07.12.2007 · Die deutschen Autohersteller müssen den Kohlendioxidausstoß ihrer Wagen deutlich weniger reduzieren als von ihnen befürchtet. Hersteller schwerer Autos müssen den Ausstoß ihrer Flotte nicht auf im Durchschnitt 130 Gramm Kohlendioxid je Kilometer senken. Um mögliche Sanktionen gibt es aber noch Streit.
Von Hendrik KafsackDie deutschen Automobilhersteller müssen den Kohlendioxidausstoß ihrer Wagen deutlich weniger reduzieren als befürchtet. Wie aus einem internen Papier der Europäischen Kommission hervorgeht, müssen die Hersteller schwerer Autos den Ausstoß ihrer Flotte nicht auf im Durchschnitt 130 Gramm Kohlendioxid je Kilometer senken, sondern dürfen eindeutig darüber bleiben. Im Gegenzug werden die Hersteller von Kleinwagen stärker belastet, damit der EU-Durchschnitt von 130 Gramm bis 2012 erreicht wird. Der je Kilogramm gewährte Nachlass für schwere Autos soll allerdings kontinuierlich sinken, je schwerer ein Auto ist. So will die Kommission sicherstellen, dass die Produzenten sehr schwerer Autos einen größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten als die von leichteren Wagen.
Umstritten ist in der Kommission noch, wie hoch die Strafe dafür ausfallen soll, wenn ein Produzent die ihm zugeteilte Höhe an Kohlendioxidausstoß überschreitet. In der EU-Behörde werden dem Vernehmen nach Strafen zwischen 10 und 150 Euro je zu viel emittiertem Gramm geprüft. Dieser Wert soll dann mit der Zahl der in Europa verkauften Autos multipliziert werden. Eine Strafe von 90 Euro gilt als am wahrscheinlichsten. Die deutsche Seite und mit ihr EU-Kommissar Günter Verheugen dringen auf eine Strafe von höchstens 30 Euro. Alles andere würde die Industrie überfordern, heißt es.
Durchschnittswert derzeit bei 160 Gramm
Die Kommission hatte im Frühjahr dieses Jahres angekündigt, die Automobilhersteller gesetzlich zum Abbau des Ausstoßes von Kohlendioxid auf 130 Gramm je Kilometer zu zwingen. Eine Reduzierung von weiteren 10 Gramm soll durch bessere Schaltungen oder die stärkere Nutzung von Biokraftstoffen erreicht werden. Zuvor war klargeworden, dass die Autobranche ihre Zusage, den Ausstoß bis 2008 eigenständig auf 140 Gramm zu reduzieren, verfehlen würde. Derzeit liegt der Durchschnittswert bei 160 Gramm. Die deutschen Marken liegen weit darüber. So betrug der Ausstoß von Mercedes zuletzt 185, der von BMW 192 und der von Audi 177 Gramm. Am besten schneidet in der EU Fiat mit 139 vor Peugeot-Citroën mit 144 Gramm sowie Renault mit 149 Gramm ab.
Bisher war offen, wie die Lasten des Klimaschutzes verteilt werden sollten. Die französischen und italienischen Konzerne, die Kleinwagen herstellen, hatten darauf gedrungen, dass jeder einzelne Hersteller mit seiner Wagenflotte das Ziel von 130 Gramm je Kilometer erreichen sollte. Das Europäische Parlament wiederum hatte sich vor kurzem dafür ausgesprochen, zwischen verschiedenen Modellen zu unterscheiden und die Belastung am "Fußabdruck" der Autos festzumachen, das entspricht der Fläche zwischen den vier Reifen. Die Kommission spricht sich nun für eine Differenzierung nach Gewicht aus. Das sei transparenter und technisch viel leichter zu handhaben als der Fußabdruck, heißt es.
Streit um die Kurve
Umstritten war intern zuletzt noch, wie weit die Hersteller schwerer Wagen über die 130 Gramm hinausgehen dürfen. Zur Kalkulation der künftig für die Modelle erlaubten Emissionen zieht die Kommission verschiedene Faktoren heran. Letztlich geht es darum, wie stark die Kurve steigt, die angibt, wie viel Gramm mehr ein Auto je Kilogramm emittieren darf. Der zuständige EU-Umweltkommissar Stavros Dimas war für einen flachen Anstieg von 20 Prozent. Das wäre den französischen Forderungen sehr nahe gekommen, da die Hersteller von schweren Wagen dann nur einen geringen Nachlass erhalten hätten. Sie hätten nahe an die 130 Gramm herankommen müssen. Nach Berechnungen der deutschen Autoindustrie würden rund 40 Prozent der Modelle von Peugeot und Ford wiederum nach diesem Ansatz ihre Emissionsobergrenzen schon heute unterschreiten. Um diese Kleinwagenhersteller stärker in die Pflicht zu nehmen, hatte Industriekommissar Verheugen für eine steilere Steigung von 80 Prozent votiert. Als Kompromiss sollen nun 60 Prozent gelten.
Im Europaparlament stößt der Vorschlag auf Zustimmung. Auf diesem Weg werde sichergestellt, dass die Premiumhersteller als technische Vorreiter einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisteten, aber nicht von den Vorgaben erdrückt würden, sagte der EU-Abgeordnete Matthias Groote (SPD). Der europäische Dachverband der Autohersteller Acea kritisierte hingegen, die Kommission nehme sich nicht genug Zeit, um über den Vorschlag zu reden. Es wäre besser, das in Ruhe zu tun und den Entwurf dann Anfang 2008 vorzulegen. Der Kommissionsvorschlag muss noch intern abgestimmt werden, soll allerdings noch im Dezember vorgelegt werden. Bevor er in Kraft treten kann, müssen das Parlament und die Staaten darüber abstimmen.