http://www.faz.net/-gqe-757bx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 20.12.2012, 08:37 Uhr

Hering, Lachs & Co. EU-Staaten einigen sich auf niedrigere Fischquoten

Um die Fischquoten wird in Europa jedes Jahr hart verhandelt: Nach zwei Tagen stehen nun die Fangmengen fest. Vorläufig. Mit Norwegen muss man sich noch einigen.

© dapd Die EU hat neue Quoten für den Fischfang festgelegt

Die deutschen Fischer müssen sich für das kommende Jahr vorerst auf sinkende Fangmengen einstellen. Darauf einigten sich die EU-Fischereiminister am Donnerstag in Brüssel nach langen Nachtverhandlungen. Die Quoten für Scholle, Hering und Seelachs in der Nordsee setzten sie um 25 bis 30 Prozent im Vergleich zum laufenden Jahr herab.

Die Fanggrenzen sind aber entgegen zunächst veröffentlichter Meldungen noch vorläufig, weil sich die EU noch nicht mit Norwegen über die Mengen für das Jahr 2013 geeinigt hat. Dies wird vermutlich im Januar geschehen. Bis dahin gelten die vorsorglich niedriger angesetzten Quoten. Eine Reihe von Fischbeständen bewirtschaftet die EU gemeinsam mit Norwegen.

Vielleicht mehr Hering, Scholle und Seelachs für Deutschland

Wenn die Verhandlungen mit Norwegen abgeschlossen sind, haben die
Nordsee-Fischer noch Aussicht auf ansteigende Quoten. „Wir haben bei
drei Bereichen - Hering, Scholle und Seelachs - sogar die
Möglichkeit, die Quoten zu erhöhen“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) am Morgen. Ihr
Ministerium teilte mit: „Hier können die Quoten nach den Empfehlungen
der Wissenschaft um 15 Prozent im Einklang mit einer nachhaltigen
Bewirtschaftung angehoben werden“.

Mehr zum Thema

EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki zeigte sich mit dem
Gesamtergebnis nur teilweise zufrieden: „Die Kommission war
ehrgeiziger. Aber nachdem nun dieser Kompromiss auf dem Tisch liegt,
kann ich zufrieden sein, denke ich.“

Immer weniger Wissen über die Fischbestände

Die Kommission schlägt die Fangmengen nach Empfehlungen von
Wissenschaftlern vor, die Staaten verhandeln dann darüber. Für
Bestände, zu deren Zustand wenig bekannt ist, die aber schrumpfen,
hatte Damanaki die Quoten sicherheitshalber um zwanzig Prozent kappen wollen. Die Staaten ließen sich nur auf fünf Prozent weniger ein.

Insgesamt weiß man aber immer mehr über den Zustand der
Fischbestände. Während im Vorjahr bei mehr als 60 Prozent der
Bestände größere Datenlücken klafften, ist dies laut Damanaki nur
noch bei 15 Prozent der Fall. „Das ist wirklich eine Riesenveränderung“, sagte die EU-Kommissarin. Wenn die Entwicklung sich fortsetze, sei eine nachhaltige Fischerei bei allen Beständen innerhalb von fünf Jahren möglich.

Kritik von Umweltverbänden

Umweltverbände kritisierten die Entscheidung. „Statt entschlossenen
Schrittes für den Wiederaufbau der Fischbestände zu sorgen, begnügt
sich der Ministerrat mit Schleichtempo“, kommentierte Karoline
Schacht vom WWF. „Im Nordostatlantik ist noch immer jeder zweite
Bestand überfischt.“ Auch Greenpeace sind die erlaubten Fangmengen
immer noch zu hoch.

Kritiker der europäischen Fischpolitik hoffen nun auf das Europaparlament. Der Fischereiausschuss hatte diese  für ehrgeizige
Maßnahmen gestimmt. So sollen die erlaubten Fangmengen unterhalb
eines längerfristig verträglichen Niveaus angesetzt werden. Der
Beschluss ist aber nicht verbindlich.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ölschwemme bleibt Ölpreis wieder auf dem Rückzug

Kurzlebig waren abermals die Hoffnungen auf eine Förderbegrenzung. Neue Meldungen weisen eher in die andere Richtung. Der Ölpreis fällt. Mehr

22.08.2016, 11:49 Uhr | Finanzen
VW im Streit mit Zulieferern Kein Durchbruch bei Verhandlungen in Wolfsburg

Bei Gesprächen zwischen dem Autobauer Volkswagen und zwei Lieferanten hat sich auch nach über 15 Stunden kein Durchbruch angedeutet. Bei den Verhandlungen geht es um eine gütliche Lösung im Streit über ausgesetzte Lieferungen. Durch die fehlenden Lieferungen sind fast 30.000 VW-Mitarbeiter von Kurzarbeit bedroht. Mehr

23.08.2016, 07:59 Uhr | Wirtschaft
Chemchina und Syngenta Amerika erlaubt China eine Großübernahme in der Schweiz

Der Staatskonzern Chemchina darf den Weltmarktführer für Pflanzenschutzmittel kaufen, hat ein wichtiges Gremium in Amerika entschieden. Die Reaktion an der Börse ist eindeutig. Mehr

22.08.2016, 09:41 Uhr | Wirtschaft
Alternative Ernährung Berlin als Trendstadt für Veganer

Immer mehr Menschen wollen sich vegan, also ganz ohne tierische Produkte ernähren: 900.000 sollen es in ganz Deutschland sein. Fast zehn Prozent davon leben Schätzungen zufolge in Berlin, und so ist es nicht überraschend, dass die deutsche Hauptstadt hier Trendsetter ist. In Berlin gibt es mehr vegane Restaurants als in Paris oder London, und immer mehr vegane Betriebe schießen aus dem Boden. Mehr

23.08.2016, 02:00 Uhr | Gesellschaft
Rio de Janeiro Umstrittene Läuferin Semenya stürmt zu Olympia-Gold

Caster Semenya demonstriert ihre Überlegenheit beim 800-Meter-Rennen. Die kantige Läuferin aus Südafrika stand immer wieder im Mittelpunkt einer Geschlechterdebatte. Mehr

21.08.2016, 05:13 Uhr | Sport

Resterampe der Energiewende

Von Helmut Bünder, Düsseldorf

Die Eon-Aktionäre können sich nicht mehr dagegen wehren, dass ihnen bald Anteile an Uniper gehören. Das Papier bleibt nach den neuen Zahlen eine riskante Wette für Wagemutige. Mehr 3 6

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden