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Interne E-Mails über Zins-Manipulation : „Heute also wieder handgemachte Libors!“

  • Aktualisiert am

Die Rabobank in Utrecht Bild: REUTERS

Die Rabobank war an der Manipulation der Libor-Zinssätze beteiligt. Interne E-Mails zeigen, wie Mitarbeiter über Zinssatzmanipulation witzelten und einander beteuerten, dass sie weniger schlimm seien als andere.

          Das amerikanische Justizministerium zitiert interne E-Mails bei der Rabobank, die zeigen, dass Mitarbeiter über Zinssatzmanipulation witzelten. Die Kommunikation zwischen Händlern, Zinssatz-Übermittlern und einem Vermögensverwalter in London war durchzogen von Scherzen und Bitten, die Sätze in Abhängigkeit von Positionen der Händler zu erhöhen oder zu senken. Das geht aus einem Dokument hervor, das am Dienstag beim Bundesgericht in Hartford, Connecticut,• Deutschland ist ein großer Target-Gewinner eingereicht wurde.

          „Keine Sorge, Freunde, es gibt größere Gauner auf dem Markt als uns”, schrieb der Übermittler des Yen-Libor bei der Rabobank, der dort „Submitter-4” genannt wird, in einer E-Mail vom 21. September 2007, nachdem er zugestimmt hatte, den Yen- Tagessatz um einen Prozentpunkt anzuheben.

          Die 1898 gegründete Rabobank war zur Zahlung von 774 Millionen Euro verurteilt worden, weil sie an der Manipulation von Zinssätzen beteiligt war. Die Bank hatte zugegeben, dass Zins- Übermittler in London und Utrecht seit 2005 mindestens fünf Jahre lang routinemäßig Gesuche von Händlern entgegengenommen hatten, die die Sätze für Euribor und Libor für den Dollar, den Yen und das Pfund festgesetzt haben wollten, so das Dokument.

          Mittlere Rabobank-Manager, etwa der weltweite Leiter Liquidity and Finance in London, wussten von den internen Manipulationen und beteiligten sich an ihnen, geht aus dem Dokument hervor. „Das Ausmaß des Fehlverhaltens hat uns schon betroffen gemacht”, sagte Mythili Raman vom Justizministerium in einem Interview. Die Untersuchung habe ergeben, dass es sowohl interne als auch externe Absprachen zur Manipulation von Sätzen gegeben habe, und dass Swap-Händler bedeutenden Einfluss auf den Prozess der Libor-Festsetzung gehabt hätten. „Bei dieser und bei anderen Untersuchungen haben wir festgestellt, dass es Fehlverhalten in Banken gibt, auf das man größeres Augenmerk richten muss”, so Raman. „Sie sollten beachten, dass wir aufmerksam sind, und dass noch mehr kommt”

          Raman zufolge führt die Abteilung Untersuchungen gegen weitere Personen durch, die am Dienstag noch nicht beschuldigt wurden.

          „Unethisch, aber es hilft, Freunde zu haben“

          Die Dokumente legen zudem dar, wie bestimmte Einreichungen von Rabobank an bestimmten Tagen die weltweiten Zinssätze um zwei bis drei Basispunkte beeinflusst haben. Ein Rabobank-Händler erklärte gegenüber einem Yen- Übermittler, dass Marktteilnehmer miteinander über die Änderung von Sätzen sprächen. Der Übermittler schrieb: „Ich habe immer gefragt, ob jemand einen Gefallen braucht und umgekehrt. Etwas unethisch, aber es hilft, im Markt Freunde zu haben.”

          Am 28. Juli 2006 diskutierten ein Rabobank-Händler und ein Zinssatz-Übermittler über die Anhebung der Ein-Monats-Sätze. Innerhalb von 20 Minuten informierte der Übermittler einen Händler bei einer anderen Bank über die geplante Manipulation. Der Händler der anderen Bank antwortete: „O je, meine armen Kunden... hehehe!! Heute also wieder handgemachte Libors!!!!” Die Zinssatz-Einreichungen von Rabobank und der anderen Bank, die in den Dokumenten nicht namentlich genannt wird, stiegen an dem Tag um einen Basispunkt, von 0,37 auf 0,38. Diese waren die zweithöchsten an dem Tag, so das Dokument.

          Rabobank mit Sitz im niederländischen Utrecht wurde von der U.S. Commodity Futures Trading Commission, dem Justizministerium, der britischen Financial Conduct Authority und der niederländischen Staatsanwaltschaft zu einer Geldstrafe verurteilt, teilten die Behörden am Dienstag mit. Mit der Geldstrafe beläuft sich der Beilegung der Untersuchungen zu Zinsmanipulationen auf insgesamt 3,7 Mrd. Dollar. Rabobank habe eine Vereinbarung mit dem Justizministerium getroffen, bei der sie die Verantwortung für Libor- und Euribor- Manipulationen übernehme, teilten die Vereinigten Staaten mit.

          Im Rahmen der Vereinbarung wurde eine Anklage wegen Computerbetrugs erhoben, die nach zwei Jahren fallen gelassen wird, wenn die Bank die Bedingungen der Vereinbarung erfüllt. 30 derzeitige und ehemalige Mitarbeiter der niederländischen Bank waren an den Manipulationen beteiligt, sagte Rabobank-Vorstandsmitglied Sipko Schat am Dienstag. Fünf davon seien entlassen worden. „Das Ausmaß hat uns erschreckt, denn es war größer als wir erwartet hatten, wenn man bedenkt, dass die Behörden keine Verstrickung des Vorstands oder von leitenden Managern gefunden haben”, sagte Schat. „Die Behörden werfen uns auch vor, dass unsere interne Organisation nicht adäquat aufgestellt war, weil es an Regelungen zum Libor fehlte.”

          Quelle: BLOOM

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