22.07.2005 · Die deutsche Wirtschaft hat gute Chancen, in den kommenden Jahren die Rolle des Wachstumsschlußlichts in Europa dauerhaft abzugeben. Diese These vertreten zunehmend Volkswirte.
Die deutsche Wirtschaft hat gute Chancen, in den kommenden Jahren die Rolle des Wachstumsschlußlichts in Europa dauerhaft abzugeben. Diese These vertreten zunehmend Volkswirte. „Deutschland steigt in das Mittelfeld auf“, sagt der Chefvolkswirt der Allianz/Dresdner Bank, Michael Heise.
Die Hoffnungen richten sich auf die drastische Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft im Euro-Raum. Der Bundespräsident sieht dennoch unverändert die Notwendigkeit, sich an die Zwänge des Weltmarktes weiter anzupassen. „Wir müssen uns im weltweiten, scharfen Wettbewerb behaupten,“ sagte Horst Köhler am Donnerstagabend in seiner Rede zur Begründung der Neuwahl.
Tatsächlich war Deutschland schon im vergangenen Jahr mit einem realen Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent nicht mehr - wie noch 2002 und 2003 - der letzte der Euro-Staaten. Portugal und Italien lagen mit einem Wirtschaftswachstum von 1 und 1,2 Prozent noch unter dem deutschen Wert. In diesem Jahr droht Italien und den Niederlanden eine Rezession.
Die relative Verbesserung Deutschlands geht bislang nicht einher mit einem höheren Wirtschaftswachstum. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärte am Freitag, er rechne mit einem Wachstum von rund ein Prozent in diesem Jahr. Die großen Wirtschaftsforschungsinstitute liegen mit ihren Prognosen von rund 0,8 Prozent darunter. Deutschland hat sich bisher in der Euro-Rangliste nach vorne geschoben, weil andere Länder noch stärker absackten.
Volkswirte optimistisch
Volkswirte sind aber optimistisch über die mittelfristigen Aussichten. Gemessen an der Entwicklung der Lohnstückkosten und dem realen Wechselkurs gegenüber den anderen Euro-Staaten hat sich die relative Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Euro-Raum seit 1999 um rund 10 Prozent verbessert. Mit dieser realen Abwertung ist Deutschland Spitze im Euro-Raum. In fast allen anderen Euro-Staaten verschlechterte sich der reale Wechselkurs, besonders stark in Portugal, Italien, in den Niederlanden und in Spanien. Die bessere deutsche Position spiegelt die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre wider. Joachim Fels von Morgan Stanley sagt, Deutschland habe sich insoweit mustergültig an die Zwänge der Währungsunion angepaßt, allerdings um den Preis einer schwachen Binnennachfrage.
Auf mittlere Sicht sollte die Verbesserung über einen stärkeren Export auch auf die Binnenwirtschaft durchwirken, sagen Ökonomen. Diese Hoffnung hat sich seit 2000 nicht erfüllt. Im vergangenen Jahr wuchs der Export um gut 10 Prozent; binnenwirtschaftliche Impulse blieben aber aus. Dies und die steigende Arbeitslosigkeit zeigt, daß die Probleme Deutschlands nicht im Außenhandel, sondern im Inneren liegen. Heise ist trotzdem zuversichtlich, daß der Funke vom Export überspringen wird. Die Wachstumsdaten für das zweite Quartal dürften zeigen, daß der private Konsum und die Investitionen die Wirtschaft gestützt hätten, sagt er.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,72 | −1,04% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2444 | −0,36% |
| Rohöl Brent Crude | 104,95 $ | −1,78% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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