Home
http://www.faz.net/-gqg-qe83
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kapitalismusdebatte Wall Street befürchtet gedämpftes Investitionsklima

06.05.2005 ·  Die aktuelle Kapitalismus-Debatte könnte nach Ansicht von Investmentbankern an der Wall Street das Investitionsklima in Deutschland belasten - vorübergehend.

Artikel Lesermeinungen (0)

Die aktuelle Kapitalismus-Debatte könnte nach Ansicht von Investmentbankern an der Wall Street das Investitionsklima in Deutschland belasten. "Auf kurze Sicht kann eine solche Debatte einen dämpfenden Effekt auf die Aktivitäten im Markt haben", sagt Gregory Fleming, Co-Chef für globale Märkte und Investmentbanking bei der New Yorker Investmentbank Merrill Lynch, im Gespräch mit der F.A.Z.. Fleming glaubt jedoch nicht, daß grundlegende Veränderungen in Deutschland davon aufgehalten werden. "Die Umstrukturierungen innerhalb deutscher Unternehmen werden unabhängig von der Debatte weitergehen und sich sogar noch verstärken", meint Fleming.

Thomas Maloney, Präsident der New Yorker Beteiligungsgesellschaft Lincolnshire Management, rechnet ebenfalls mit einem kurzfristigen Dämpfer für das Interesse ausländischer Investoren. Auch Maloney befürchtet aber keine nachhaltigen Schäden. "Letztlich wird es einen Anstieg der Investitionen in Deutschland geben", meint Maloney, dessen Gesellschaft in Deutschland mit einem strategischen Partner zusammenarbeitet.

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hatte vor dem Hintergrund anstehender Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen internationale Finanzinvestoren mit einer Heuschreckenplage verglichen und von "marktradikal" und "asozial" handelnden Managern gesprochen. Er hatte Beteiligungsgesellschaften angeprangert, die Unternehmen aufkauften, deren Personal entließen und so hohe Prämien erzielten.

Nur Effizienz überlebt

Lincolnshire-Präsident Maloney räumt ein, daß die sogenannten Private-Equity-Gesellschaften hohe Anforderungen an Mitarbeiter und Geschäftsführung von übernommenen Unternehmen stellten. "Aber nur Unternehmen, die effizient geführt werden, überleben auf Dauer", sagt er. "Amerikanische Investoren werden die weitere Diskussion in Deutschland mit Vorsicht beobachten", warnt auch Markus Lahrkamp, Amerika-Chef der deutschen Unternehmensberatung Droege & Comp., die in den Vereinigten Staaten international tätige Private-Equity-Häuser zu seinen Kunden zählt. Zwar würden deren Investitionsentscheidungen grundsätzlich auf der Basis von Wirtschaftlichkeitsüberlegungen gefällt. Lahrkamp warnte allerdings davor, den langfristigen Einfluß eines negativen Deutschland-Bildes auf diese Entscheidungsfindung zu unterschätzen. Seine Kunden würden zudem vorsichtiger, wenn hinter solchen Debatten die Regierung stehe. "Wenn die Rahmenbedingungen in Deutschland nicht gut sind, werden die Investoren Chancen in anderen Regionen wahrnehmen", sagte Lahrkamp.

Die Kapitalismus-Debatte in Deutschland ist von den großen amerikanischen Medien bisher weitgehend ignoriert worden. In Deutschland engagierte amerikanische Beteiligungsgesellschaften beobachten die deutsche Debatte allerdings sehr genau. "Wir sind enttäuscht, weil das Wirtschaftswachstum eine der größten Herausforderungen in Deutschland ist", heißt es bei einer großen Gesellschaft in New York. An einer öffentlichen Auseinandersetzung wollen Vertreter des Unternehmens aber nicht teilnehmen, weil sie die Debatte für politisch motiviert halten. "Die Diskussion unterminiert die Reformanstrengungen der deutschen Regierung", ist in einem anderen Private-Equity-Haus zu hören.

Droege-Berater Lahrkamp betont, daß Beteiligungsgesellschaften die Führung übernommener Unternehmen professionalisieren und zu größerem wirtschaftlichen Erfolg führen wollen. Das helfe letztlich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. "Unter dem Aspekt, daß Bundesregierung und Länder jährlich Milliarden für Wirtschaftsförderung ausgeben, um ausländische Investoren nach Deutschland zu holen, sind die derzeitigen Aussagen nur schwer zu verstehen."

Quelle: nks., F.A.Z., 06.05.2005, Nr. 104 / Seite 12
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Facebook vergrätzt seine besten Freunde

Von Patrick Bernau

Es mag rechtlich in Ordnung gewesen sein, wie sich Facebook beim Börsengang verhalten hat. Der Ruf der Firma hat allerdings enorm gelitten. Es ist das Bild eines gierigen Konzerns entstanden, der nicht nur seine Nutzer ausquetschen will, sondern auch die Aktionäre. Mehr 10 11

24.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.315,89 +0,48%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.379,22 +0,19%
Dow Jones 12.529,80 +0,27%
EUR/USD 1,2534 +0,01%
Rohöl Brent Crude 106,62 $ −0,12%
Gold 1.568,50 $ +1,26%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.