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Karriere Im Trainingscamp für Top-Manager

15.03.2005 ·  Die Liste der Teilnehmer ist so geheim wie das Programm: In Baden-Baden werden Karrieren gemacht. Dort treffen sich Nachwuchsstars der deutschen Konzerne. Drei Wochen ohne Geschäft und ohne Familie.

Von Georg Meck
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Die Herren Spitzenmanager erscheinen ohne Chauffeur, ohne Sekretärin, ohne Stab. Ihr Handy schalten sie auf stumm, drei Wochen lang. So lange klinken sie sich aus; aus Geschäft, Familie und dem Leben überhaupt.

"Für die meisten ist das eine neue Erfahrung", sagt Jürgen Bertsch, ein ehemaliger Offizier und als Geschäftsführer der "Baden-Badener Unternehmergespräche" so etwas wie der Übungsleiter in diesem Trainingscamp für Hochleistungsträger.

Zweimal im Jahr treffen sich etwa 30 Manager im schmucken Palais Biron, das nächste Mal nach Ostern. Die Liste der Teilnehmer ist so geheim wie das Programm. Die Unternehmergespräche sind kein gewöhnliches Seminar, es gibt keine Fallstudien, keinen Teilnahmeschein. In Baden-Baden pauken die Jungstars (im Durchschnitt sind sie 43 Jahre alt) kein Fachwissen, sondern bauen am Netz für ihren beruflichen Erfolg, vom frühen Morgen bis zum Absacker an der Bar.

Kein Club so exklusiv wie der in Baden-Baden

Clubs zur gegenseitigen Förderung der Karriere gibt es viele. Wohl keiner ist so exklusiv wie die Runde in Baden-Baden. Das Netz der Absolventen zieht sich kreuz und quer durch die Chefetagen der deutschen Wirtschaft. Teilnahmeberechtigt ist laut Statuten nur, wer sich schon zwei Jahre in der Leitung eines Unternehmens bewährt hat, zudem die "erkennbare Eignung" mitbringt, es "in absehbarer Zeit" nach ganz oben, also in den Vorstand, zu schaffen. Selbst bewerben kann sich niemand. Der Vorstandschef muß die erfolgshungrigen Nachwuchskräfte vorschlagen. "Jedes Jahr wird genau beobachtet, wen ich nach Baden-Baden schicke, das ist eine der wichtigsten Auszeichnungen", erzählt der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns. Wer das Ticket in die Kurstadt erhält, der ahnt, daß man noch Höheres mit ihm vorhat. Er muß ja nicht gleich Siemens-Chef werden wie Klaus Kleinfeld (2002 in Baden-Baden). Oder Lenker von Weltkonzernen wie Allianz, Bayer oder Daimler-Chrysler; die Talente und späteren Bosse Jürgen Schrempp, Manfred Schneider und Henning Schulte-Noelle trafen sich 1985 in Baden-Baden - ein besonders ertragreicher Jahrgang, wie Organisator Bertsch mit Kennerblick sagt.

Kontakte bis ans Lebensende

Veranstaltet werden die Treffen von einem Verein, der "Gesellschaft zur Förderung des Unternehmernachwuchses e. V.". Unter den 107 Mitgliedern findet sich die Creme der deutschen Wirtschaft; Industrie, Banken, Versicherungen sowie namhafte Mittelständler. Die Unternehmen zahlen zwischen 2500 und 12.500 Euro Jahresbeitrag. Damit erwerben sie das Recht, ihren Führungsnachwuchs nach Baden-Baden zu entsenden. Gegründet wurden die Veranstaltungen 1954, als Reaktion auf den "quantitativen und qualitativen Mangel an Führungsnachwuchs für die deutsche Wirtschaft", wie es nach dem Krieg hieß. An die 3500 Topleute haben seither die Baden-Badener Schule durchlaufen, sie pflegen ihre Kontakte bis ans Lebensende.

In Baden-Baden wurden spektakuläre Personaltransfers angezettelt, Freundschaften begründet, Ehen gestiftet. "Hier reden die Top-Leute über Dinge, mit denen sie auf ihrer Höhe sonst mit niemandem mehr sprechen können", sagt Jürgen Bertsch, der nicht nur die Arbeitssitzungen organisiert, sondern auch Kochabende oder Ausflüge auf Golfplatz und in die Oper.

Karriere ohne Gewähr

Eine Absonderung von der Gruppe ist nicht vorgesehen, die Manager sind alle im selben Mittelklassehotel untergebracht. Wenn eine Sekretärin ihrem Chef das nicht zumuten will oder aus purer Gewohnheit ein Luxusbett bucht, dann stößt der meist nach wenigen Nächten zurück zum Rest des Lehrgangs. Die Themen spiegeln über die Jahre die Befindlichkeiten in den Chefetagen: So steht das nächste Mal das angekratzte Image von Managern auf der Agenda, ebenso das zerrüttete Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik. Außerdem gibt es - als Dauerbrenner - Vorträge zur körperlichen Fitness für Manager.

Eine Garantie für den ultimativen Karriereschub bietet Baden-Baden freilich nicht. Ein Drittel der Teilnehmer schafft es ganz an die Spitze, in den Vorstandsvorsitz, verrät die interne Statistik, ein Drittel in den Vorstand, und ein Drittel bleibt, wo es ist.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.03.2005, Nr. 10 / Seite 44
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Jahrgang 1967, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.

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