http://www.faz.net/-gqe-75b02

Kindergeld : Umbau der Familienkasse sorgt für Ärger

Kinder Bild: dapd

Um ihre Kosten zu verringern, will die Bundesagentur für Arbeit die Familienkasse umbauen. Mitarbeiter sollen auf weniger Standorte konzentriert werden.

          Die Bundesagentur für Arbeit plant, die Familienkasse im kommenden Jahr grundlegend umzubauen. Nach Informationen dieser Zeitung soll die Bearbeitung von Anträgen auf Kindergeld und Kinderzuschlag von Mai 2013 an auf deutlich weniger Standorte konzentriert werden. Sowohl die Bundesagentur für Arbeit als auch das Bundesfinanzministerium bestätigten das Vorhaben. Die Zahl der Niederlassungen soll von derzeit mehr als 100 auf dann 14 sinken. Die Führungsstruktur soll in der Nürnberger Zentrale gebündelt werden. „Für Kindergeldbezieher wird sich nichts ändern“, versicherte ein Sprecher der Arbeitsagentur dieser Zeitung, da die Anträge weiter an den bisherigen Stellen abgegeben werden können. Diese würden lediglich zentral bearbeitet, woraus sich Zeit- und Kostenersparnisse ergäben.

          Sven Astheimer

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          In Deutschland gibt es rund 9 Millionen Kindergeldberechtigte, der Staat gibt dafür 33 Milliarden Euro im Jahr an Steuermitteln aus. Die Leistungen kommen aus dem Bundeshaushalt, organisatorisch gehört die Familienkasse aber zur Bundesagentur für Arbeit. Die Organisation beschäftigt rund 3.300 Mitarbeiter.

          Keine betriebsbedingten Kündigungen

          Für 500 von ihnen könnte die Umstrukturierung allerdings weitreichende Folgen haben. Es sind jene Mitarbeiter, die Anträge für den Kinderzuschlag bearbeiten. Dabei handelt es sich um eine Sozialleistung für Geringverdiener, denen dadurch das Abrutschen in das Hartz-IV-System erspart wird. Die Zahl der Anspruchsberechtigten liegt derzeit bei lediglich rund 90.000. Deshalb plant die Arbeitsagentur nun aus Kosten- und Effizienzgründen, die Zahl der Standorte auf drei oder vier in Ostdeutschland zu konzentrieren. Dort habe man einen Personalüberhang, sagte der Sprecher. Dieser resultiert auch aus 5.000 ehemals befristet angestellten Mitarbeitern, denen das Bundesarbeitsgericht ein Recht auf Wiedereinstellung zugesprochen hat und für die nun eine neue Beschäftigung gefunden werden muss.

          Die bislang über ganz Deutschland verteilten für den Kinderzuschlag zuständigen Mitarbeiter sollen nun andere Aufgaben übernehmen. Dagegen regt sich unter den Betroffenen einiger Widerstand, wie der Sprecher bestätigte. Noch ist dieser Teil der Umstrukturierung jedoch nicht beschlossen und vom Bundesarbeitsministerium abgesegnet.

          Es bleibe aber in jedem Fall dabei, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde, sagte der Sprecher. Deutschlands größte Behörde will bis zum Jahr 2015 rund 17.000 Stellen abbauen und die Zahl der Mitarbeiter auf unter 90.000 senken. Wie der Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise in dieser Zeitung sagte, sei knapp die Hälfte des Ziels mittlerweile erreicht. Der Vorstand hat in einem Strategiepapier die künftigen Aufgaben der Arbeitsagentur bis zum Jahr 2020 umrissen und geht davon aus, dass die Organisation dafür weiter schrumpfen wird. Ein erster Schritt wird sein, dass im kommenden Mai die Agenturgrenzen neu zugeschnitten und kleinere Bezirke zusammengelegt werden. Außerdem werden zahlreiche Dienstleistungen gebündelt.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Flughafen erzwingt Zwischenstopp Video-Seite öffnen

          Air Berlin : Flughafen erzwingt Zwischenstopp

          Eine Maschine der insolventen Fluglinie musste auf dem isländischen Flughafen Keflavik am Boden bleiben. Die Flughafengesellschaft teilte mit, Air Berlin habe Flughafengebühren nicht bezahlt.

          Topmeldungen

          Streit um Herbizid : Glyphosat, angezählt

          Ein brisantes Thema der vergangenen Jahre könnte in der kommenden Woche ein Ende finden. In Brüssel stimmen die Staaten über die weitere Zulassung für das Herbizid ab. Bleibt Deutschland Enthaltungsweltmeister? Die Befürworter von Glyphosat in der EU werden weniger.
          Die amerikanische Schriftstellerin Emma Cline wurde im vergangenen Jahr für ihren Roman „The Girls“ sehr gefeiert.

          Weinstein und die Folgen : Man sagte mir, keiner würde mir glauben

          Warum schweigen Frauen, wenn sie sexuell belästigt wurden? Sie täten es nicht, wenn sie daran glauben würden, dass es einen anderen Weg gäbe, den Launen der Männer ohne Beschädigung zu entgehen. Ein Gastbeitrag.
          Im Alter jeden Cent umdrehen zu müssen - das befürchten viele Arbeitnehmer.

          Sinkendes Rentenniveau : Vorsorgen kann jeder

          Mit der gesetzlichen Rente kommen Pensionäre nicht mehr weit. Jeder zweite Single in Deutschland sorgt sich, seinen Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Dabei ist das gar nicht so schwer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.