04.06.2009 · Der Sozialstaat ist komplex und funktioniert nicht. Umverteilung von der rechten in die linke Tasche ist üblich. Die mittleren Einkommen zahlen besonders hohe Abgaben. Alles unwahre Vorurteile! Das sagt zumindest eine neue Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft.
Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat den deutschen Sozialstaat gegen Kritik verteidigt. Obwohl das Zusammenspiel aus Steuern und Abgaben komplex und bisweilen ungeplant sei, verteile der Sozialstaat konsistent von hohen auf niedrige Einkommensgruppen um. Das Institut stellte am Donnerstag in Berlin eine Studie vor, nach der die 10 Prozent der Haushalte mit dem höchsten Markteinkommen den höchsten Finanzierungsbeitrag zum Sozialstaat leisten.
Nach Angaben des Instituts zahlten sie 2003 im Durchschnitt von etwa 10.000 Euro rund 4400 Euro Steuern und Sozialbeiträge und erhielten 269 Euro an monatlichen Transfers. Daraus ergibt sich ein Transfersaldo von minus 41 Prozent, der sich mit sinkendem Einkommen kontinuierlich verringert. Die 40 Prozent der Haushalte mit dem geringsten Einkommen erhielten jeweils einen Überschuss aus dem Sozialsystem, hat das IW berechnet.
Damit sei das Argument widerlegt, der Sozialstaat verteile von unten nach oben oder von der linken in die rechte Tasche, sagte Institutsdirektor Michael Hüther. Denn anders als erwartet fielen in den mittleren Einkommensschichten keinesfalls besonders hohe Abgabenlasten und Sozialtransfers an. „Mit steigendem Markteinkommen schmelzen die Transferbeträge, während die Abgabenlasten kontinuierlich zunehmen“, sagte er. Die Untersuchung ergab, dass die 30 Prozent einkommensstärksten Haushalte mehr als die Hälfte der Sozialbeiträge zahlen; die obere Hälfte trage 90 Prozent des Einkommensteueraufkommens.
Schere hat sich geöffnet
Nach der Studie hat sich die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen weiter geöffnet. 1993 erwirtschafteten die Haushalte mit dem zweithöchsten Einkommen noch 19,5 Mal so viel wie die Gruppe mit dem zweitniedrigsten Einkommen. 1998 waren es 24,5 Mal, 2003 sogar 26,8 Mal so viel. Der Einfluss von Globalisierung und technischem Fortschritt sorge dafür, dass die Spreizung vor allem in der unteren Einkommensgruppe stattfinde, sagte Hüther. Durch die Umverteilung werde die Schere aber in zunehmendem Maße wieder geschlossen. Nach Steuern, Abgaben und Transfers verringerte sich der Abstand 2003 auf das 2,63-fache (1998: 2,79; 1993: 2,69). „Die staatliche Umverteilung schließt die Kluft zwischen Markteinkommen nahezu vollständig“, erklärte Hüther.
Dem widersprach Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Lege man andere Daten zugrunde, falle das Ausmaß der Umverteilung geringer aus. Die vom IW verwendete Einkommens- und Verbrauchsstichprobe entspreche nicht den wissenschaftlichen Standards für Verteilungsanalysen, bemängelte Grabka.
Das DIW hat Armutsrisikoquoten vor und nach Transfers berechnet. 1997 sei es noch gelungen, die Quote derjenigen, die weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens beziehen, durch Umverteilung von 21,5 Prozent auf 12,3 Prozent zu senken. 2005 sei sie nur noch von 25,2 auf 18,3 Prozent gesunken.
Zwei konkrete Beispiele aus dem Steuerberateralltag
Christoph Anschütz (Anschuetz)
- 04.06.2009, 19:57 Uhr
IW rechnet richtig-DIW betrachtet etwas,von dem gar keine Rede war
Alex Merck (AlexM3)
- 04.06.2009, 21:24 Uhr
Statistiklüge
Hartmud Ose (hwarang)
- 04.06.2009, 21:33 Uhr
Definitionen
Holger Brankhorst (holger205)
- 05.06.2009, 13:05 Uhr
Die wissenschaftliche „Qualität“ der Arbeit des IW kann wohl
Lars Kuntermann (Leserlein)
- 05.06.2009, 16:31 Uhr
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