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Klimaschutz : Pittsburgh oder Paris?

Die Pittsburgh hat die Stahlkrise hinter sich gelassen. Die amerikanische Großstadt will den Pariser Richtlinien trotz Trumps Politik weiter folgen. Bild: AFP

Donald Trump nimmt die ehemalige Stahlstadt Pittsburgh zum Beleg dafür, dass das Klimaabkommen von Paris die Industrie zerstöre. Ein unpassenderes Beispiel hätte er nicht wählen können.

          Als Pittsburgh, Pennsylvania, das letzte Mal einer breiteren Öffentlichkeit in Erinnerung gerufen worden war, lief es gut für das Image der Stadt. Es ging um selbstfahrende Autos. Der Fahrtenvermittler Uber aus dem Silicon Valley hatte Pittsburgh für sein erstes großes Experiment mit fahrerlosen Autos ausgewählt. Das war im Spätsommer 2016. Knapp 100 Volvo-SUVs und ihre Programmierer rückten an.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der Bürgermeister Bill Peduto tönte im September bombastisch, eine Stadt habe stets die Wahl, den Fortschritt zu bremsen oder ihn zu begrüßen: Wenn man aber wie Pittsburgh das Labor für die Technologie des 21. Jahrhunderts werden wolle, „dann rollt man einen Teppich aus“.

          Neun Monate später haben die Lokalpolitiker aufs Neue erfahren, dass nicht immer alles reibungslos läuft, selbst wenn es zunächst gut klingt. Es gibt ein bisschen Streit zwischen Uber und Lokalpolitikern über dieses und jenes, vermutlich nichts Gravierendes. Das ändert nichts daran, dass sich die 300.000-Einwohner-Stadt für ein paar Wochen als jener Ort fühlen durfte, der der Welt die Zukunft der individuellen Mobilität zeigte.

          Pittsburgh als Stadt der grünen Moderne

          Und es bleibt dabei, dass der Bürgermeister und seine Kollegen in der Stadtregierung Pittsburgh als eine Stadt verstanden wissen wollen, die sich mit aller Entschlossenheit der modernen Zukunft zuwendet.

          Ausgerechnet jetzt, da es so einigermaßen läuft mit der Außendarstellung, funkt Präsident Donald Trump dazwischen mit seiner Rede vom vergangenen Donnerstag, in der er den Austritt der Vereinigten Staaten aus dem Pariser Klimaabkommen als Beweis seines Kampfes für den amerikanischen Arbeiteradel darstellt, der sich seine Hände in Stahlwerken und unter Tage schrundig geschuftet hat. Dann dieser Satz: „Ich bin gewählt worden, um die Bürger von Pittsburgh zu vertreten, nicht die Bürger von Paris.“ Als ob Pittsburgh gerettet werden müsste vor einer ökologisierten Weltgemeinschaft, welche die Pittsburgher Schwerindustrie unter ihren Regulierungen erstickt.

          Blöd nur, dass Trumps Timing ungünstig kommt. Die alte Metropole der amerikanischen Schwerindustrie arbeitet seit 30 Jahren absichtsvoll daran, die Wirtschaft so umzubauen, wie sie sich Klimaforscher nicht schöner vorstellen können: Anspruchsvolle klimaneutrale Dienstleistung ist das Leitbild.

          Pittsburgh bleibt bei Pariser Richtlinien

          Als Bürgermeister Peduto, ein strammer Demokrat, den ersten Schreck der Trump-Rede verarbeitet hatte, verbreitete er einen Twitterbeitrag. „Als Bürgermeister von Pittsburgh versichere ich, dass wir den Richtlinien von Paris folgen für unsere Bürger, unsere Wirtschaft und unsere Zukunft.“ Am Tag nach der Rede erließ der Politiker ein Dekret, mit dem Pittsburgh sich bekennt, die Versorgung der städtischen Betriebe komplett auf erneuerbare Energie umzustellen.

          Pittsburgh, das hebt Peduto dann gerne noch einmal hervor, hat übrigens Donald Trump nicht zum Präsidenten gewählt. Hillary Clinton verlor zwar Pennsylvania, aber nicht Pittsburgh. Hier hat die Demokratin mehr als drei Viertel der Stimmen abgrasen können. Die neuen Dienstleister, die ihr Geld in den beiden großen Hochschulen Carnegie Mellon und Pittsburgh University oder in den Krankenhaus-Konzernen verdienen, haben die demokratische Kandidatin gewählt.

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