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Integration von Asylbewerbern : „Ich brauche diese Leute“

Es gibt auch Unternehmer, die gezielt Flüchtlinge einstellen wollen. Bild: dpa

Mit seiner Firma will der Unternehmer Florian Kuhn Flüchtlingen bei der Integration in den Arbeitsmarkt helfen. Dabei macht er schlechte, aber vor allem gute Erfahrungen.

          Herr Kuhn, Sie nehmen als Inhaber der Kuhn Elektro-Technik aus München am bayerischen Modellprojekt Ida zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt teil. Warum tun Sie das?

          Sven Astheimer

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Das ist in unserem Unternehmen nichts Neues. Meine Eltern haben 1998 den ersten Flüchtling beschäftigt, einen Äthiopier. Der Kontakt war damals über die Kirche entstanden. Er arbeitet heute noch bei uns. Seitdem haben wir rund ein Dutzend Flüchtlinge ausgebildet. Die Hälfte von ihnen ist noch da.

          Würden Sie von sozialem Engagement sprechen?

          Das spielt auch eine Rolle. Aber in erster Linie sind wir ein Unternehmen, und ich brauche diese Leute. Seit zehn Jahren wird die Lage am Arbeitsmarkt für Bauelektriker zunehmend schwierig. Der Arbeitsmarkt saugt diese Menschen auf wie ein trockener Schwamm das Wasser.

          Ist die Arbeit mit Flüchtlingen generell schwieriger als mit anderen Gruppen?

          Florian Kuhn, 37 Jahre alt, Geschäftsführer von Kuhn Elektro-Technik
          Florian Kuhn, 37 Jahre alt, Geschäftsführer von Kuhn Elektro-Technik : Bild: Kuhn Elektro-Technik

          Nein, im Gegenteil. Wir haben es auch schon mit ehemaligen Drogenabhängigen oder Inhaftierten versucht, aber geklappt hat es nur mit Flüchtlingen. Wer hierher kommt, eine Sprache lernt und eine Ausbildung abschließt, der leistet schon was. Es kommen wirklich schwierigere Gruppen zu uns als Flüchtlinge. Und wenn die Integration klappt, ist die Loyalität bei Flüchtlingen sehr hoch – das kann man für Geld nicht kaufen.

          Wie oft funktioniert es?

          Früher hatten wir eine Erfolgsquote von 100 Prozent, jetzt sind es nur noch 50. Wir hatten zum Beispiel jemanden aus dem Irak. Er war traumatisiert, was wir nicht wussten. Das trat erst unter Stress hervor. Die Person brauchte ärztliche Hilfe. Aber ich stelle auch teilweise einen Mentalitätswandel fest. Bei einigen fehlt mir heute die Einsicht. Die verstehen gar nicht, was sie hier für eine Riesenchance haben, in einem sicheren Land eine Ausbildung machen zu können. Am Anfang braucht es vor allem Disziplin und Zuverlässigkeit. Den Rest bringen wir den Menschen bei. Aber einige haben sich das leichter vorgestellt.

          Wie viel Anpassung an die Flüchtlinge ist im Betrieb nötig?

          Keine. Wir machen keine Ausnahmen. Bei uns gilt: Bist du Lehrling, bist du Lehrling. Die Menschen freuen sich auch, wenn sie 40 Stunden in der Woche mal kein Flüchtling sind. Und unsere Mitarbeiter müssen für die Flüchtlinge ein bisschen Verständnis wegen der mangelnden Sprachkenntnisse aufbringen, sonst nichts. Da machen mir einheimische Mitarbeiter oft mehr Probleme.

          Wie wichtig ist die Sprache?

          Die ist entscheidend. Am Bau muss man unter Stress und teilweise großem Lärm kommunizieren. Ich habe insgesamt viele Migranten unter meinen hundert Mitarbeitern, einige sprechen nicht gut Deutsch. Ich wollte deshalb Sprachkurse organisieren, aber ich finde keine Deutschlehrer. Der Markt ist aber leergefegt.

          Andere Kulturen können Sie also problemlos integrieren?

          Der Ramadan unter Muslimen ist am Bau schon ein Problem, denn die Arbeit kann körperlich sehr anstrengend sein. Ich hatte auch mal einen sehr guten Mitarbeiter aus Somalia. Der hat irgendwann gekündigt, weil er es freitags nicht pünktlich zum Gebet geschafft hat.

          Quelle: F.A.Z.

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