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Im Gespräch: Ursula von der Leyen : „Ein Drittel der Führungspositionen für Frauen“

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Für Ursula von der Leyen hat die Selbstverpflichtung der Unternehmen zur Förderung von Frauen keine Ergebnisse gebracht Bild: dapd

Bis 2018 sollen in den deutschen Aufsichtsräten und Vorständen 30 Prozent Frauen sitzen. An diesem Ziel hält Arbeitsministerin von der Leyen fest. Die Quote sei ein Türöffner - ohne sie dauere es zu lange, bis der Erfolg von Frauen selbstverständlich werde.

          Frau Ministerin, Sie fordern eine feste Frauenquote in den Führungsetagen der deutschen Unternehmen. Die Kanzlerin hat Sie wieder zurückgepfiffen. Warum lassen Sie nicht locker?

          Der Weckruf im Januar von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, mir und anderen war nötig. Wir wollen einfach nicht länger akzeptieren, dass das so weitergeht. Und der Weckruf hat gewirkt. Wir diskutieren nicht mehr über das Ob, sondern über das Wie eines höheren Anteils von Frauen an der Spitze großer Unternehmen. Der Kern der Debatte ist ja nicht, ob die Frauen die Quote brauchen, sondern dass Deutschland die Frauen braucht. Das will ich vermitteln. Da will ich debattieren, treiben, vorankommen.

          Eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft reicht nicht aus?

          Wir ziehen heute die bittere Bilanz von zehn Jahren Selbstverpflichtung der Wirtschaft. Der Mittelstand hat gut aufgeholt, aber bei den großen Dax-Unternehmen hat sich quasi null Komma nichts getan. Und das, obwohl inzwischen Frauen in Schule und Uni klar vorne liegen, auf den mittleren Ebenen Karriere machen, die Kinderbetreuung ausgebaut wird und die Wirtschaft kaum eine Gelegenheit auslässt, bei der Arbeitsministerin über den drohenden Mangel an hochqualifizierten Kräften zu klagen. Was ist denn mit unseren hervorragend ausgebildeten Frauen?

          Was erwarten Sie denn vom Treffen mit den Personalvorständen der 30 Dax-Konzerne an diesem Mittwoch?

          Die großen börsennotierten Unternehmen müssen jetzt formulieren, wie sie verlässlich mehr Frauen an die Spitze bringen wollen. Der Mittelstand hat gezeigt, dass es geht. Dort, im öffentlichen Dienst und der Politik ist ein Frauenanteil von 30 Prozent erreicht und teilweise überschritten. Es wird Zeit, dass die großen Unternehmen nachziehen. Dort stoßen Frauen immer noch an die „gläserne Decke“, der Frauenanteil liegt nach wie vor bei nur 3 Prozent in Vorstand und Aufsichtsrat auf Anteilseignerseite.

          Woran liegt das?

          Die Frage müssen uns zuerst die Unternehmen beantworten. Meine Vermutung ist nicht, dass da böser Wille am Werk ist. Die meisten wissen in der Theorie selbst, dass sie besser werden müssen, dass weibliches Potential brach liegt. Trotzdem sucht man immer Menschen mit ähnlichem Werdegang und Typus. Juristen stellen Juristen ein, Wirtschaftswissenschaftler suchen eher Wirtschaftswissenschaftler. Erfahrene Frauen haben oft einen anderen Lebenslauf als Männer auf der gleichen Ebene und fallen nach diesem Muster raus. Dazu kommt: Für den Vorstand und Aufsichtsrat bewirbt man sich nicht, sondern wird berufen - heute meist von exklusiven Männergremien. Wir müssen von der Spitze her zeigen, dass Vielfalt und Vorerfahrung auch die Qualität der Entscheidungen steigern.

          Die starre Männerquote wollen Sie durch eine starre Frauenquote aufbrechen.

          Die Quote ist nur ein Türöffner, der einen Lernprozess in Gang setzen soll. Im Idealfall ist sie nach kurzer Zeit überflüssig. Wir setzen uns ja viele Quoten als Ziel, wie die Erwerbstätigenquote oder die Abiturientenquote. Ein Drittel der Führungspositionen für die Frauen zu erreichen, die immerhin die Hälfte der Talente stellen, ist als Ziel weder vermessen noch starr. Ziele sind Orientierung.

          Ist dies Teil Ihrer Mission „Umkrempeln des Familienbildes in der Union“?

          Das Familienbild der Union ist bereits modern. Die Gesellschaft wandelt sich weiter, es gibt immer neue Herausforderungen. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass angesichts des demographischen Wandels die Kombination von Kümmern und Karriere das gemeinsame Anliegen von Frauen und Männern sein muss. Wir steuern auf einen Fachkräftemangel zu, Frauen wollen ihre Talente auf dem Arbeitsmarkt in der Breite, aber auch in der Spitze entfalten können. Ebenso wie Männern auch wirksam als Väter und Söhne sein wollen. Das Ausland macht uns vor, dass Kümmern und Karriere kein Gegensatz sein müssen, sondern Fundament für den Zusammenhalt einer modernen Gesellschaft sind. Die Rahmenbedingungen dafür haben sich auch in Deutschland verbessert - von flexiblen Arbeitszeiten über den Ausbau von Ganztagsschulen und Kindergärten bis zu Elterngeld und Vätermonaten.

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