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Im Porträt: Chinas Notenbankchef Der Aufwerter

23.06.2010 ·  Seit zwei Jahren ist der Yuan an den Dollar gekoppelt - nicht nur zum Verdruss der Amerikaner. Am Wochenende sorgte der chinesische Notenbankchef Xiaochuan dann für einen Paukenschlag: Die Bindung solle aufgeweicht werden. Diesmal meint er es offenbar ernst.

Von Christian Geinitz
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Wie die meisten Notenbankgouverneure ist Zhou Xiaochuan kein lauter Trommler. Manche seiner Entscheidungen wirken dennoch wie Paukenschläge. Eine im Internet veröffentlichte Notiz der "Chinesischen Volksbank", der Zhou vorsteht, sorgte am Wochenende für Wirbel, obgleich sie recht unspektakulär daherkam.

Darin hieß es, die bessere Lage der Wirtschaft in China und der Welt erlaube es, die "Flexibilität" des chinesischen Wechselkurses zu erhöhen. Die Finanzwelt sah darin nicht weniger als eine Sensation: die schrittweise Aufwertung der Landeswährung Yuan-Renminbi gegenüber dem Dollar, an den sie seit zwei Jahren gekettet ist. Zwar bemühte sich die Bank hernach, die Sache kleinzureden. Seit Wochenbeginn aber ist klar, dass die Tage der festen Dollarbindung tatsächlich gezählt sind.

Am Montag ließ die Bank den Referenzkurs unverändert, erlaubte dem Yuan im Interbankenhandel aber den größten Wertzuwachs seit fünf Jahren. Am Dienstag wertete Zhous Haus den Yuan selbst auf und legte den höchsten Referenzwert seit 2005 fest. Die Aufweichung der Dollarbindung war zwar erwartet worden. Und doch kam die Ankündigung dann unerwartet und zeigt, wie sehr Zhou für Überraschungen gut ist. Im vergangenen halben Jahr hatte der Zweiundsechzigjährige schon zweimal eine Reform in Aussicht gestellt, die Märkte dann aber zappeln lassen und die Zeit für letztlich noch nicht reif erklärt.

Dass er es diesmal offenbar ernst meint, hat schon jetzt mächtige Verschiebungen an den Aktien-, Devisen- und Rohstoffmärkten bewirkt und Zhous Bedeutung als einen der mächtigsten Zentralbanker der Welt gestärkt.

Dabei kann der Chemie- und Wirtschaftsingenieur Zhou, der Mitglied der Kommunistischen Partei ist, derlei wichtige Entscheidungen gar nicht allein treffen. Ausschlaggebend sind Premierminister Wen Jiabao, sein Staatsrat und die Parteiführung unter dem Generalsekretär und Staatspräsidenten Hu Jintao. Handelsminister Chen Deming hat Zhou in der Vergangenheit mehrfach gebremst, weil Chinas in der Krise stark geschrumpfter Export eine Yuan-Aufwertung nicht verkrafte. Angesichts besserer Außenhandelszahlen konnte sich Zhou offenbar durchsetzen. Er genießt dabei die Unterstützung Wens, der wie Zhou als moderater Reformer gilt.

Eine Geste des guten Willens

Natürlich ist die Ankündigung vor dem Gipfel der 20 großen Volkswirtschaften (G 20) am Wochenende in Toronto eine Geste des guten Willens. Sie gilt jenen Rivalen und Partnern, die China seit langem zu einer Aufwertung drängen und die das Land und seine Währung in Toronto gern als mitverantwortlich für die krisenhaften Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft benannt hätten. Doch treffen Wen und Zhou ihre Entscheidungen weniger den Amerikanern oder anderen Mahnern zuliebe als vielmehr aus ureigenen chinesischen Interessen. Ihnen geht es darum, die Geldentwertung im Griff zu behalten, den Binnenkonsum zu stärken, die Exportindustrie höherwertig aufzustellen und letztlich den Yuan als Leitwährung zu etablieren.

Regierung und Zentralbank haben versprochen, die Inflation in diesem Jahr auf 3 Prozent zu begrenzen und ein mittleres Wirtschaftswachstum von 8 Prozent zu sichern. Das wird ohne eine geschickte Geld- und Wechselkurspolitik nicht zu erreichen sein. Statt, wie erwartet, zum Bremsen der Teuerung die Zinsen zu erhöhen, kann Zhou nun auf geringere Importpreise als Folge der Yuan-Aufwertung bauen. Die höhere Kaufkraft dürfte den Binnenkonsum anheizen und die Exportabhängigkeit verringern. Die steigenden Ausfuhrpreise nehmen Zhou und Wen nicht nur hin, sie dienen vielmehr dem gleichen Kalkül wie die derzeitige Kampagne zur Lohnerhöhung in der Exportindustrie: Die Unternehmen sollen produktiver werden und mit qualifizierten Mitarbeitern höherwertigere Güter herstellen. Dahinter steht das Ziel, China von einem "quantitativen" zu einem "qualitativen Wachstum" zu verhelfen und das Land in den Kreis entwickelter Nationen zu führen.

Für Zhou, der manche gefeierte Finanzpublikation verfasst hat und als "akademischer Technokrat" gilt, ist dieser Aufstieg des Landes nicht denkbar ohne eine Neupositionierung des Yuan. Darunter ist die Entkopplung vom Dollar nur ein Schritt. Ein weiterer ist die Etablierung der bisher nicht konvertiblen Währung im internationalen Handel. Weitgehend unbemerkt kündigte seine Bank am Dienstag an, dass der Yuan künftig in 20 Provinzen und direkt verwalteten Städten für grenzüberschreitende Zahlungen genutzt werden dürfe; bisher beschränkte sich das Privileg auf Schanghai und vier Städte in Kanton.

Seit Zhou im März 2009 eine Reform des internationalen Finanzsystems forderte und die Rolle des Dollar als Weltreservewährung in Frage stellte, hat er den Yuan immer wieder als Alternativmodell ins Gespräch gebracht. Bis dahin ist es noch ein langer Weg, aber der Gouverneur verfolgt ihn beharrlich Schritt um Schritt. Am Ende, das weiß auch Zhou, muss notwendigerweise die Konvertibilität der Währung stehen.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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