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Hochschulen Studiengebühren sind gut für das Land

07.04.2006 ·  Die wiedererstehenden „Hohen Schulen“ werden dem Land guttun, weil ihnen der Wettbewerb guttut. Wer nach einem überzeugenden Beispiel für die Vorteile des Wettbewerbsföderalismus gesucht hat, findet es im Recht der Erhebung von Studiengebühren.

Von Hans D. Barbier
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Und es bewegt sich doch etwas in Deutschland. Land für Land bekommen die Hochschulen das Recht, Studiengebühren zu erheben. Nachdem nun in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Land der Bundesrepublik, ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wurde, ist die Gebührenfrage so gut wie für ganz Deutschland entschieden.

Vorangegangen waren Niedersachsen und Baden-Württemberg. Folgen werden Hamburg, Bayern, das Saarland und Schleswig-Holstein. Die Hessen wollen auch mitmachen, müssen aber noch die Notwendigkeit einer Änderung der Landesverfassung prüfen. Länder, die das Recht der Gebührenerhebung weiterhin ablehnen, müßten sich auf hintersinnige Weise keine Sorgen um ihre Universitäten machen: Die würden im Qualitätsvergleich von den bessergestellten Hochschulen derjenigen Länder, die den Einzug von Gebühren erlauben, wohl abgehängt werden.

Schon bietet der Markt Kreditprogramme

Wer noch nach einem überzeugenden Beispiel für die Vorteile des Wettbewerbsföderalismus gesucht hat, der findet es im Recht der Erhebung von Studiengebühren. Man kann einigermaßen sicher voraussagen, daß die Hochschulszene in Deutschland von den Gebühren geprägt werden wird. Und dies nicht im Sinne des immer wieder behaupteten Bildungsausschlusses von Kindern aus den weniger begüterten Familien. Kaum sind die Gesetze zur Gebührenerhebung verabschiedet, da bilden sich am Markt bereits Kreditprogramme heraus, die niemanden von einem Studium abhalten müssen, der mit einer auch nur vagen Aussicht auf Erfolg seine Ausbildung beginnt.

Einen sichtbaren Effekt aber werden die Gebühren auf der Angebotsseite des Bildungssystems - also bei den Hochschulen selbst - zeigen. Die müssen ihre Angebotsqualität in Forschung und Lehre verbessern, wenn sie es mit zahlenden Kunden zu tun haben. Mit Kunden überdies, die gerade auch unter dem Druck einer Kreditverpflichtung kein Interesse an einer schlechten oder einer in die Länge gezogenen Ausbildung haben werden.

Kundendruck und Wettbewerb: Alles wird besser

Und die Gebühren, die den Hochschulen von ihren zahlenden Studenten zufließen, werden sie in den Stand versetzen, mit der Qualität ihrer Forscher und mit ihren Ausbildungsangeboten zu werben. Wer für seine Ausbildung zahlt, der will nicht ein paar Semester des Leerlaufs damit vertun, in überfüllten Lesesälen auf einen freien Platz und auf die Verfügbarkeit einer Fachzeitschrift zu warten. Der Kundendruck und der Wettbewerb werden für die Forschungs- und für die Lehrqualität der Hochschulen Besseres bewirken, als obskure „Ranking“-Verfahren das je können werden.

Unter dem Regime von Gebühren können die Universitäten wieder zu den „Hohen Schulen“ werden, die für die Geschichte Europas eine so wesentliche Bedeutung gehabt haben. Ausgewiesen in der Forschung, attraktiv durch den Ruf ihrer Lehre: solche Kriterien hält man am besten möglichst politikfern. Die wiedererstehenden „Hohen Schulen“ werden dem Land guttun, weil ihnen der Wettbewerb guttut. Was sich seit einigen Jahren unter den Chiffren „Excellence“ und „Elite“ an beiderseitigen Anbiederungsversuchen von Hochschulen und Politik abspielt, zeigt doch eher den Glitzerglanz von verbalem Talmi als das Funkeln wissenschaftlicher Preziosen.

Zahlende Studenten: Druck auf die Hochschulen

Dem Leistungsprofil von Universitäten und Forschungsinstituten wird es nicht schlecht bekommen, wenn deren Qualität nicht nur durch die „Begehung“ von Evaluierungskommissionen ermittelt wird, sondern wieder mehr auch durch das Votum zahlender, gerade auch mit Krediten zahlender Studenten.

Das sind zu erwartende Fernwirkungen der Einführung von Gebühren. Mit Sicherheit und für jeden Einzelfall sind sie nicht zu prognostizieren. Doch es sind Möglichkeiten, die sich eröffnen. Das europäische Bildungswesen ist historisch durch die „Hohen Schulen“ geprägt worden. Ehe in jeder Dorfschule das Einmaleins gebimst wurde, ist der wandernde Scholar von Avignon über Köln nach Prag dem Renommee von bedeutenden Forschern und begeisternden Lehrern gefolgt. Das sind - sicherlich auch geschönte - Bilder der Vergangenheit. Bildungspolitiker sind nicht die Regisseure von Historienfilmen. Aber mit der Wiederzulassung von Studiengebühren tun sie etwas Gutes für Land und Leute.

Der Autor ist Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung.

Quelle: F.A.Z., 07.04.2006, Nr. 83 / Seite 15
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