26.02.2010 · Der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, hat seine Vision des IWF für das 21. Jahrhundert vorgestellt. Auf lange Sicht schließt er nicht aus, dass der IWF als eine Art Weltzentralbank agiere.
Von Patrick Welter, WashingtonDer Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, hat die Vision eines "IWF für das 21. Jahrhundert" vorgestellt. Auf lange Sicht schließt er nicht aus, dass der IWF als eine Art Weltzentralbank agiere. "Eines Tages mag der Fonds vielleicht sogar aufgerufen werden, ein neues globales Reserve-Asset bereitzustellen, ähnlich den, aber in wichtigen Punkten unterschiedlich von den Sonderziehungsrechten", sagte Strauss-Kahn in Washington nach Redetext vor dem Bretton-Woods-Ausschuss. Dieser Tag sei noch nicht gekommen, sagte Strauss-Kahn. Er halte es aber für "intellektuell gesund", solche Ideen jetzt zu erörtern.
Strauss-Kahn sagte, das Weltwährungssystem habe seine Widerstandskraft während der Krise bewiesen und der Dollar habe seine Rolle als sicherer Hafen gespielt. Zugleich aber wirbt der IWF-Direktor indirekt dafür, dass die Länder ihre Reserven nicht mehr weitgehend in Dollar halten. Die Existenz mehrerer Anbieter von Reserve-Assets verringere das Ausmaß, in dem das Währungssystem von der Politik und den Bedingungen eines einzigen, wenn auch dominanten Landes abhingen, erklärte Strauss-Kahn.
In einem Überblickspapier des Fonds über Optionen für ein neues IWF-Mandat heißt es, die Finanzkrise habe die sehr hohe Nachfrage von Schwellenländern nach Währungsreserven gezeigt. Es gebe aber nur wenige Anbieter von Reserven. Diese Lücke zu schließen, sieht der Fonds als eine mögliche Aufgabe für sich. Der Fonds strebt an, die Diversifikation der Währungsreserven in geordnete Bahnen zu lenken. Er erinnert an die lange Zeit unbeachtete Vorschrift in seinen Statuten, nach denen der Fonds und die Mitgliedstaaten die Sonderziehungsrechte zum wichtigsten Reserve-Asset entwickeln sollten. Dies sei eine mögliche langfristige Lösung hin zu einem stabileren globalen Reservesystem, heißt es. Als eine sehr langfristige Reformoption nennt der Fonds ein Weltgeld. Sonderziehungsrechte sind keine Währung, sondern das Recht, frei handelbare Währungen im Fall von Zahlungsbilanzungleichgewichten beim Fonds abzurufen.
Für die nähere Zukunft erwägt der IWF in direkter Konkurrenz zu großen Notenbanken eine neue multilaterale Kreditlinie. Der Fonds will die Kreditlinie im Fall einer systemischen Finanzkrise Ländergruppen zugleich vorbeugend zusprechen und so verhindern, dass sie das Vertrauen der Anleger verlieren. Strauss-Kahn sieht eine solche Kreditlinie als internationalen Ersatz für die Währungstauschgeschäfte, mit denen etwa die amerikanische Federal Reserve in der jüngsten Krise Schwellenländern wie Brasilien, Mexiko oder Südkorea Dollarliquidität verschafft hatte. Nach Angaben eines hochrangigen Vertreters benötigt der Fonds für diese Kreditlinie keine neuen Finanzmittel. Die Idee ist unter den IWF-Anteilseignern umstritten. Bei weitem größter Anteilseigner des Fonds sind die Vereinigten Staaten, mittelhohe Anteile und damit Stimmrechte haben China, Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
Mit den Reformideen will der IWF die Debatte über eine Neufassung seines Mandats anstoßen. Der Fonds muss dazu bis Herbst für seinen Lenkungsausschuss einen Bericht erstellen. Strauss-Kahn geht es in Übereinstimmung mit Ideen der G-20-Gruppe auch darum, die Überwachung der Wirtschaftspolitik durch den Fonds von einzelnen Ländern stärker auf die Interdependenzen zwischen den Ländern zu lenken. Auch solle der Fonds in der Überwachung der Finanzmärkte tätig sein. Dazu wünscht der IWF Zugriff auf detaillierte Daten großer Banken und Finanzinstitute. Der Fonds müsse zudem die internationalen Kapitalströme mehr in den Blick nehmen und Empfehlungen geben, wann Kapitalverkehrskontrollen angemessen seien, erklärte Strauss-Kahn. Zudem will er den ärmeren Mitgliedstaaten bei der Bewältigung der makroökonomischen Folgen des Klimawandels helfen. Dem Fonds stünden derzeit mehr als 850 Milliarden Dollar zur Verfügung, sagte Strauss-Kahn. "Das sollte für die kommende Zeit reichen."
| Name | Kurs | Prozent |
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| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
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