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Karriere in Krisenzeiten Erfolgreich, aber unglücklich im Beruf

„Soll das beruflich alles gewesen sein?“, fragen sich viele Menschen in der Mitte ihrer Laufbahn. Doch Wechsel in Krisenzeiten sind doppelte Herausforderungen: Eine zweite Karriere erfordert mehr als Mut.

© F.A.Z.-Tresckow

Die Leute sind exzellent ausgebildet, gut in ihrem Beruf und tragen das Etikett "erfolgreich". Und sie sind unglücklich. Das Konto ist gefüllt, aber im Kopf kreisen Fragen: Soll das beruflich wirklich alles gewesen sein? Will ich so die Zeit bis zur Rente verbringen?

Ursula  Kals Folgen:

„Solche Fälle sind keineswegs selten“, sagt Claudia M. Christen. Die Schweizer Diplomkauffrau, die in Frankreich aufgewachsen ist, hat sich nach Jahren als Bankerin auf Karrierecoaching spezialisiert. In ihre Frankfurter Beraterpraxis kommen Menschen, die zwar Karriere gemacht haben - oder zumindest das, was die beruflichen Standards darunter verstehen -, aber unzufrieden sind. Sie möchten sich innerhalb ihres Unternehmens verändern oder ganz etwas anderes machen. "In Krisenzeiten mit 5,2 Millionen Arbeitslosen ist das schwierig. Da sind die Menschen gehemmt und haben noch mehr Angst vor einem Wechsel, als sie ohnehin schon haben." Diese Klienten machen meist "ihren Job gut, aber ohne Leidenschaft". Ein Coaching kann helfen, aus dieser Lähmung zu finden und Alternativen zu erkennen. "Wir beraten nicht. Beim Coaching bekommen Sie einen Spiegel vorgehalten", erklärt die Achtunddreißigjährige.

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Dienst nach Vorschrift

Kundschaft gibt es theoretisch genug. Eine Studie der Unternehmensberatung Gallup gelangte schon vor zwei Jahren zu dem Ergebnis, daß sich nur noch 15 Prozent der Beschäftigten als "engagiert" bezeichnen. Die anderen leisten Dienst nach Vorschrift oder haben innerlich gekündigt. Kündigungswellen rauben Vorstellungen von Freiheit und vernichten die Identifikation mit dem Arbeitsplatz. Hinzu kommt der fatale Mix aus Überarbeitung und der fehlenden Wertschätzung durch Vorgesetzte.

Manchmal aber hat diese Desillusionierung mit der falschen Berufswahl zu tun. Oft reichen die Wurzeln für eine freudlose berufliche Existenz bis in Oberstufenzeiten zurück. Selten unterliegt die Berufswahl zu Beginn der Laufbahn wirklicher Sachkenntnis. Da gibt es den Abiturienten, der liebend gerne Kunstgeschichte studiert hätte und vielleicht ein sehr guter Kunsthistoriker geworden wäre. Brotlos, berieten die Eltern und empfahlen: Studier doch was Vernünftiges. So wie dein Vater, der Jurist. Heute ist der Sohn Anwalt. Jetzt lebt er vernünftig und unzufrieden. Und das noch drei Berufsjahrzehnte lang? Begleitet werden solche Fehlentscheidungen von der inneren Stimme, die oft gehörte Merksätze ventiliert. Warnhinweise reichen von "Schuster, bleib bei deinen Leisten" bis zur Überzeugung "Künstler sind alle Spinner".

„Mid-career crisis“

Amerikaner scheinen sich einerseits eher von solchen familiären Loyalitäten lösen zu können und haben andererseits eine geringere Frustrationstoleranz, unbefriedigende Jobs auszuhalten. Bei ihnen ist die berufliche Umorientierung in der Mitte des Berufslebens weit verbreitet. Das Ganze heißt "mid-career crisis" und hat nicht den bedrohlichen Charakter wie im sicherheitsbetonten Deutschland, wo schon ein sonniges Aussteigerjahr im Lebenslauf nach Rechtfertigung schreit. Eine Midlife-crisis ist das selten. Unzufrieden können auch die dreißigjährigen Durchstarter sein.

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