http://www.faz.net/-gqe-7y0hz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 29.12.2014, 10:38 Uhr

Ifo-Chef Sinn „Migration ist ein Verlustgeschäft“

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ist so interpretiert worden, dass die Zuwanderer dem deutschen Staat viel Geld einbringen. Der Ökonom Hans-Werner Sinn weist das zurück. Und legt eine andere Rechnung vor.

© Wolfgang Eilmes Hans-Werner Sinn

Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat der Politik in der Zuwanderungsfrage schwere Versäumnisse vorgeworfen. „So wie die Migration derzeit läuft, läuft sie falsch“, schreibt Sinn in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (und hier eine Langfassung der Analyse). Der Sozialstaat wirke wie ein Magnet auf unqualifizierte Migranten, kritisierte er. Deutschland sei nach den Vereinigten Staaten das zweitgrößte Ziel von Einwanderern, doch liege es in Hinblick auf die Qualifikation auf einem der letzten Plätze der Statistik.

Das führe dazu, dass die bisherige Migration eine große Belastung der Staats- und Sozialkassen sei. In der Nettobilanz verursache sie dem deutschen Staat mehr Kosten durch Sozialleistungen und andere Ausgaben als sie Einnahmen durch Steuern und Sozialbeiträge bringe.

Nach einer neuen Berechnung des Ifo-Instituts kommt Sinn auf eine „fiskalische Nettobilanz je Migrant von minus 1800 Euro im Jahr“. So viel koste ein Migrant im Durchschnitt mehr, als er einbringe. Dies errechneten Wissenschaftler des Ifo-Instituts auf Basis einer aktuellen Bertelsmann-Studie, welche sie aber um nicht berücksichtigte Ausgaben ergänzten.

Politik für Familien mit Kindern

„Angesichts dieser Verhältnisse sollte nun endlich eine ideologiefreie und nicht vom Streben nach politischer Korrektheit getriebene Debatte über die Migrationspolitik beginnen“, schreibt Sinn in der F.A.Z. Er attackierte auch Medien, welche die Bertelsmann-Studie falsch gelesen und von „Milliarden-Gewinnen durch Zuwanderung“ geschrieben hätten. Auch die Bertelsmann-Studie komme letztlich zu einem negativen Ergebnis mit einem „impliziten Finanzierungsdefizit“ in Höhe von 79.100 Euro je Migrant über die gesamte Zeit, betonte Sinn.

Er forderte, bedürftige EU-Zuwanderer sollten künftig nur noch Sozialleistungen ihres Heimatlandes, nicht des Gastlandes in Anspruch nehmen können. Außerdem müsse Deutschland die Nicht-EU-Zuwanderung besser steuern und auswählen. Dazu solle es ein Punktesystem einführen, das nach der beruflichen Qualifikation, Alter, Gesundheit, Sprachkompetenz und Vermögen auswähle.

Mehr zum Thema

F.A.Z. Mehr dazu in der F.A.Z. vom 29.12.2014. Am Vorabend schon in der F.A.Z. -App und als E-Paper.

Sinn warnt die Deutschen vor dramatischen Verwerfungen durch den Geburtenschwund. „Wollte man die Relation von Alten und Jungen und damit zugleich das relative Rentenniveau und die Beitragssätze zur Rentenversicherung auf dem heutigen Niveau stabilisieren, würden insgesamt 32 Millionen junge Zuwanderer benötigt, die meisten davon wohl aus außereuropäischen Gebieten“, schreibt Sinn. Es sei aber schwer vorstellbar, dass die deutsche Gesellschaft die nötige Kraft und Toleranz für eine solche Massenzuwanderung aufbringe. Schon jetzt sei die Bereitschaft der Bevölkerung zur Aufnahme der hohen Flüchtlingszahlen begrenzt, wie „Pegida“ und andere Protestbewegungen zeigten, warnte der Ifo-Ökonom.

Deshalb forderte Sinn die deutsche Politik zu einer aktiven Bevölkerungspolitik auf, damit die Kinderzahl wieder steige. Es brauche „eine fundamentale und radikale Änderung der verzerrenden Anreizstrukturen im Steuer- und Rentenrecht zugunsten von Familien mit Kindern“.

© Getty Images, Deutsche Welle Zuwanderung in Deutschland ist auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Visegrád-Staaten Geschlossen gegen Merkel

Die Visegrád-Staaten sind sich einig in ihrer Abwehrhaltung der Flüchtlingspolitik Merkels. Beim Besuch der Kanzlerin stellt sich die Frage: Wollen sie auch gestalten? Mehr Von Gerhard Gnauck, Warschau

26.08.2016, 16:41 Uhr | Politik
Deutlicher Punkterückgang Brexit schickt deutsche Wirtschaft auf Talfahrt

Das Münchner Ifo-Institut hat bekanntgegeben, dass der Geschäftsklima-Index im August um 2,1 auf 106,2 Punkte gefallen ist. Als ein Grund dafür wird der Brexit-Schock gesehen. Mehr

25.08.2016, 18:01 Uhr | Wirtschaft
Niederlande Wilders fordert Koranverbot und Schließung aller Moscheen

Der Rechtspopulist Geert Wilders macht im Wahlkampf Stimmung gegen muslimische Einwanderer. Im Zentrum seines Wahlprogramms steht eine Ent-Islamisierung der Niederlande. Verbieten will er nicht nur das Kopftuch. Mehr

26.08.2016, 05:17 Uhr | Politik
Willkommenskultur In Portugal kommen zu wenige Flüchtlinge an

Anders als viele osteuropäische Staaten zeigt Portugal Solidarität in der Flüchtlingsfrage. Das Land will 10.500 Kriegsflüchtlinge aufnehmen und auch viele Portugiesen sind dafür aufgeschlossen. Bisher sind aber kaum Menschen gekommen. Mehr

25.08.2016, 18:11 Uhr | Politik
Neue Studie Die AfD bekommt mehr Zuspruch von Rechtsextremen

Die Anhänger der AfD haben sich seit der Gründung verändert: Sie sind jünger und rechter geworden. Zuletzt hat die Partei besonders unter zwei Gruppen an Zustimmung gewonnen. Mehr

24.08.2016, 13:29 Uhr | Politik

Heilpraktiker - keine Mini-Ärzte

Von Andreas Mihm

Sanfte Medizin und ein paar Globuli - das kann doch gar nicht schaden. Oder doch? So harmlos, wie sie daherkommt, ist die homöopathische Medizin keineswegs. Mehr 1 29

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden