Home
http://www.faz.net/-gqg-11kts
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Jetzt zwei Prozent EZB senkt abermals die Leitzinsen

 ·  Die EZB reagiert mit weiteren Leitzinssenkungen auf die sich immer weiter verdüsternden Wirtschaftsaussichten. Am Donnerstag reduzierte die Notenbank den Zins um einen halben Prozentpunkt auf zwei Prozent. Dieser Schritt war von den Fachleuten erwartet worden.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (1)

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für den Euroraum angesichts der schweren Wirtschaftskrise auf den niedrigsten Stand seit fünfeinhalb Jahren gesenkt. Die Währungshüter verringerten den Zinssatz um 50 Basispunkte auf 2 Prozent. Das teilte die EZB am Donnerstag nach der turnusmäßigen Sitzung des Rates am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. Zuletzt hatte der Leitzins im Juni 2003 bei 2 Prozent gelegen.

Anfang Dezember hatte die EZB die geldpolitischen Zügel schon deutlich um 0,75 Prozentpunkte gelockert, um die Konjunktur anzukurbeln. Nach der weiteren Verschlechterung der Wirtschaftsaussichten erwarteten fast alle Analysten einen weiteren Schritt, erklärten BayernLB und Commerzbank. Beide Banken rechnen bis zum Frühjahr sogar mit einen Leitzins im Euroraum von nur noch 1 Prozent.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat mit Blick auf weitere Zinsschritte für Februar eine Pause signalisiert. Er denke nicht, dass es schon im kommenden Monat wieder ein wichtiges Treffen geben werde, sagte Trichet am Donnerstag in Frankfurt. Im März lägen den Währungshütern dann neue Informationen und neue Projektionen vor.

In den Vereinigten Staaten und Japan ist das Zinsniveau nach eineinhalb Jahren Wirtschafts- und Finanzkrise mittlerweile bei praktisch null Prozent angekommen. In der vergangenen Woche hatte die Bank von England ihren Leitzins auf 1,5 Prozentpunkte gekappt - so niedrig war er noch nie in der mehr als 300-jährigen Geschichte der britischen Finanzinstitution.

Wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum frühestens Mitte 2010

Trichet hatte zuletzt ein eher pessimistisches Bild der Konjunktur gemalt. Er rechne erst 2010 mit einer leichten Erholung der Weltwirtschaft, sagte der Notenbanker nach Agenturberichten am Montag nach einem Treffen der Zentralbankgouverneure bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. 2009 dürfte die Wirtschaftsleistung in allen wichtigen industrialisierten Volkswirtschaften schrumpfen. Auch die Schwellenländer könnten sich diesem Trend nicht entziehen.

Langfristig dürften der kräftige Rückgang des Ölpreises, die Konjunkturprogramme zahlreicher Regierungen, die großen Zinssenkungen und die Liquiditätsspritzen der Zentralbanken aber positiv wirken, zeigte sich Trichet überzeugt. „Das sind Gründe, weshalb wir glauben, dass 2010 das Jahr der Erholung werden kann, einer signifikanten Erholung.“ Alle Maßnahmen zusammen hätten eine Kernschmelze der Märkte verhindert.

Deutschland - die stärkste Volkswirtschaft der Eurozone - wird in diesem Jahr nach Einschätzung von Konjunkturexperten in die stärkste Rezession in der Nachkriegsgeschichte stürzen. Nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamt ist die deutsche Wirtschaft bereits im vierten Quartal 2008 um 1,5 bis 2 Prozent geschrumpft. Der Start in 2009 dürfte Beobachtern zufolge entsprechend schwach ausfallen.

Amerikanische Wirtschaft mit schwachem Start ins Neue Jahr

Auch die amerikanische Wirtschaft, die ein wichtiger Exportmarkt insbesondere für Deutschland ist, ist schlecht ins Neue Jahr gestartet und die Aussichten bleiben düster. Das geht aus einem Bericht hervor, den die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) in Washington veröffentlichte. Die zwölf Regionalbanken der Fed meldeten für die letzten beiden Monate 2008 kräftige Rückgänge in allen Branchen vom Einzelhandel über die Fabrikproduktion bis hin zu Dienstleistungen und Immobilienmarkt.

„Die Wirtschaft ist mitten in einer schweren Rezession, die wohl wahrscheinlich noch mindestens zwei Quartale andauern wird“, sagte der Präsident der Fed-Regionalbank von Minneapolis, Gary Stern, in einer Rede. Viele Analysten rechnen mit einem Minus des Bruttoinlandsprodukts von ungefähr 6 Prozent im vierten Quartal 2008.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Protektionismus nach Brüsseler Art

Von Hendrik Kafsack, Brüssel

Die Europäische Kommission will Strafzölle auf Solarmodule aus China erheben. Zahlreiche Unternehmen warnen vor der Reaktion Chinas. Davon darf sich die EU nicht beeinflussen lassen – trotzdem sollten die Mitgliedsstaaten alles daran setzten, die Kommission von ihren Plänen abzubringen. Mehr 29 13

Wichtigste Werte
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --