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Konjunktur Amerikas Wirtschaft im Niemandsland

 ·  Der Schein der überraschend guten amerikanischen Arbeitsmarktzahlen trügt: Die Daten waren durchwachsen, die Haushaltsumfrage zeigt einen Rückgang des Arbeitsangebots an. Gut steht Amerika eigentlich nur im Vergleich mit dem Euroraum da.

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© REUTERS Zarter Hoffnungsschimmer: Die Autobauer haben dank guter Auftragslage die Sommerpause verkürzt

Die überraschend guten Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt haben den Börsen am Freitag Auftrieb verschafft. Nach einer Woche der Enttäuschungen über die scheinbar zu passiven Notenbanken in den Vereinigten Staaten und im Euroraum gab es Grund zum Aufatmen. Viel mehr ist das indes nicht. Die Daten waren durchwachsen, und die Haushaltsumfrage zeigte einen weiteren Rückgang des Arbeitsangebots an. Der Anstieg der Arbeitslosenquote von 8,2 auf 8,3 Prozent dagegen ist für sich genommen undramatisch. Er verdankt sich der Rundung auf eine Stelle hinter dem Komma, nicht aber einem deutlichen Anstieg der Zahl der Arbeitslosen.

Unverändert ist die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten weder Fisch noch Fleisch. Der Beschäftigungszuwachs im Juli um 163.000 Stellen reicht als Signal, um den Rezessionspropheten die Argumentationsluft zu nehmen. Er reicht aber nicht, um eine konjunkturelle Beschleunigung hin zu einem soliden Aufschwung zu prognostizieren. Gut steht Amerika eigentlich nur im Vergleich mit dem Euroraum da, der in der Rezession versinkt.

Optimismus darf man daraus nicht ableiten

Dabei gibt es in Amerika zarte Hoffnungsschimmer. Die Autobauer haben dank guter Auftragslage die übliche Sommerpause verkürzt. Der Konsum bricht nicht weg, obwohl die privaten Haushalte wieder mehr sparen und ihre mageren Einkommenszuwächse gerade mal die Inflation ausgleichen. Am Häusermarkt zeichnet sich eine gewisse Stabilisierung der Preise ab, die Zahl der Neubauten liegt höher als vor einem Jahr. Optimismus darf man daraus aber nicht ableiten: Die Zahl der Neubauten erreicht gerade mal rund die Hälfte des Niveaus, das vor der Hauspreisblase als normal galt. Der Schattenbestand im Hausangebot, der als Folge drohender Zwangsversteigerungen oder aus dem Besitz von Banken noch auf den Markt drängen wird, ist groß genug, um die Baukonjunktur als Aufschwungmotor noch für Jahre auszuschließen.

Auf der Negativseite steht, dass Unternehmen und Verbraucher nicht optimistisch sind. Gerade der in der Finanz- und Wirtschaftskrise schwer gebeutelte Mittelstand kommt mit der Bereinigung seiner überdehnten Schuldenposition nur langsam voran. Die Investitionen der Unternehmen lassen nach, trotz gut gefüllter Kassen. Der Export wird gedrückt durch den Dollar, der zuletzt als Fluchtwährung in der Euro-Krise real aufwertete. Die Aussichten im verarbeitenden Gewerbe, das die Erholung stützte, sind nicht gut. Die große Dürre belastet die Agrarwirtschaft.

Hauptrisiko Euro-Krise

Zwei Kennzahlen verdeutlichen, dass die Wirtschaft sich im Niemandsland zwischen Rezession und Aufschwung nur dahinschleppt. Der monatsdurchschnittliche Beschäftigungsaufbau lag in den ersten sieben Monaten dieses Jahres in etwa ebenso niedrig wie im Vorjahr. Und die Wirtschaftsleistung ist im ersten halben Jahr um 1,7 Prozent gestiegen - gegenüber 1,8 Prozent im vergangenen Jahr. Eine deutliche Beschleunigung ist nicht in Sicht, zumal die Weltwirtschaft sich mit den Sorgenkindern Europa und China abschwächt. Eine Wachstumsrate von 2 Prozent oder ein wenig mehr, wie sie der Internationale Währungsfonds den Vereinigten Staaten für dieses und das kommende Jahr prognostiziert, müsste schon als Erfolg gelten - der aber nicht reichen wird, um die Arbeitslosigkeit entscheidend zu senken.

Auch mit noch so vielen Reisen von Finanzminister Timothy Geithner nach Europa werden die Vereinigten Staaten eines der Hauptrisiken für ihre Wirtschaft, die Euro-Krise, nicht aus dem Weg räumen können. Bleibt das zweite Risiko, die „fiskalische Klippe“. Wenn die Parteien sich nicht direkt nach der Wahl im November einigen, droht zur Jahreswende mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen ein fiskalischer Entzug von bis zu 5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die fiskalische Klippe wird weitgehend als Problem des Nachfrageentzugs debattiert.

Dahinter aber stehen zwei wirtschaftspolitische Entwürfe, die der Demokrat Barack Obama und der Republikaner Mitt Romney dem Wähler anbieten. Obama will - mit stark populistischem Einschlag - niedrigere Steuern nur für geringere Einkommen, um die Nachfrage anzuschieben. Romney will Steuersenkungen für alle, damit auch Unternehmer und Unternehmen mehr Anreize haben, Arbeitsplätze zu schaffen. Das republikanische Argument, die Unternehmen schreckten aus Unsicherheit vor der drohenden Steuermehrbelastung vor Investitionen zurück, lässt sich nur schwer verifizieren. Die Investitionszurückhaltung gründet auch im Schrecken der Euro-Krise und im Wegfall von Abschreibungsvergünstigungen.

Unabhängig davon wird die Wirtschaft sich mit weiteren „gezielten“ Stimuli aber kaum aus der Lethargie befreien lassen. Es ist das eine, zur Hochzeit der Krise die Staatsschuld in die Höhe zu treiben, um mit Konjunkturprogrammen eine noch tiefere Rezession abzumildern. Es ist ganz etwas anderes, nach dem drastischen Anstieg der Staatsschuld mit schuldenfinanzierten Mehrausgaben zu versuchen, die Investitionszurückhaltung zu brechen. Gingen die Vereinigten Staaten diesen Weg, rutschten sie weiter in Richtung japanische Verhältnisse.

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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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