23.06.2008 · Den Ölhahn aufdrehen und schon sinken die Preise - so hatten sich das Optimisten ausgemalt, nachdem Saudi-Arabien versprochen hatte, seine Fördermengen auszuweiten. Doch der Ölpreis stieg am Montag munter weiter. Ein französisches Institut hält nun gar einen Preis von 300 Dollar für möglich.
Trotz der Zusage Saudi-Arabiens, die Fördermenge zu erhöhen, ist der Ölpreis weiter gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) Leichtöl kostete im elektronischen Handel der New Yorker Börse in Singapur am Montag zeitweise 136,65 Dollar und lag damit 1,29 Dollar über dem Schlusskurs von Freitag.
Angesichts der weltweiten Sorge über den hohen Ölpreis hatte Saudi-Arabien während eines Treffens am Wochenende in Dschidda erklärt, die für Juli bereits zugesagte höhere Fördermenge von 9,7 Millionen Barrel pro Tag könnte noch ausgeweitet werden, wenn es dafür eine entsprechende Nachfrage gebe. In Dschidda waren am Sonntag Vertreter von Förder- und Verbraucherstaaten zusammengekommen, um über den ungebremsten Ölpreis-Anstieg zu beraten.
Französisches Institut: Ölpreis von 300 Dollar möglich
Analysten zufolge brachte das Treffen zwar Klarheit über die noch offenen Kapazitäten der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC), andere Faktoren wirkten sich aber stärker auf den Preis aus. So trieben die Sorge um die nach Angriffen von Rebellen eingebrochene Ölproduktion in Nigeria und die Spannungen zwischen Israel und dem Iran den Preis weiter nach oben. Auch das für die Versorgung in Europa wichtige Nordseeöl der Sorte Brent legte am Montag zu: Der Preis stieg um 1,57 Dollar auf zwischenzeitlich 136,43 Dollar je Barrel.
Bis zum Jahr 2015 könnte der Ölpreis nach Einschätzung des französischen Ölinstituts IFP gar auf 300 Dollar (gut 192 Euro) pro Fass steigen. „Das ist nicht ausgeschlossen“, sagte IFP-Chef Olivier Appert am Sonntagabend im Sender France Inter. „Niemand sollte darauf wetten, dass die Preise fallen.“ Die Lage auf den Ölmärkten sei „grundsätzlich angespannt, mit einem Angebot, das Schwierigkeiten hat, der Nachfrage zu folgen.“ Preise von 200 Dollar pro Fass seien deshalb aus seiner Sicht möglich, aber selbst 300 Dollar nicht auszuschließen. „Folglich ist es wünschenswert, sich darauf vorzubereiten“, sagte Appert: „Aber vor allem müssen wir alles daran setzen, dass dieses Szenario nicht eintritt.“
Glos: Der Ölhahn ist kein Wasserhahn
Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) sieht die nach dem Öl-Gipfel erneut gestiegenen Rohölpreise auch weiterhin maßgeblich getrieben von Spekulanten. Es zeige sich, dass der Preis keine Frage des Angebots ist, sagte eine MWV-Sprecherin am Montag in Hamburg. An den Finanzmärkten werde den Absichtserklärungen, mehr Öl fördern zu wollen offensichtlich wenig Glauben geschenkt, ergänzte die Sprecherin. Spekuliert wird, dass es aufgrund weltweit steigender Nachfrage nach fossilen Brennstoffen zu einer Verknappung des Angebots kommt.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hatte schon zuvor gesagt, er erwarte von der Steigerung der Erdölförderung, die beim Krisengipfel in Dschidda zugesagt worden ist, keine direkte Entspannung beim Ölpreis. Glos sagte im ARD-Morgenmagazin, er glaube nicht, dass sehr rasch größere Mengen an Erdöl zur Verfügung stünden. Dazu sei in den vergangenen Jahren zu wenig in die Erschließung von Ölfeldern und in Raffinerien investiert worden. Öl und Gas blieben „auf Dauer ein knappes Gut“, sagte der CSU-Politiker und rief zum Energiesparen auf.
Mit dem Ölhahn sei es nicht so wie mit dem Wasserhahn, den man auf- und zudrehe, und die Wirkung sei sofort da. Wichtig sei, dass auf dem Gipfel in Saudi-Arabien am Sonntag der Dialog zwischen Förderländern und Verbraucherländern aufgenommen worden sei. Auch die Förderländer seien sich darüber im Klaren, dass es mit der Verschwendung von Öl ein Ende haben müsse. Die Förderländer hätten „gelobt, dass wir Energie sparen“.
Am Montag äußerte auch der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, seine Sorge bezüglich der hohen Ölpreise: „Die stark gestiegenen Ölpreise belasten offensichtlich zunehmend die deutsche Wirtschaft“, erklärte er im Zuge der Bekanntgabe des Ifo-Geschäftsklimaindex. Dieser war im Juni auf den tiefsten Stand seit Dezember 2005 gefallen (siehe dazu auch: Ifo-Index auf tiefstem Stand seit Dezember 2005).
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.374,62 | −1,40% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2453 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 104,72 $ | −1,99% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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