finanzierung, Vermietung sowie Unternehmensdienstleister, gefolgt vom Produzierenden Gewerbe ohne Bau. Zweitens würde vor allem das Produzierende Gewerbe davon profitieren, daß seine Arbeiter über die Überstunden hinaus 2,5 Stunden je Woche länger arbeiteten. Ohne Lohnausgleich sänken die Lohnstückkosten in der Gesamtwirtschaft um 6,8 Prozent. Vor allem dem im internationalen Wettbewerb stehenden Produzierenden Gewerbe gelänge es, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Gesamtwirtschaftlich würde sich dies auf mittlere Sicht in einem verstärkten Export und mehr Arbeitsplätzen niederschlagen.

Auf kurze Sicht negativ für die Konjunktur dürfte sich nach Meinung der Deka-Bank auswirken, daß die Verlängerung der Wochenarbeitszeit die Jahreseinkommen der Arbeitnehmer im Jahr der Einführung spürbar verringert. Denn für bisher geleistete Überstunden erhielten die Beschäftigten keinen Lohn mehr. Die verfügbaren Einkommen könnten um 3 bis 4 Prozent sinken. Trotz des negativen ersten Impulses auf den Konsum beurteilt die Bank die Wachstumswirkungen einer Verlängerung der Wochenarbeitszeit insgesamt positiv. Ebenso wichtig wie die Verringerung der Arbeitskosten sei jedoch, mehr Flexibilität des Arbeitseinsatzes zu ermöglichen. In guten Konjunkturphasen müsse ohne Lohnausgleich mehr und in schlechten weniger gearbeitet werden können, heißt es.

Quelle: pwe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2004, Nr. 172 / Seite 11
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 12 27

30.05.2012 13:06 Uhr
  Vortag
Dax 6.370,82 −0,41%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.387,80 −0,46%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2444 −0,36%
Rohöl Brent Crude 104,95 $ −1,78%
Gold 1.579,50 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.