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Veröffentlicht: 14.04.2017, 17:27 Uhr

Kommentar Trump und wie er die Welt sieht

Man muss sich Präsident Donald Trump vermutlich als Mann vorstellen, der jeden Tag erfährt, dass die Welt doch komplizierter ist, als er vermutete. Das ermöglicht eine positive und eine weniger freundliche Deutung.

von , Washington
© Reuters Geschafft: Nach einer Woche Arbeit im Weißen Haus ist Donald Trump nun wieder in Florida angekommen, wo er die Ostertage verbringen wird.

Man muss sich den Präsidenten Donald Trump vermutlich als einen Mann vorstellen, der jeden Tag erfährt, dass die Welt doch komplizierter ist, als er vermutet hatte. Die positive Deutung lautet, dass der Präsident täglich etwas Neues lernt und daraus seine Konsequenzen zieht. Er verkörpert mit seinen 70 Jahren in gewisser Weise das Ideal des lebenslangen Lernens. Und wer wollte das kritisieren?

Winand von Petersdorff-Campen Folgen:

In einer weniger freundlichen Deutung allerdings herrscht die Überraschung darüber vor, was der Präsident alles nicht weiß. Dazu gehört auch, dass er offenkundig nicht weiß, was er alles nicht weiß.

Das von ihm beständig als Manipulator attackierte China trickst seine Währung seit längerem nicht nach unten, um chinesische Waren in amerikanische Shopping Malls zu drücken. Vielmehr versucht Peking, seine Währung nach oben zu bugsieren, um Kapitalabflüsse zu bremsen. Das hätte man wissen können. Trump hat es jetzt gelernt und zieht die richtigen Folgerungen.

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Was Trumps Einstellung zum Dollar betrifft, sind wir offenbar noch in einer früheren Phase des Lernprozesses. Präsidenten haben in der Vergangenheit in der Regel vermieden, sich über die Stärke des Dollars auszulassen. Das lag auch daran, dass ein unvorsichtig freimütiges Wort den Kurs in den Keller oder in die oberste Etage schicken konnte und damit Geschäfte in aller Welt beeinflusste. Zugleich herrschte seit Jahren der Konsens, dass man sich nicht gegen einen starken Dollar wehrt, weil er Ausdruck des globalen Vertrauens in die Stärke der amerikanischen Wirtschaft ist.

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Natürlich hat ein neuer Präsident das Recht, diesen Konsens zu hinterfragen. Gerade Donald Trump ist nicht ins Weiße Haus gewählt worden, um alles beim Alten zu belassen. Zudem ist die Frage, ob ein starker Dollar immer gut für die Vereinigten Staaten ist, nicht so eindeutig zu beantworten.

Der Dollar kann stark sein, weil die ganze Welt amerikanische Produkte kaufen und in amerikanische Unternehmen investieren will. Das war Ende der neunziger Jahre der Fall. Oder der Dollar kann stark sein, weil die amerikanische Regierung ein gewaltiges Defizit aufbaut und damit die Zinsen nach oben treibt, was Ausländer animiert, amerikanische Anleihen zu kaufen. Das galt für die letzten Reagan-Jahre. Im ersten Fall lief Amerikas Wirtschaft prima, im zweiten Fall gab es Grund für Besorgnisse.

Die Lehre ist aber auch, dass die Welt kompliziert ist. Und dass man sich deshalb einen Präsidenten wünscht, der sich gut vorher überlegt, was er sagen will.

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