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Kommentar : Die Negativzinsen schaden allen

Mit ihren Versuchen, Wachstum zu erzeugen, bisher mäßig erfolgreich: die Europäische Zentralbank Bild: dpa

Auch sieben Jahre nach der Finanzkrise sind die Zeiten noch nicht wieder normal. Die EZB versucht daher, Wachstum zu erzeugen – mit immer größeren negativen Folgen.

          Jetzt zittern die Banken wieder. In der kommenden Woche könnte die Europäische Zentralbank beschließen, die Strafzinsen für Einlagen der Banken bei der EZB noch mehr zu senken. Das heißt, sie noch mehr ins Negative zu drücken. Dann würden die Banken noch mehr dafür bezahlen, ihr Geld bei der Zentralbank zu parken. In normalen Zeiten haben sie dafür Zinsen bekommen.

          Aber die Zeiten sind immer noch nicht normal, auch sieben Jahre nach der Finanzkrise nicht, der die Euro-Schuldenkrise folgte. Und so versucht die Notenbank mit allen Mitteln, Wachstum zu erzeugen und eine Deflation zu vermeiden, also sinkende Preise. Bisher war sie mäßig erfolgreich.

          Die Gefahr, dass eine Bank kippt, steigt

          Doch die negativen Folgen dieser Strategie werden immer größer. Davor warnen jetzt sogar die Banken selbst. Wenn die Strafzinsen steigen, haben die Banken nur die Wahl, das Geld über mehr Kredite wieder loszuwerden. Aber schon jetzt bekommt jeder einen Kredit, der die Bedingungen erfüllt. Die Banken könnten nur die Anforderungen senken. Dann stiegen die Risiken in den Büchern.

          Parken sie stattdessen das Geld, steigen die Kosten. Das verschlechtert die Ertragslage der Banken, die Gefahr, dass irgendwann wieder eine Bank kippt, steigt. Die Finanzhäuser werden versuchen, die Kosten auf den Kunden abzuwälzen. Negativzinsen, also Gebühren für Einlagen, gibt es schon für Großkunden. Privatanlegern wird das noch nicht zugemutet, dort werden die Preise für Überweisungen auf Papier, für Debit- (früher EC-) und Kreditkarten oder für das Girokonto ganz allgemein unauffällig erhöht. Gleichzeitig wird den Sparern immer weniger fürs Tagesgeld bezahlt.

          Es könnte sogar noch schlimmer kommen. Es könnte das Gegenteil von dem bedeuten, was die EZB erreichen will, nämlich mehr Kredite und damit mehr Wirtschaftswachstum durch niedrigere Kreditzinsen. Denn die Banken könnten genötigt sein, auch für Kredite mehr Geld zu verlangen, um ihre Einnahmen zu steigern.

          Und warum sind die Bankaktien in der vergangenen Woche trotzdem gestiegen? Weil etwas Hoffnung besteht, dass die EZB nächste Woche auch Erleichterungen für die Finanzindustrie beschließt. Und weil der Ölpreis steigt. Das senkt die Gefahr von Kreditausfällen von Ölunternehmen. Bankaktien bleiben trotzdem ein heißes Eisen. Nichts für Anleger, die mit Aktien in Ruhe Vermögen aufbauen wollen.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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