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Im Porträt: Werner Müller Kämpferischer Stratege

12.09.2007 ·  Er ist weder der mitreißende Verkäufertyp noch ein Ruhrbaron: Werner Müller gibt sich bei der Vorstellung der aus der Essener RAG entstandenen Evonik Industries AG unterkühlt. Damit beginnt für den früheren Wirtschaftsminister die nächste Etappe.

Von Werner Sturbeck
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Es ist ein großer Tag, der Beginn einer neuen Ära, wie er persönlich sagt. Da steht er nun auf dem Podium, Werner Müller, die Wand hinter ihm dekoriert mit neuem Namen und neuem Logo. Seine Krawatte so purpurfarben wie die neue Konzernfarbe „Deep Purple“. Bei der Nachfrage nach der gleichnamigen weltbekannten Rockband muss der brillante Klavierspieler passen: „Aus dieser Zeit kenne ich nur die Beatles.“ Das war am Mittwochvormittag einer der wenigen spritzigen Momente, für die der RAG-Chef bekannt ist. Ansonsten gibt sich Müller bei der Vorstellung der aus der Essener RAG entstandenen Evonik Industries AG sehr unterkühlt.

Der frühere Bundeswirtschaftsminister ist nicht der mitreißende Verkäufertyp der Klasse eines Thomas Middelhoff, der seinerzeit bei der Umbenennung von Karstadt-Quelle in Arcandor geradezu ins Schwärmen geriet. Müller zeichnete sich in seiner Karriere immer wieder durch herausragendes strategisches Denken, hohe Kompetenz in Energiefragen, Weitsicht und Mut zu schnellen, auch unkonventionellen Entscheidungen aus. Mit diesen Fähigkeiten hat er für den dahinsiechenden Steinkohlenkonzern ein für alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen akzeptables Auslaufmodell, das RAG-Stiftungs-Börsenkonzept, entwickelt und umgesetzt.

Stiftungsvorsitz blieb Müller verwehrt

Allein der angestrebte Stiftungsvorsitz blieb ihm verwehrt. Der Zigarilloraucher durchstand dabei einen harten, zum Teil sehr persönlichen Kampf vor allem auf politischer Ebene. Auch früher ist er als Manager bei RWE, der Eon-Vorgängergesellschaft Veba oder im rot-grünen Bundeskabinett am Tisch mit Umweltminister Jürgen Trittin Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg gegangen, hat sie nicht selten sogar provoziert. Aber zumindest in seiner ersten Manager-Karriere war er immer zum Weitermachen gezwungen. Schließlich galt es, einer Ehefrau und zwei Kindern finanzielle Sicherheiten zu bieten. Heute haben Sohn und Tochter inzwischen eigene Familien und ihn zum vierfachen Großvater gemacht.

In dem schwierigen Frühjahr, in dem es gelegentlich so aussah, als ob sein härtester Widersacher, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, ihn aus dem Rennen werfen würde, hat Müller gekämpft. Persönliche Eitelkeit mag dabei eine Rolle gespielt haben. Aber in erster Linie ging es ihm um den ebenfalls hart umstrittenen Börsengang und geschlossenen Erhalt des RAG-Beteiligungskonzerns und ein möglichst langgestrecktes, sozialverträgliches Ende der heimischen Steinkohlenförderung. „Falls die erreichten Zusagen einmal aufgekündigt werden sollten, werde ich noch einmal Bundeswirtschaftsminister“, droht er im Scherz. Sein erkennbar ehrlich gemeinter, ausdrücklicher Dank an Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch zeigt, dass Müller weiß, wer ihm zum schwersten Zeitpunkt den Rücken gestärkt hat. Und seine engen persönlichen Mitarbeiter waren überrascht, mit welcher Vitalität Müller nach dem Verzicht auf den Stiftungsvorsitz sich in das neue Projekt Evonik gestürzt hat.

Nicht Ruhrbaron, sondern Revier-Manager

Der Einundsechzigjährige will in den nächsten vier Jahren die neue Evonik so auf Kurs bringen, dass der Stiftung am Ende auch die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen. Dem gebürtigen Essener ist häufig nachgesagt worden, er schwinge sich zum neuen Ruhrbaron auf. Das passt nicht zu einem Revier-Manager, der weder jagt noch golft, der große Veranstaltungen meidet und in seinem seit Jahrzehnten gemieteten Einfamilienhaus keine Gesellschaften gibt. In diesem Jahr liest man Berichte über Müller vor allem auf den politischen Seiten. Für den Börsenkandidaten Evonik dürfte es schädlich werden, wenn die Berichte über das Unternehmen nicht bald in die Wirtschaftsbücher wandern. Dafür sind nicht nur attraktive Zahlen, sondern auch gute Geschichten für den Kapitalmarkt gefragt. Um Müller dürfte es also in der Zukunft nicht langweilig werden.

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Jahrgang 1949, Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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