10.05.2006 · Mit einer Anhörung des Verkehrsausschusses beginnen an diesem Mittwoch im Bundestag die parlamentarischen Beratungen über den Börsengang der Deutschen Bahn. Die fünf wichtigsten Fragen: FAZ.NET gibt den Überblick über die Debatte.
Die Deutsche Bahn steht vor einer Weichenstellung: Soll der geplante Börsengang mit oder ohne Schienennetz erfolgen? An diesem Mittwoch berichten Experten dem Verkehrsausschuß des Bundestags zu diesem Thema. FAZ.NET gibt einen Überblick über die Debatte:
Was bedeutet ein Börsengang mit Netz?
Für Bahn-Chef Hartmut Mehdorn gibt es keinen Zweifel: Nur als integrierter Konzern, also Bahnbetrieb und das 35.000 Kilometer lange Schienennetz unter einem Dach, kann eine börsennotierte Bahn Erfolg haben. Sie bliebe damit ein nahezu unantastbarer Branchenriese. Mehdorn will 49 Prozent der Bahn aufs Parkett bringen. Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat zuletzt Sympathien für einen Börsengang mit Netz erkennen lassen. Weiterer Vorteil dieses Modells: Der Start an der Börse wäre schnell möglich, laut Experten bereits 2007. Zudem könnte die jetzige Bahn-Struktur unverändert bleiben.
Was hieße eine Trennung von Netz und Schiene?
Hierbei würde das Schienennetz aus dem Bahn-Konzern ausgegliedert. Die Verantwortung für Ausbau und Instandhaltung der Schienen bliebe beim Bund, während die Bahn-Transportsparten (Fern-, Regional- und Güterverkehr) ganz oder teilweise an die Börse gehen könnten. Vorteil: Auf dem Netz könnte mehr Wettbewerb einziehen. Bisher stellt die Bahn rund 90 Prozent der Transportleistung auf der Schiene. Wettbewerber haben nur einen kleinen Anteil, vor allem im Regionalverkehr. Auch die EU will mehr Wettbewerb auf der Schiene.
Wie wirkt sich der Börsengang auf Angebot und Preise aus?
Verbraucherschützer befürworten ebenso wie FDP und Grüne eine Trennung von Netz und Schiene: Sie führe zu mehr Wettbewerb und damit zu einem größeren Angebot für die Kunden. Längerfristig könnten dann auch andere europäische Bahnen im deutschen Fernverkehr tätig werden. Mehr Konkurrenz heißt in der Regel auch sinkende Preise. Die Trennung von Netz und Betrieb sei damit „aus Sicht der Kunden die beste Lösung“, argumentiert Edda Müller, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen.
Was bedeuten die Modelle für den Steuerzahler?
Durch die Teilprivatisierung der Bahn will der Bund den Haushalt und damit die Steuerzahler entlasten. Laut einem Gutachten der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton können maximal 23 Milliarden Euro eingespart werden. Der Börsengang mit Netz kommt günstiger: Bei einer Abtrennung des Netzes fallen Kosten an, die es durch die einheitliche Verwaltung bisher nicht gibt. Zudem würde sich der Börsengang bis auf 2010 verschieben. Der Bundesrechnungshof warnte aber kürzlich, daß auch bei einem schnellen Börsengang weiter verdeckte Milliardensubventionen an die Bahn fließen dürften - zu Lasten der Steuerzahler.
Was bedeuten die Modelle für die Arbeitsplätze?
Die Bahngewerkschaft Transnet sieht bei einer Abtrennung der Netzsparte bis zu 50.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Sie fürchtet um den bis 2010 vereinbarten Beschäftigungspakt bei der Bahn. Er enthält ein Kündigungsrecht im Falle einer Aufspaltung des Konzerns. Transnet ist daher wie Mehdorn für einen integrierten Börsengang.
Die Lösung - eine PPP?
Fionn Huber (fionn)
- 10.05.2006, 11:46 Uhr
Berliner Entscheidungen
Matthias Rüttgen (MRuettgen)
- 10.05.2006, 12:14 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.420,20 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2404 | −0,68% |
| Rohöl Brent Crude | 103,07 $ | −3,54% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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