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IWF-Nachfolge Im Interesse Europas für Carstens stimmen

 ·  Wer bei der Lösung der griechischen Schuldenkrise auf den IWF setzt, muss für den mexikanischen Notenbankgouverneur Augustín Carstens und nicht für Christine Lagarde stimmen. Ein Beitrag von Kurt Lauk, Präsident des CDU-Wirtschaftsrates.

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Schon wieder positionieren wir Deutschen uns strategisch falsch. Wir laufen Gefahr, die rückwärtsgewandte Struktur des Internationalen Währungsfonds (IWF) für weitere fünf Jahre zu unterstützen, statt uns an die Seite der Modernisierer zu stellen. Die wirtschaftlichen Gewichte in der Welt verschieben sich zugunsten Asiens und Lateinamerikas. Das muss sich jetzt auch im IWF widerspiegeln.

Sonst wächst das Risiko, dass sich die aufstrebenden Staaten beider Regionen abermals dem IWF entfremden. Dabei ist der Währungsfonds wichtiger denn je. Wir werden ihn bei der anstehenden Bekämpfung der japanischen Schuldenkrise brauchen, die durch die demographische Implosion des Landes nur noch beschleunigt werden wird. China wird ihn am Ende des Booms ebenso brauchen. Und er ist unabdingbar bei der anhaltenden Euro-Krise.

Loyalitätskonflikte sind programmiert

Gerade die Schuldenproblematik in Griechenland und anderen Eurostaaten verlangt nach einem Geschäftsführenden Direktor, der eben nicht selbst aus dieser Region kommt. Er - oder sie - wäre in höchstem Maße mit Loyalitätskonflikten belastet, wenn es um die konkrete Hilfe für Europa geht. Zudem brauchen wir den IWF als wirtschaftspolitische Stimme der Vernunft, um uns Europäern die Leviten zu lesen. Unsere monetäre und fiskalische Regulierung funktioniert nicht. Unsere Sanktionsmechanismen sind zu schwach. So sind es ausschließlich strukturelle Gründe, die objektiv nur zu einer Erkenntnis führen können: Ein Kandidat aus den Schwellenländern muss neuer Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds werden. Das ist keinesfalls ein Votum gegen die Position der französischen Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde, die von den europäischen Regierungen unterstützt wird und allgemein als Favoritin für die Wahl an diesem Donnerstag gilt.

Ganz im Gegenteil: Sie hat ihre Stimme in der europäischen Krise gut erhoben. Sie ist wichtig für die Koordination der europäischen Reaktion auf die griechische Schuldenkrise. Aber sie ist auch Teil des europäischen Lösungsteams, das bislang keine Lösung gefunden hat. Die Juristin kommt mit Ballast zur Wahl nach Washington.

Klares Signal der Kooperationsbereitschaft

Ein Kandidat der Schwellenländer hingegen hätte nicht nur eine hohe Glaubwürdigkeit in den Regionen, die immer noch das Kerngeschäft des IWF ausmachen. Sondern er wäre auch ein klares Signal der Kooperationsbereitschaft der Industrieländer zur verstärkten Einbindung der aufstrebenden Wirtschaftsnationen in diese wichtige internationale Organisation. Wenn der Kandidat zudem wie Augustín Carstens - ein Ökonom - durch seine berufliche Laufbahn nicht nur den IWF bestens kennt, sondern auch Stehvermögen bei schwierigen Finanz- und Wirtschaftsreformen (Mexikos Staatsverschuldung beträgt nur 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) bewiesen hat, sind alle Voraussetzungen für eine optimale Besetzung erfüllt.

Es geht deshalb bei dieser Neubesetzung der IWF-Spitze weit weniger um den Punkt, wer der persönlich bessere Kandidat ist. Sondern es geht um die entscheidende Strukturfrage: Sind die Industrieländer bereit, dem wachsenden Gewicht der Schwellenländer jetzt Rechnung zu tragen und sie damit fest in die internationale Verantwortungsgemeinschaft einzubinden? Vor allem in unserem klug verstandenen nationalen und europäischen Interesse muss die Antwort „ja“ heißen. So paradox es auf den ersten Blick anmuten mag: Wer weiter auf die aktive Hilfe des IWFs bei der Lösung der griechischen Schuldenkrise setzt, muss für den mexikanischen Notenbankgouverneur Augustín Carstens stimmen. Noch hat Deutschland ein paar Tage, sich auf die Seite der Modernisierer zu stellen. Die Regierung sollte sie nutzen.

Kurt Lauk ist Präsident des Wirtschaftsrates der CDU e.V.

Quelle: F.A.Z.
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