26.06.2007 · Im Flieger dasitzen wie die Ölsardinen in der Büchse? Das war einmal. Breitere Sitze, größere Fenster und Sterne am Kabinendach: Flugreisen werden bequemer - zumindest für diejenigen, die es sich leisten können.
Von Tim HöfinghoffMike Bair ist ein Mann, der gerne mit Superlativen jongliert. Redet er über den neuen Boeing-Flieger 787 Dreamliner, dann spricht er von „einer phänomenalen Erfolgsgeschichte“. Es gebe „eine neue Ära“, trompetet der Entwicklungschef des 787. Klar, so reden Verkäufer. Doch Bair sagt auch Dinge, die nicht so recht zur Werbebotschaft passen: „Es ist schwer zu bekennen, dass Fliegen unbequem ist“, formuliert er etwas gestelzt. Dann schiebt er nach: Aber „wir wollen es angenehmer machen“.
Mehr Komfort beim Fliegen - das werden Reisende gerne hören. Denn eines können Flugzeugbauer und Fluggesellschaften wirklich nicht wegdiskutieren: Fliegen ist selten ein Vergnügen. Das gilt besonders für lange Strecken: Gerötete Augen, trockene Nasen und geschwollene Glieder, das ist Alltag für viele Passagiere. „Flugreisen sind oft stressig und ungemütlich“, klagt Nancy McKinley vom internationalen Passagierverband IAPA, der 400.000 Vielflieger als Mitglieder hat.
Wie Busfahren
Vor 30 Jahren mögen Flugreisen noch etwas ganz Besonderes gewesen sein. Inzwischen ist es eher wie Busfahren. Alltäglich. Und wurden in den vergangenen Jahren lediglich die Business- und First-Class-Kabinen größer, wurde im Economybereich kein Zentimeter verschenkt. Bei dem knallharten Preiswettbewerb sparte so manche Gesellschaft zudem kräftig am Service. Gerade die Billigflieger haben das Reisen im Jet längst zum Massengeschäft gemacht. Gemütlich in der First Class dösen oder gar im eigenen Businessjet entspannt zum nächsten Termin eilen - diese Annehmlichkeiten kann sich nur eine Minderheit leisten (siehe dazu auch: Flugzeuge nach Maß).
Kein Wunder, dass der Reisekomfort an Bord bei vielen Fluggästen ganz oben auf der Wunschliste steht. Die beiden Rivalen Boeing und Airbus mögen sich in Sachen Flugzeugverkauf noch so sehr duellieren, bezüglich neuer Kabineneinrichtungen geben sie sich völlig einer Meinung und wollen ihren Kunden endlich „mehr Raum und Komfort“ bieten.
„Auch in Zukunft eingepfercht“
Doch wie wird sich der kommerzielle Flugverkehr verändern? Auf welche Verbesserungen können Reisende hoffen? Airbus und Boeing versprechen, dass ihre neuen Flieger nicht nur leiser und umweltfreundlicher sind. Vor allem sollen sie mehr Platz bieten.
Ausschlaggebend sind aber die Airlines. Was sie mit dem Raumangebot machen, bleibt ihnen überlassen. Luftfahrtexperten wie Betsy Snyder von der Ratingagentur Standard and Poor's befürchten deshalb, dass „auch in Zukunft die Leute hinten in der Kabine eingepfercht sind“.
Dabei würden „gerade die Ausstattung und der Komfort in der Kabine immer wichtiger“, sagt Thorsten Nagel, Experte für Kabinenmodifikationen bei Lufthansa Technik, einem Anbieter, der auch Kabinen für andere Airlines umbaut. Nagel: „Nur so können sich die Fluggesellschaften von ihrer Konkurrenz abheben.“
Flache Betten in der Business-Class
Was Trends im Kabinenbau angeht, da ist sich Nagel sicher: „In der Business- und First-Class werden flache Betten zum Standard gehören.“ Für die Economy-Class, also „die breite Masse, zählt Entertainment“. Soll heißen: immer mehr TV-Kanäle, Musik und Videospiele an jedem Sitzplatz. „Das bieten schon immer mehr Airlines an.“ Bald soll Internet für alle kommen.
Was die Zukunft des Fliegens betrifft, da zeigt Boeing gerne auf den 787 Dreamliner, der im Juli erstmals aus der Fabrikhalle rollt. Boeing will „das allgemeine Wohlbefinden steigern“, und im 787 sei auf jeden Fall mehr Platz für Reisende. Auch soll die Kabinenluft stärker angefeuchtet werden, damit Passagiere nicht mehr über Trockenheit im Hals klagen. Das Fliegen lebt auch vom Erleben und Gucken: Deshalb sollen beim Dreamliner die Fenster besonders groß sein. Boeing wirbt damit, dass sie mit 47 Zentimeter Höhe und 28 Zentimeter Breite die größten Fenster aller Verkehrsflugzeuge sind: 65 Prozent größer als bei der Konkurrenz, heißt es.
Können sich die Airlines durchringen?
Wer sich hingegen in den Großraumflieger A380 von Airbus an ein Fenster hockt, wird kaum erkennen, dass sie kleiner als beim Konkurrenten Boeing sind. Trotzdem geben sich die Airbus-Leute in Sachen Größe selbstbewusst. Der A380 biete „50 Prozent mehr Platz“ als ein 747-400-Boeing-Flieger, sagt Bob Lange, der bei Airbus für den Kabinenbau zuständig ist. Der A380 sei zudem besonders leise und biete auch einen „stabilen Flug“. Denn die übergroßen A380-Flügel sollen auch „Turbulenzen absorbieren“ können.
Im A380 können Passagiere in der Economy-Klasse nicht nur auf dem Oberdeck, sondern auch auf dem Hauptdeck breitere Sitze bekommen: 2,54 Zentimeter mehr sind drin - wenn sich die Airlines dazu auch durchringen können. Gerade die Sitze der Flieger sorgen stets für Unmut. Erst kürzlich forderte die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) mehr Beinfreiheit für Flugreisende. Ein 80-Zentimeter-Abstand zum Vordersitz reiche nicht mehr. Die Menschen würden größer und schwerer. Die Enge beim Fliegen erhöhe nicht nur die Thrombosegefahr. Auch die Notfall-Evakuierung von Passagieren wird schwieriger, argumentiert die EASA. Die Behörde will mit Herstellern über einen Mindestabstand sprechen, der bislang in Deutschland und Europa nicht vorgeschrieben ist.
„Sternenhimmel an der Kabinendecke“
Mögen sich die Airbus- und Boeing-Flieger der neuen Generation in Sitzbreiten und Fenstergrößen unterscheiden - in Sachen Beleuchtung setzten beide Hersteller auf das „Mood Lighting“. Das gibt es zwar schon bei einigen wenigen Fluggesellschaften, soll aber in Zukunft Standard sein. Schließlich herrscht in Sachen Kabinenlicht noch viel Reformbedarf.
„Die Stimmungsbeleuchtung ist etwas Neues“, sagt Paul Sonnenschein von der Firma Diehl Aerospace. Das Unternehmen baut LED-Lampen in die Kabinen, die warme Morgenröte simulieren können, aber auch kaltes Arbeitslicht und einen „Sternenhimmel an der Kabinendecke“ im Angebot haben. Lichtexperte Sonnenschein frohlockt: „Kein Passagier muss mehr auf Knopfdruck einschlafen.“ Denn die Leuchten dimmen den Fluggast sanft in den Schlaf.
Bei Flugzeugbauern wie Boeing ist man entzückt über das neue „Gefühl der Unendlichkeit“, das die Lampen bieten, sowie über die Tatsache, dass „keine Kabinendecke mehr auf den Passagier zu drücken scheint“. Auch Airbus nutzt die Diehl-Lampen, damit Langstreckenreisende einfacher in den Schlaf finden und besser „ihren Jetlag bekämpfen können“. Kein Wunder, dass Flugzeughersteller und Airlines sich zunehmend um besseren Komfort sorgen müssen. Schließlich boomt das internationale Luftfahrtgeschäft.
Krise überwunden
Nach den Terroranschlägen im September 2001 waren die Passagierzahlen rapide gesunken. Doch die Branche hat die Krise inzwischen überwunden. Die International Civil Aviation Organisation (ICAO) rechnet vor, dass es 2006 mehr als zwei Milliarden Flugreisen gab. Bis 2010 sollen zusätzlich 500 Millionen Menschen hinzukommen, prophezeit die internationale Flugtransport-Vereinigung IATA (siehe Grafik). Und mit einem abrupten Ende des Booms ist erst mal nicht zu rechnen: „Der Luftverkehr wird weiter stark zunehmen“, sagt Branchenkenner Klaus-Dieter Ruske von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers.
„Angetrieben wird das Wachstum durch China und Indien“, sagt Ruske, „Einkommen und Vermögen steigen, immer mehr Menschen reisen.“ Die neue Reiselust setzt Hersteller und Fluggesellschaften aber nicht nur beim Komfort unter Druck. Immer wichtiger wird auch der Umweltschutz. „Die Bevölkerung kriegt schon ein schlechtes Gewissen, wenn sie an das Fliegen denkt“, klagte jüngst Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber.
Wer hat das sauberste Flugzeug am Himmel?
Und so werben die Flugzeugbauer damit, dass Turbinen immer effizienter werden und der Kerosinverbrauch sinkt. Doch Umweltschützer klagen wegen der vielen Flieger am Himmel über steigende Kohlendioxidbelastungen.
Dabei überbieten sich Airbus und Boeing schon, wer das sauberste Flugzeug am Himmel hat. So wirbt Airbus damit, dass im A380 nur 2,9 Liter Kerosinverbrauch pro Passagier auf hundert Kilometern zusammenkommen. Das, so die Airbusrechnung in Sachen Umelt, sei weniger als für ein Familienauto.
Ist ja alles ganz schön, aber ...
Stefan Kröger (coach_pilot)
- 26.06.2007, 10:37 Uhr
Sechs, setzen!
A.K. Werner (Anuschka1978)
- 26.06.2007, 13:47 Uhr
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