Home
http://www.faz.net/-gqe-75442
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Jeroen Dijsselbloem Die steile Karriere des neuen Eurogruppen-Chefs

Der Finanzminister der Niederlande soll neuer Chef der Eurogruppe werden, also der Finanzminister der Eurozone. Dabei ist er erst seit Anfang November in seiner Heimat im Amt. Sein Name steht für einen harten Sparkurs.

© dpa Vergrößern Jeroen Dijsselbloem (links) im Gespräch mit Europa-Kommissar Janusz Lewandowski.

Elf Monate war Herman Van Rompuy als belgischer Ministerpräsident im Amt, als ihn die Staats- und Regierungschefs im November 2009 das Amt des ersten EU-Ratsvorsitzenden antrugen. Bei Jeroen Dijsselbloem dürfte der europäische Ritterschlag schneller gehen. Erst seit Anfang November ist der 46 Jahre alte Niederländer Finanzminister in Den Haag. Dennoch hat er sich im Kreis seiner Amtskollegen in der Euro-Gruppe schon einen so guten Ruf erworben, dass er in Kürze die Nachfolge des luxemburgischen Vorsitzenden Jean-Claude Juncker als Chef der Eurogruppe antreten dürfte

Michael Stabenow Folgen:  

Zugunsten des Sozialdemokraten, Nachfolger des im Kreis der EU-Finanzminister geschätzten Christlichen Demokraten Jan Kees de Jager, hat wohl auch die Herkunft beigetragen. Auch wenn die niederländische Wirtschaft zuletzt in schwereres Fahrwasser geraten ist, stehen Land und Regierung für einen soliden Kurs. Dijsselbloem, enger Vertrauter des sozialdemokratischen Spitzenmanns Diederik Samson und wie dieser zum Zirkel der „roten Ingenieure“ der Partei gerechnet, war maßgeblich an der raschen Aushandlung der Haager Koalitionsvereinbarung mit den Rechtsliberalen von Ministerpräsident Mark Rutte beteiligt.

Der Name bürgt für einen resoluten Sparkurs

Der Name Dijsselbloem bürgt für einen resoluten Sparkurs - auch um den für Sozialdemokraten hohen Preis weitreichender Arbeitsmarktreformen oder eines höheren Renteneintrittsalters. Schon bei seinem Amtsantritt hatte Dijsselbloem angekündigt, er werde gegenüber dem Eurosorgenkind die gleiche „konsistente Linie“ wie sein Vorgänger de Jager verfolgen und bei der Haushaltsdisziplin „knallhart“ auftreten. Das brachte ihm nicht nur Sympathien beim liberalen Koalitionspartner ein, sondern sorgte auch in Berlin und manchen anderen Hauptstädten für Erleichterung.

Dass er sich bei seinen Auftritten im Kreis von Europas Finanzministers gleichermaßen sprachlich - in makellosem Englisch - wie auch inhaltlich klar auszudrücken vermag, könnte dem aus Eindhoven stammenden Dijsselbloem jetzt zugute kommen.

Mehr zum Thema

Der studierte Agrarökonom gilt in seiner Heimat als harter Arbeiter. Im Haager Parlament, in das er erstmals im Jahr 2000 gewählt wurde, waren seine Hauptthemen lange die Gesellschafts- und Bildungspolitik. Dijsselbloem steht im Ruf, nicht nur ein ernsthafter, sondern auch ein humorloser Politiker zu sein. „Entspann’ dich und lach’ mal“ soll der Inhalt einer SMS-Botschaft gelautet haben, die ihm der frühere sozialdemokratische Finanzminister Wouter Bos nach einem Fernsehauftritt geschickt hat. „Wenn ich über ernsthafte Themen spreche, dann blicke ich auch ernst drein“, soll Dijsselbloem gesagt haben.

Dass er aber durchaus, wenn auch weniger als sein Luxemburger Vorgänger an der Spitze der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, Sinn für Ironie hat, bewies er am vergangenen Donnerstag, als er von einer Reporterin des niederländischen Hörfunksenders BNR auf die mögliche Juncker-Nachfolge und die Liste mit möglichen Anwärtern angesprochen wurde. Dijsselbloem antwortet mit trockenem Humor: „Man muss sich eher Sorgen machen, wenn sein Name nicht auf der Liste steht - als wenn er draufsteht.“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eurogruppen-Chef Dijsselbloem Griechenland soll sich gegenüber Deutschland im Ton mäßigen

Deutschland scheint das Lieblingsopfer der griechischen Regierung zu sein – sagt Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. Damit müsse nun Schluss sein. Griechenlands Ministerpräsident Tsipras spricht dagegen von Missverständnissen. Mehr

13.03.2015, 13:37 Uhr | Wirtschaft
Nach Parlamentswahl EU will mit Griechen zusammenarbeiten

Nach dem Wahlsieg des linken Bündnisses Syriza in Griechenland hat der EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker erklärt, er sei zu einer Zusammenarbeit mit der neuen griechischen Regierung bereit. Der Vorsitzende der Euro-Gruppe Jeroen Dijsselbloem betonte, dass die Griechen sich dabei an Abmachungen halten müssen. Mehr

26.01.2015, 16:25 Uhr | Politik
Neuer Gesetzentwurf Griechenland stoppt Privatisierungsprogramm

Die Privatisierung war zentraler Bestandteil der Vereinbarungen zwischen Griechenlands Gläubigern und den früheren Regierungen, sie sollte Milliarden in die leere Staatskasse bringen. Doch Ministerpräsident Tsipras will sogar noch mehr staatlichen Einfluss auf die Wirtschaft. Mehr

13.03.2015, 22:06 Uhr | Wirtschaft
Oettinger bekommt Digitalwirtschaft Parlament stimmt für Junckers EU-Kommission

Mit Juncker steht erstmals ein Präsident der Brüsseler Behörde vor, der als Spitzenkandidat bei einer Europawahl angetreten war. Der Deutsche Günther Oettinger, der bisher als Energiekommissar tätig war, wird für die Digitalwirtschaft zuständig sein. Mehr

22.10.2014, 16:16 Uhr | Politik
Entspannung nach EU-Gipfel Griechenland verspricht rasche Reformen

Im Schuldenkonflikt sind Griechenland und die europäischen Partner bei ihrem Spitzentreffen in Brüssel um Versöhnung bemüht. Athen will schnell neue Reformpläne vorlegen. Doch dem Land fehlen Zeit und Geld. Mehr

20.03.2015, 04:34 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.12.2012, 07:25 Uhr

Facebooks Geschichte wiederholt sich

Von Patrick Bernau

Facebook wertet seinen Messenger auf: Der Konzern erobert die Smartphones. Das zeigt: Facebook kann seine Macht vervielfältigen. Mehr 3 10


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutsche Bildungsbürger scheuen Facebook & Co.

Deutschland ist so ziemlich das einzige Land in Europa, in dem ungebildete Leute in sozialen Netzwerken präsenter sind als gebildete. Mehr 15

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden