Home
http://www.faz.net/-gqg-135fp
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Dienstag, 14. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Insolvenzgeld und Pensionssicherung Milliardenlasten aus Solidarität

03.07.2009 ·  Wenn ein Unternehmen in die Insolvenz geht, sichert der Pensionssicherungsverein die betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter ab. Außerdem zahlt die Bundesagentur den Mitarbeitern ein Insolvenzgeld. Das wird jetzt in der Krise richtig teuer. Für die Beitragssätze heißt das nichts Gutes.

Von Kerstin Schwenn
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Die deutschen Unternehmen kommt die Wirtschaftskrise teuer zu stehen. Die zunehmende Zahl von Insolvenzen treibt sowohl die Beiträge für den Pensionssicherungsverein (PSV) als auch die Arbeitgeberumlage für das Insolvenzgeld in die Höhe. Der PSV sichert die betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter insolventer Unternehmen ab; mit dem Insolvenzgeld finanziert die Bundesagentur für Arbeit (BA) für drei Monate die Löhne der Mitarbeiter insolventer Betriebe.

Obwohl sich die Krise noch gar nicht in vollem Ausmaß niederschlägt, zeichnet sich schon eine spürbare zusätzliche Belastung der Wirtschaft ab: Der PSV-Vorstandsvorsitzende Martin Hoppenrath hat jetzt angekündigt, der Beitragssatz müsse im laufenden Jahr schon allein in Anbetracht der Schadensfälle im ersten Halbjahr von 0,18 auf 1,35 Prozent der Pensionsrückstellungen in der Bilanz steigen. Damit würde der Gesamtbeitrag der Mitglieder von 506 Millionen auf fast 3,8 Milliarden Euro steigen. Endgültig beschlossen wird der Beitragssatz für 2009 erst im November.

463 Insolvenzverfahren im ersten Halbjahr

Auch die Insolvenzgeldumlage, die die Arbeitgeber an die Bundesagentur zahlen, wird sich voraussichtlich verdoppeln, wie Vorstandsmitglied Heinrich Alt dieser Zeitung am Donnerstag in Berlin sagte: „Wir hatten 731 Millionen Euro für Insolvenzgeld in den Haushalt eingestellt; jetzt rechnen wir mit 1,5 Milliarden Euro. Also müsste sich die Umlage verdoppeln.“ Derzeit zahlen die Unternehmen 0,1 Prozent der Lohnsumme. Pessimisten fürchten sogar eine Verdreifachung der Umlage auf 0,3 Prozent. Auch hier fällt eine Entscheidung über den Satz für 2010 im Herbst.

Im ersten Halbjahr zählte der Pensionssicherungsverein 463 Insolvenzverfahren, fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor (261). Die daraus erwarteten Aufwendungen für die Betriebsrentner lägen bei knapp 3 Milliarden Euro - zu etwa einem Viertel verursacht durch die Arcandor- Insolvenz. Im ersten Halbjahr 2008 waren es nur 137 Millionen Euro gewesen. „Auch ohne die Arcandor-Insolvenz hätten wir im laufenden Jahr eine Häufung von größeren Schäden zu verzeichnen, wie sie seit Aufnahme des Geschäftsbetriebs im Jahr 1974 noch nie zu registrieren war“, berichtet der Verein.

Während Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, der zugleich PSV-Aufsichtsratsvorsitzender ist, betonte, der Verein stehe zu seinen Verpflichtungen, kommen aus den Unternehmen auch kritische Töne. So wurde auf der Mitgliederversammlung gefordert, der Verein müsse in der Sondersituation dieser Krise staatliche Unterstützung bekommen, etwa aus dem Konjunkturpaket. Im PSV sind die Lasten ungleich verteilt; sechs Prozent der Mitglieder müssen 90 Prozent der Beiträge aufbringen. Zu den zehn größten Einzahlern gehören die großen Automobilhersteller, die alle unter der Krise leiden. Auf sie wie auch etwa auf den Konzern Thyssen-Krupp kommen zusätzliche Belastungen in zweistelliger Millionenhöhe zu.

Opel soll keine Last sein

Opel soll den Pensionssicherungsverein nicht belasten. Jedenfalls sagt das der Vorsitzende des Betriebsrates. „Die Pensionslasten übernimmt der Käufer von Opel“, versprach Klaus Franz auf einer Veranstaltung des Frankfurter Presseclubs am Mittwochabend. Zuvor hatte es Berichte gegeben, nach denen der PSV und die Bundesregierung in Gespräche eingebunden seien, ob der PSV im Zuge des Opel-Verkaufs einen Teil der Lasten tragen könne. Insgesamt sollen die Pensionsverpflichtungen des Automobilherstellers 4 Milliarden Euro betragen.

(hap.)

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Fremder Leute Kinder

Von Heike Göbel

Eine Debatte, die das Land in Eltern und Kinderlose spaltet, braucht niemand. In der DDR konnten Paare staatliche Wohnungskredite durch Kinder abstottern. Das ist kein Vorbild für eine freiheitliche Gesellschaft. Mehr 2 9

14.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.728,19 −0,15%
 OK
14.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.728,19 −0,15%
FAZ-INDEX 1.500,83 −0,21%
TecDAX 773,85 −0,19%
MDAX 10.253,60 −0,35%
SDAX 5.023,80 +0,24%
REX 421,66 −0,02%
Eurostoxx 50 2.488,29 −0,13%
F.A.Z. EURO INDEX 80,26 −0,27%
Dow Jones 12.878,30 +0,03%
Nasdaq 100 2.575,24 +0,22%
S&P500 1.350,50 −0,09%
Nikkei225 9.052,07 +0,59%
EUR/USD 1,3128 −0,32%
Rohöl Brent Crude 118,17 $ +0,32%
Gold 1.711,50 $ −0,90%
Bund Future 138,53 € +0,15%