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HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher Der Mann mit dem Schmerzensgeld

21.09.2009 ·  Dirk Jens Nonnenmacher muss viel aushalten. Öffentliche Rückendeckung bekommt der Chef der krisengeschüttelten HSH Nordbank kaum. Dafür gibt es viele Gründe. Für manche ist er allein schon wegen seiner ungewöhnlichen Gelfrisur eine Reizfigur. Dabei ist er ein nüchterner Analytiker.

Von Johannes Ritter
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Öffentliche Rückendeckung gehört nicht zu den Erfahrungen, die Dirk Jens Nonnenmacher in den vergangenen Monaten sammeln durfte. Dafür gibt es viele Gründe: Die Bank, der er vorsteht, steckt finanziell tief in der Bredouille und politisch tief im Sumpf. Den Millionenbonus, den Nonnenmacher trotz staatlicher Hilfen und horrender Verluste im Sommer kassiert hat, macht ihn zu einer leichten Zielscheibe seiner Kritiker - noch dazu in Zeiten des Wahlkampfs.

Umso mehr dürfte sich Nonnenmacher gefreut haben, als er am Wochenende das „Flensburger Tageblatt“ aufschlug. Dort stellte sich sein neuer Aufsichtsratsvorsitzender Hilmar Kopper mit breiter Brust hinter ihn: „Dass die Bank die Krise überhaupt überstanden hat, verdankt sie maßgeblich Herrn Nonnenmacher“, erklärte der frühere Deutsche-Bank-Chef in einem Interview. Im gleichen Atemzug knüpfte Kopper sein Schicksal bei der HSH an das seines obersten Managers: „Wenn andere die Ablösung des Vorstandsvorsitzenden fordern, dann sollen sie selbst die Verantwortung tragen und sagen, wie sie es besser machen würden. Mit mir jedenfalls dann nicht mehr.“

Koppers Warnschuss richtet sich vor allem an einen Mann: Ralf Stegner. Die Parole „Nonnenmacher muss gehen“ ist fester Bestandteil seines Programms für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein, in die Stegner als Spitzenkandidat der SPD zieht. Er ist aber nicht der einzige Politiker, der die Misere der HSH Nordbank als Wahlkampfthema nutzt - und der krisengeschüttelten Bank damit zusätzlichen Schaden zufügt.

Ein blitzgescheiter Analytiker

Keine Frage: Der 46 Jahre alte Nonnenmacher muss viel aushalten. Dabei hat er eine Menge erreicht. Der blitzgescheite Analytiker, der in Deutschland und Amerika Mathematik und Medizin studiert hat, hat ein milliardenschweres Rettungspaket geschnürt, mit dem die HSH nach seiner Planung durch die Krise kommt - und zwar ohne die von Hamburg und Schleswig-Holstein gewährten Garantien überhaupt in Anspruch zu nehmen. Geschickt verhandelte er sowohl mit den beiden Ländern, den Hauptanteilseignern der HSH, wie auch mit dem Rettungsfonds Soffin und der Bankenaufsicht Bafin, die implizit schon mit der Schließung der Bank gedroht hatten. Immer wieder musste Nonnenmacher in schier endlosen Anhörungen und Finanzausschüssen Rede und Antwort stehen, wobei etliche Politiker sich nur solange wortreich ins Zeug legten, wie Pressevertreter zugegen war.

Als Nonnenmacher, von der DZ Bank kommend, im Oktober 2007 nach Hamburg ging, hatte er keine Ahnung, dass er eines Tages tief in die harten Mühlen des Politik-Betriebs rutschen würde. Denn eigentlich war er geholt worden, um als Finanzvorstand die Rechnungslegung der Bank in einen Status zu versetzen, der den Stempel „Börsentauglich“ verdient. Doch die Finanzkrise und die mangelhafte Risikokontrolle trieben die Bank tief in die Verlustzone und zerstörten alle Börsenträume.

Sein Sanierungskonzept gleicht einer Schrumpfkur

Im November 2008 übernahm Nonnenmacher den Vorstandsvorsitz, was in seinem Haus keine Jubelstürme entfachte. Denn sein Sanierungskonzept gleicht einer Schrumpfkur, die im Abbau von einem Viertel aller Stellen mündet. Freunde macht man sich dadurch ebenso wenig wie durch die unverhohlenen Signale, dass sich auch der ein oder andere Vorstandskollege besser nach einem anderen Arbeitsplatz umsehen sollte.

Kein Wunder, dass in der Bank immer wieder gegen den hochgewachsen Manager gestichelt wird, der für manche allein schon wegen seiner ungewöhnlichen Gelfrisur eine Reizfigur ist. Seine Vorliebe für die nüchterne Analyse bringt dem habilitierten Mathematiker sicherlich auch keine Sympathiepunkte, schon gar nicht im Gespräch mit Problemkunden, denen er trocken erzählt, dass ihre Kreditwürdigkeit nunmehr leider erschöpft sei.

Die Debatte um die im Sommer ausgezahlte Halteprämie von 2,9 Millionen Euro hat Nonnenmachers öffentlichem Ansehen und dem der Bank geschadet, Vertrag hin oder her. Auf der anderen Seite: Diesen hochpolitischen Knochen-Job würde wohl kein hochqualifizierter Bank-Manager für eine halbe Million Euro im Jahr machen wollen. Das reicht als Schmerzensgeld einfach nicht aus.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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