19.05.2010 · Verbraucher haben ein Recht darauf zu erfahren, woher ein T-Shirt kommt, findet Brüssel. Da ist der Weg zum „Made-in-EU“-Label nicht mehr weit. Darüber freuen sich in Deutschland nicht alle.
Von Hendrik Kafsack, BrüsselEs ist ein Reizwort: Immer wenn in Brüssel über neue Regeln für die Herkunftsbezeichnung von Produkten – kurz „Made in ...“-Label – diskutiert wird, sind die deutschen Wirtschaftsverbände alarmiert. Vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) über den Verband des Maschinen- und Anlagenbaus (VDMA) bis zum Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) treibt sie vor allem eine Sorge: dass die aktuelle Diskussion zu einer neue Debatte über ein „Made in EU“-Label führt und dem damit verbundenen Ende der bewährten Marke „Made in Germany“. Darauf dringen nicht zuletzt die Südeuropäer, allen voran die Italiener, die mit einem solchen EU-Label ihre Produkte „aufwerten“ wollen.
Anlass für die aktuellen Sorgen ist ein Beschluss des Europaparlaments vom Dienstag, das Textilimporte aus Drittländern mit einer klaren Herkunftskennzeichnung versehen will. Die Abgeordneten wollen die Verbraucher so vor irreführenden Herkunftslandangaben schützen. Bisher sind Hinweise wie „Made in China“ oder „Made in Pakistan“ nicht vorgeschrieben. Die Verbraucher hätten aber ein Recht darauf zu erfahren, ob ein T-Shirt in einem EU-Mitgliedstaat oder einem anderen Land hergestellt worden sei, argumentiert das Parlament. Dabei geht es nach Ansicht von Evelyne Gebhardt (SPD) auch darum, unter welchen Bedingungen Textilien in manchen Ländern hergestellt würden. „In einigen Ländern sind weiter Kinderarbeit und Sklaverei zu beklagen“, sagte Gebhardt.
Beide Marken könnten sich ergänzen
Bliebe es bei der Regelung für Textilien, würde sich in Deutschland kaum jemand erregen. Die EU-Kommission aber dringt auf eine umfassendere Regelung. Sie will, dass alle Importe gekennzeichnet werden. Dafür spricht ihrer Ansicht nach nicht nur, dass das „den Verbrauchern eine informierte Entscheidung ermöglicht“, sondern auch, dass klare Regeln für Herkunftsangaben den Kampf gegen Produkt- und Markenpiraterie erleichtern könnten. Zudem könnten solche Regeln der Förderung der heimischen Industrie dienen, heißt es in der Kommission. Damit ließe sich irgendwann auch die Einführung des „Made in EU“-Labels begründen.
Bisher ist die Behörde aber selbst mit ihren Vorschlägen für die Kennzeichnung von Importen bei der Mehrheit der EU-Staaten auf Widerstand gestoßen. Das hängt auch mit den hohen Kosten zusammen, die eine solche Regelung mit sich brächte. Die Kommission versucht es deshalb nun mit einer Scheibchentaktik. Wie aus einem internen Papier hervorgeht, sollen die Regeln zunächst nur für viele importierte Endprodukte, darunter Textilien, aber auch Möbel, gelten. Nach drei Jahren will sie die Kosten bewerten. Außerdem müsse die EU über die Einführung regionaler „Made in“-Zeichen nachdenken, also etwa ein „Made in the Pan Euro Med“ statt eines „Made in Morocco“, heißt es in dem Papier. Damit reagiert die Kommission unter anderem auf den Vorwurf, dass Produkte heutzutage oft nicht mehr in einem Land allein gefertigt würden. Dieser Ansatz werfe jedoch die Frage auf, wie die Regionen zugeschnitten werden sollten, gibt sie zu.
Auch der Vorschlag zur regionalen Kennzeichnung sei keine Vorbereitung für ein „Made in EU“-Label, heißt es in der Kommission. Sie habe verstanden, dass es in Deutschland starken Widerstand gegen eine solche Regelung gebe. Im Übrigen müsse ein neues Label „Made in EU“ gar nicht an die Stelle der bekannten Marke „Made in Germany“ treten. Beide könnten sich auch ergänzen. Zunächst einmal müssen die Staaten nun zur Herkunftskennzeichnung von Textilien Stellung beziehen. Denn nur wenn sich Parlament und Staaten auf eine Position geeinigt haben, kann die Neuregelung in Kraft treten. Ob die Staaten den Kurs des Parlaments stützen, ist allerdings unsicher.
Made in Germany muss bleiben! Darüber sollte es gar keine Diskussionen geben.
Hermann F. Sack (Collobriere)
- 19.05.2010, 12:26 Uhr
Wo ist das Problem?
Klaus Fuchs (Klaus.Fuchs)
- 19.05.2010, 12:52 Uhr
Langsam...
Thomas Bartuschk (BarlTh)
- 19.05.2010, 13:00 Uhr
Made in Germany
Karl Abonzius (alibori)
- 19.05.2010, 13:36 Uhr
Herkunft auch mit MADE IN fragwuerdig
Gregor Extra (gextra)
- 19.05.2010, 13:45 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,22 | +0,19% |
| Dow Jones | 12.529,80 | +0,27% |
| EUR/USD | 1,2527 | −0,05% |
| Rohöl Brent Crude | 106,75 $ | +0,56% |
| Gold | 1.568,50 $ | +1,26% |
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