Home
http://www.faz.net/-gqg-770ib
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Kodex Pharmafirmen wollen Zahlungen an Ärzte veröffentlichen

Ab 2016 wollen die forschenden Arzneimittelhersteller ihre Zahlungen an Mediziner offenlegen. Ein freiwilliger Kodex soll die Basis für die Offenlegung von Zuwendungen werden, wie der Pharmaverband Vfa mitteilte.

© dapd Vergrößern Fehlverhalten im Gesundheitswesen ist ein altes Thema

Der Einfluss der Pharmaindustrie auf Ärzte steht seit langem in der Kritik, nun wollen die forschenden Arzneimittelhersteller ihre Zahlungen an Mediziner offenlegen. Ein freiwilliger Kodex soll Basis für die Offenlegung von Zuwendungen werden, wie der Pharmaverband Vfa in Berlin mitteilte. Krankenkassen und Ärzte begrüßten den Schritt, der aus ihrer Sicht aber zu spät kommt.

Bis zum Sommer werde es einen entsprechenden Transparenz-Kodex des europäischen Pharma-Dachverbands EFPIA geben, sagte Vfa-Kommunikationschefin Susan E. Knoll.„Derzeit beraten die Pharmaverbände über die nationalen Grenzen hinweg.“ Bis Jahresende komme die Umsetzung für Deutschland. „Ab Anfang 2015 sollen alle Daten erfasst und ab 2016 veröffentlicht werden.“ Schneller gehe es nicht, auch weil die Unternehmen Zeit bräuchten für Umstellung oder Aufbau von Datensystemen.

„Das zeigt, wie ernst es den forschenden Pharma-Unternehmen mit dem Thema Transparenz ist“, sagte Knoll. Der Sprecher des Krankenkassen-Verbands, Florian Lanz, hingegen meinte: „Es ist mehr als überfällig, dass die Pharmaindustrie endlich Klarheit schafft, warum und wie viel Geld sie extra an die einzelnen Ärzte zahlt.“ Jede Zahlung an Ärzte oder Krankenhäuser sollte veröffentlicht werden, sagte Lanz weiter. Patienten müssten sich informieren können, ob sein Arzt für die Verschreibung zusätzliches Geld von einem Pharmaunternehmen bekommen habe. Der Geschäftsführer der Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie, Holger Diener, kündigte umfassende Veröffentlichungen an: „Die Spanne reicht von Honoraren für wissenschaftliche Vorträge über Vergütungen für Beratungsleistungen der Ärzte bis zu Einladungen zu wissenschaftlichen Kongressen.“

Mehr zum Thema

In Fahrt gekommen war die Debatte durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom Sommer. Korruption niedergelassener Ärzte ist demnach nach geltendem Recht nicht strafbar - etwa die Annahme von Zuwendungen für die Verordnung bestimmter Arzneien. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte eine Gesetzesänderung angekündigt, so dass im Verdachtsfall Staatsanwälte gegen Ärzte ermitteln können. Derzeit laufen nach Ministeriumsangaben Auswertungen von Regelungen in den Ländern und Ärztekammern.

Der Chef der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, kritisierte: „Europa hat hinsichtlich der Transparenz von finanziellen Zuwendungen an Ärzte und Forschungseinrichtungen spät nachgezogen.“ In den Vereinigten Staaten werde ein Register mit allen Zahlungen in diesem Jahr öffentlich. Gefährdet sei das Vertrauen in den Arztberuf. Der geplante Kodex der Industrie könne nur ein erster Schritt sein. Es fehle an Regeln, was erlaubt sei - und an der Umsetzung.Diener betonte, von Missständen zu sprechen, wäre unangemessen. Bereits existierende strenge Vorgaben etwa zu Geschenken an Ärzte würden weiterentwickelt. Ein enormes Datenvolumen zeichne sich ab, das zu 100 Prozent korrekt sein müsse. „Wir hoffen auf breite Kooperation mit der Ärzteschaft.“

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gesundheit Patienten vertrauen dem Arzt mehr als dem Internet

Suchen Leute einen Arzt, suchen sie immer häufiger im Internet. Smartphone-Apps, die die Gesundheit überwachen und wichtige Fragen beantworten, werden stetig populärer. Doch wollen die Menschen einen Rat, dem sie vertrauen können, hören sie auf ihren Arzt. Noch. Mehr Von Andreas Mihm

22.11.2014, 09:57 Uhr | Wirtschaft
Transparenz EU-Kommission will Kontakte mit Lobbyisten offenlegen

Die EU-Kommission will die Öffentlichkeit ausführlicher über ihre Treffen mit Lobbyisten informieren. Die neuen Transparenz-Regeln sollen noch vor Ende des Jahres in Kraft treten. Mehr

19.11.2014, 15:14 Uhr | Politik
Mangel an Landärzten Gleich um die Ecke

Wolfgang Adam ist seit dreißig Jahren Landarzt. Die Nähe zu den Patienten, nächtliche Hausbesuche im Schlafanzug, Kurzvisiten beim Brötchenholen - das ist sein Leben. Junge Ärzte verstehen das nicht. Mehr Von Lucia Schmidt

19.11.2014, 14:00 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.02.2013, 09:54 Uhr

Griechische Widersprüche

Von Tobias Piller, Rom

Die Griechen sind zermürbt und wollen das Wort Reform nicht mehr hören. Ministerpräsident Antonis Samaras würde die Troika deshalb am liebsten los werden – und ist doch auf ihr Sicherheitsnetz angewiesen. Mehr 13 18


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutsche fühlen sich für Unternehmerdasein nicht gerüstet

Nur 34 Prozent der Deutschen glauben, ihre Ausbildung habe ihnen die Fähigkeit vermittelt, ein eigenes Unternehmen zu führen. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden