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Jürgen Großmann Der den Stahl liebt

21.02.2007 ·  Jürgen Großmann übernimmt im Februar 2008 die Geschicke bei RWE. Der Manager verfügt über Risikofreude und ein beachtliches Ego: Selbst wenn eine Aufgabe ansteht, für die er bisher eher nicht in Betracht gezogen wurde.

Von Wolfgang Helmer
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Große Selbstzweifel dürften Jürgen Großmann, so ist zu vermuten, nicht plagen. Selbst wenn eine Aufgabe ansteht, für die er bisher eher nicht in Betracht gezogen wurde. Einerseits ist Großmanns bisheriger Werdegang vom Stahl geprägt. Andererseits bewies er Risikofreude sowie Vielseitigkeit, und nicht zuletzt verfügt der mehr als zwei Meter große und gewiss nicht überschlanke Mann über ein beachtliches Ego.

Großmann, 1952 in Mülheim geboren, der schon als Kind von seinem Vater in ein Stahlwerk in Bochum mitgenommen wurde, wollte immer im Metier bleiben, zudem möglichst Vorstand in einem Stahlkonzern werden, was sein Vater nicht geschafft hatte, obgleich der nach dem Bekunden des Filius mehr draufhatte als manche Stahlvorstände.

Blitzgescheit und eloquent

Großmann, blitzgescheit und eloquent, brauchte dann nach dem Studium der Eisenhüttenkunde in Deutschland und Amerika, jeweils mit einem akademischen Abschluss, nach dem Eintritt in den Klöckner-Konzern gerade neun Jahre bis zum Sprung in den Vorstand der Klöckner-Werke AG. Doch Anfang der neunziger Jahre gerieten die Stahlindustrie in die Krise und Klöckner in die Insolvenz. Zum Konzernbestand gehörte ein Stahlwerk in Georgsmarienhütte bei Osnabrück, das geschlossen werden sollte. Das Werk, das Großmann gut kannte, war über die Jahre vom Konzern schwer vernachlässigt worden und schien ein aussichtsloser Fall.

Großmann indes sah das anders. Er, der gelegentlich pathetische Worte nicht scheut, sagt, er liebe Stahl und die Menschen, die ihn herstellen. Seine Entscheidung, das Werk 1993 für zwei Mark zu übernehmen, dürfte freilich nicht nur von Menschenliebe und unbezähmbarem unternehmerischen Willen beeinflusst worden sein, sondern ebenso von Hilfszusagen der Niedersächsischen Landesregierung, die den Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen verhindern wollte. Seine erste wichtige Entscheidung war, den herkömmlichen Hochofen durch den ersten in Deutschland installierten Gleichstrom-Elektroofen zu ersetzen.

Würstchen braten zur Motivation

Großmann, auch als Motivator von Führungskräften und Mitarbeitern - beim regelmäßigen Firmensamstag brät er schon einmal Würstchen - mit Erfolg unterwegs, brachte das Stahlwerk in kurzer Zeit in die Gewinnzone. Um das Kernunternehmen herum baute er in den Folgejahren eine Firmengruppe auf, die aus Stahl be- und verarbeitenden Unternehmen besteht. Viele konnte er, weil Sanierungsfälle, billig übernehmen. 43 Gesellschaften sind es heute, aufgeteilt in 13 Geschäftsbereiche mit einem Umsatz von deutlich mehr als zwei Milliarden Euro und stabiler Ertragslage.

Aber Großmanns unternehmerische Vita enthält nicht nur Ruhmestaten. Abermals ermuntert durch die Landesregierung in Hannover, engagierte sich Großmann mit anderen Investoren bei der Flugzeugwerft im niedersächsischen Lemwerder, die die Konzernmutter Daimler schließen wollte. Doch in den politisch-ökonomischen Turbulenzen des Luftfahrtgeschäfts blieb Großmann der Erfolg versagt, wenngleich das Engagement, sehr zum Unmut der dort Beschäftigten, für ihn ganz lukrativ endete.

Stahlunternehmer zu sein genügt dem Tat- und Genussmenschen nicht. In der Osnabrücker Altstadt unterhält er das Restaurant La Vie, das heute schon diverse gastronomische Auszeichnungen vorweisen kann und das er zum besten Restaurant im Norden machen will. Die Holding der Gruppe residiert in einer ansehnlichen Villa an der Hamburger Elbchaussee. Ein Weingut in Australien, diverse Jagdgebiete und Oldtimer dienen angemessener Freizeitgestaltung. Seine Kooperation mit der Landesregierung, ein Verhältnis auf Gegenseitigkeit, brachte ihm die Mitgliedschaft der Frogs (Friends of Gerhard) ein, die auch die Kanzlerschaft Schröders überdauerte. Ende vorigen Jahrs zog er sich aus der operativen Führung zurück. So hätte er jetzt Zeit für etwas ganz Neues.

Quelle: F.A.Z., 22.02.2007, Nr. 45 / Seite 14
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