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Veröffentlicht: 08.01.2017, 19:20 Uhr

Gesundheitsminister Gröhe will deutsches Gesundheitsportal im Internet

Der Gesundheitsminister will die Digitalisierung nicht verschlafen. Krankenhäuser und Arztpraxen sollen Patientendaten untereinander austauschen, damit Diagnosen besser und schneller gestellt werden. Wo liegen die Gefahren?

von , Berlin
© dpa Minister Gröhe: Der CDU-Politiker will das Gesundheitswesen endlich digitalisieren.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will die Suche nach verlässlichen Gesundheitsinformationen im Internet vereinfachen. Dazu regt er die Gründung eines „deutschen Gesundheitsportals“ an. In einem Grundsatztext zur Digitalisierung im Gesundheitswesen schreibt der CDU-Politiker in dieser Zeitung: „Wir brauchen ein deutsches Gesundheitsportal, auf dem alle wichtigen Informationen rund um das Gesundheitswesen zu finden sind – mit hoher Qualität und zugleich verständlich und leicht zu erfassen.“

Andreas Mihm Folgen:

Schon heute nutze jeder zweite Deutsche das Internet auf der Suche nach Gesundheitsinformationen. „Hier müssen wir mehr tun“, verlangt der Minister. Notwendig seien gute und qualitätsgesicherte Angebote. Einrichtungen wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung böten zwar vielfältige Informationen. Diese müssten besser gebündelt und leichter im Netz aufzufinden sein. Gröhe beschreibt die Digitalisierung als den mächtigsten Treiber der Veränderung „nicht nur in unserer Lebens- und Arbeitswelt, sondern auch im Gesundheitswesen“. Sie berge viele Chancen für mehr Lebensqualität und eine bessere Gesundheitsversorgung. Im Mittelpunkt müssten der Nutzen für die Versicherten und die Bedürfnisse der Patienten stehen. Daran müsse sich eine „digitale Gesundheitsagenda“ ausrichten.

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Viele neue Produkte und Anwendungen machten die Versorgung einfacher und sicherer, Telemedizin werde Ärzte und Kliniken gerade im ländlichen Raum in der Betreuung und Versorgung ihrer Patienten unterstützen. Grundlage dafür sei eine sichere Kommunikation. Dafür werde mit dem soeben begonnenen Ausbau der Infrastruktur für die Telematik eine Basis geschaffen. Statt per Fax wie heute würden die Daten dann „doppelt verschlüsselt“ elektronisch ausgetauscht. Seit Dezember – und nach jahrelangen Verzögerungen – laufen in einer Handvoll Praxen und Kliniken die ersten Tests zum Aufbau der sicheren digitalen Kommunikation mit Gesundheitsdaten in Deutschland.

Mehr Daten, mehr Diagnosemöglichkeiten

Gröhe weist auf neue Diagnosemöglichkeiten durch die Auswertung großer Datenmengen hin. „Dafür müsse der Austausch „über die Grenzen einzelner Forschungsstandorte hinweg“ leichter möglich gemacht werden, verlangt er. Dies ist heute ein Problem, wenn Daten eines deutschen Patienten mit entsprechen Daten im Ausland verglichen werden sollen. „Ziel ist, das medizinische Weltwissen für die Gesundheitsversorgung nutzbar zu machen.“

Wo heute nur bestimmte Formen einer Erkrankung behandelt würden, könnten künftig Therapien „ganz auf die einzelne Person“ und deren Erkrankung abgestimmt werden. „Wir müssen alle Kräfte bündeln und Hemmnisse für die Entwicklung und Nutzung der neuen Möglichkeiten abbauen“, fordert der Minister. Das schließe das „Recht auf Nichtwissen“ des Einzelnen nicht aus.

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Entscheidend sei, dass alle an den Vorteilen der Digitalisierung wie neuen Angeboten teilhaben könnten, „und zwar unabhängig von Alter, Wohnort und Geldbeutel“. Ebenso gelte aber auch: „Niemand darf in seinem Versicherungsschutz benachteiligt werden, wenn er oder sie bestimmte digitale Anwendungen nicht nutzen kann oder will.“ Das mag auf Angebote privater Versicherungen zielen, die Rabatte für den Fall versprochen hatten, dass Kunden Vital- und Gesundheitsdaten übermittelten.

Die planmäßige Digitalisierung des Gesundheitswesens kommt in Deutschland nur schleppend in Gang. Ärzte und Kassen hatten den Ausbau der Telematik über Jahre verschleppt. Nicht zuletzt Gröhes Androhung von Strafzahlungen dürfte zur Beschleunigung beigetragen haben.

In dem Beitrag ruft der Minister Industrie, Wissenschaft und Kassen zu einem engeren Austausch auf. Technischer Fortschritt müsse auch in der Digitalisierung schneller zum Patienten kommen. Nicht zuletzt helfe das den deutschen Anbietern von Medizintechnik, einer Branche die „jedes Jahr 50 Prozent schneller wächst als die Gesamtwirtschaft“.

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